Prävention: Bundesregierung startet Offensive mit Check-up 60+
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 02:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Bundesgesundheitsministerin Warken will die Vorbeugung von Krankheiten systematisch ausbauen. Kern der Strategie: verpflichtende Einladungen zu Vorsorgeuntersuchungen für Menschen über 60 (Check-up 60+) sowie für Kinder und Jugendliche (U10/J1).
Hintergrund sind die steigenden Kosten im Gesundheitswesen. Für 2025 gab die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) 734 Millionen Euro für Präventionsleistungen aus. Der Präsident der Bundesärztekammer, Reinhardt, unterstützt den lebenszyklusübergreifenden Ansatz. Der GKV-Spitzenverband betont: Prävention sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Digitalisierung bringt Milliardenentlastung
Parallel treibt das Kabinett die Vernetzung voran. Das Gesetz zur Digitalisierung im Gesundheitswesen (GeDIG) vom 16. Juli 2026 soll jährlich 445 Millionen Euro einsparen. Geplant sind der Ausbau der elektronischen Patientenakte (ePA) mit Volltextsuche ab 2027 und eine digitale Impfübersicht ab Mitte 2027. Die flächendeckende E-Überweisung kommt bis zum 1. September 2029.
Doch nicht alle Reformen stoßen auf Begeisterung. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 10. Juli 2026 budgetiert die Psychotherapie ab dem 1. Januar 2027. Bisher waren rund 90 Prozent der Leistungen extrabudgetär vergütet.
Psychotherapie: Budgetierung sorgt für Alarm
Therapeuten schlagen Alarm. Die durchschnittliche Wartezeit von fünf Monaten könnte sich weiter verlängern. Laut Robert Koch-Institut erhielten 2023 rund 40 Prozent der Erwachsenen eine psychische Diagnose. Fachleute rechnen vor: Jeder in Psychotherapie investierte Euro spare langfristig das Drei- bis Vierfache an Folgekosten.
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Die Politik plant für September 2026 Nachbesserungen. Besonders Kinder und Jugendliche sollen von der Budgetierung ausgenommen werden.
Ein weiterer Einschnitt betrifft die Fernbehandlung. Das Bundesgesundheitsministerium will Krankschreibungen per Online-Fragebogen ohne Arztkontakt untersagen. Die Videosprechstunde bleibt erlaubt, die telefonische Krankschreibung soll wegfallen. Zudem ist eine verpflichtende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag im Gespräch.
Komplementäre Verfahren boomen lokal
Abseits der großen Reformen wächst das Angebot an alternativen Gesundheitsverfahren. Volkshochschulen und private Anbieter erweitern ihr Programm für Herbst 2026 – mit ganzheitlichen Ansätzen für Körper und Geist.
Im August starten Kurse zum Fastenwandern nach Buchinger. Der Kneipp-Aktiv-Club in Villach setzt verstärkt auf die fünf Säulen der Kneipp-Therapie: Wasseranwendungen, Heilpflanzen, Ernährung, Bewegung und Lebensordnung. In Wien sind für November ganzheitliche Kunsttherapie-Veranstaltungen geplant. Volkshochschulen in Bonn und Ganderkesee bieten ab Herbst Atem- und Stimmtraining, digitale Resilienz und zeitgenössischen Tanz.
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Auch die Technik kommt nicht zu kurz: Im Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf geht ab August ein Operationsroboter in Betrieb – Jahreskosten: rund eine Million Euro. In Bad Waldsee öffnete eine spezialisierte Rezeptambulanz für physiotherapeutische Leistungen wie Manuelle Therapie. Ziel: die regionale Versorgung stabilisieren.
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