Mehrwertsteuersenkung, Euro

Mehrwertsteuersenkung ab Juli: 100 Euro Ersparnis pro Haushalt

26.06.2026 - 09:56:03 | boerse-global.de

Österreichs reduzierte Mehrwertsteuer auf Lebensmittel soll die Inflation bremsen, doch Shrinkflation und Bürokratie schmälern den Effekt.

Österreich senkt Mehrwertsteuer: Entlastung und versteckte Risiken
Mehrwertsteuersenkung - Ein Einkaufswagen, gefüllt mit frischen Lebensmitteln wie Brot, Gemüse und Milchprodukten, in einem Supermarkt. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ab Juli 2026 gilt in Österreich ein reduzierter Mehrwertsteuersatz auf Grundnahrungsmittel. Brot, Gebäck und Gemüse werden statt mit 10 nur noch mit 4,9 Prozent besteuert. Die Regierung erhofft sich davon eine Entlastung der Verbraucher.

Laut Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO könnte die Inflation dadurch um etwa 0,15 Prozentpunkte sinken. Bei vollständiger Weitergabe der Steuersenkung wären Preisrückgänge von rund 5 Prozent möglich. Pro Haushalt ergäbe das eine Ersparnis von etwa 100 Euro jährlich.

Abgrenzungsprobleme im Supermarktregal

Die Umsetzung erweist sich jedoch als knifflig. Die Steuersenkung ist an spezifische Zoll-Codes gebunden – mit kuriosen Folgen. Einfache Semmeln fallen unter den ermäßigten Satz, Croissants oder Laugenstangen nicht. Der Lebensmittelhandel musste rund 6 Millionen Euro in die systemseitige Umstellung investieren.

Branchenexperten rechnen damit, dass nur etwa 70 Prozent der Entlastung tatsächlich bei den Kunden ankommen. Der Rest verpufft in der Umsetzung.

Versteckte Teuerung: Weniger Inhalt, höherer Preis

Während die Politik an einer Stellschraube dreht, drehen Hersteller an einer anderen. Verbraucherschützer melden eine Zunahme der sogenannten „Shrinkflation“. Aktuelles Beispiel: Ein internationaler Süßwarenhersteller reduzierte die Riegelanzahl in einem Multipack von neun auf acht – und erhöhte den Preis gleichzeitig von 3,19 auf 3,59 Euro.

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Rechnerisch ergibt das eine verdeckte Teuerung von bis zu 26,6 Prozent. Der Hersteller verweist auf gestiegene Produktionskosten. Für Verbraucher wird es so immer schwieriger, die tatsächliche Preisentwicklung im Regal zu durchschauen.

Junge Generation besonders verunsichert

Die allgemeine Konsumstimmung bleibt gedämpft. Der Konsumklima-Index für Juli liegt bei minus 29,2 Punkten. Zwar entspannen sich internationale Konflikte leicht, was die Inflationssorgen mildert. Doch die Anschaffungsneigung bleibt schwach, die Sparneigung hoch. Ein Aufschwung auf Vorkrisenniveau ist laut NIM-Experten nicht in Sicht.

Besonders betroffen: die Jungen. Laut Raisin Money Confidence Index fühlen sich nur 42 Prozent der 18- bis 34-Jährigen finanziell abgesichert. In der Altersgruppe der 55- bis 69-Jährigen sind es 66 Prozent. Hauptgründe sind hohe Wohn- und Energiekosten.

Neue Regeln und digitale Helfer

Seit dem 19. Juni 2026 gilt ein verpflichtender Widerrufsbutton für online abgeschlossene Verträge. Und mit dem „Energy Sharing“ können Haushalte seit Juni an gemeinschaftlichen Energieprojekten teilnehmen.

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Parallel gewinnen Budget-Apps an Bedeutung. Organisationen wie die Deutsche Stiftung Verbraucherschutz empfehlen den Aufbau eines Notgroschens in Höhe von drei bis sechs Monatsausgaben. Angesichts erwarteter Leitzinserhöhungen der EZB rücken zudem Tages- und Festgeld wieder in den Fokus – Angebote aus dem europäischen Ausland locken teils mit über 3 Prozent Zinsen.

Doch die Entlastung bleibt fragil. Die Produktionskosten der Industrie bleiben aufgrund hoher Rohstoff- und Energiepreise auf hohem Niveau. Der Druck auf die Verbraucherpreise dürfte anhalten.

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