Kreislaufwirtschaft, Kabinett

Kreislaufwirtschaft: Kabinett beschließt 240-Millionen-Programm

02.06.2026 - 13:10:43 | boerse-global.de

Bundeskabinett verabschiedet Programm zur Kreislaufwirtschaft. Alte Handys im Wert von 240 Mio. Euro liegen ungenutzt in Haushalten.

Kreislaufwirtschaft: Kabinett beschließt 240-Millionen-Programm - Bild: über boerse-global.de
Kreislaufwirtschaft: Kabinett beschließt 240-Millionen-Programm - Bild: über boerse-global.de

Die Bundesregierung will mit einem neuen Aktionsprogramm die Kreislaufwirtschaft ankurbeln – und dabei immense Werte heben. Allein 240 Millionen Euro stecken in ungenutzten Mobiltelefonen in deutschen Haushalten.

Neues Programm für mehr Ressourceneffizienz

Das Bundeskabinett wird am morgigen Mittwoch, dem 3. Juni 2026, das „Kreislaufwirtschafts-Aktionsprogramm“ verabschieden. Ziel ist es, brachliegende wirtschaftliche Potenziale zu erschließen. Besonders deutlich wird das am Beispiel alter Handys: Im Jahr 2023 lagerten in privaten Haushalten ungenutzte Mobiltelefone im Wert von schätzungsweise 240 Millionen Euro.

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Die Forschung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Wer auf Kreislaufwirtschaft setzt, fährt oft gut damit. Sieben von zehn Unternehmen mit einer entsprechenden Strategie berichten von wirtschaftlichem Erfolg. Allerdings hapert es noch an der technologischen Umsetzung. Nur neun Prozent der Firmen nutzen Künstliche Intelligenz, um Reparaturen oder Recycling zu erleichtern.

Streit um Plastikabgabe

Ein Knackpunkt ist die geplante Plastikabgabe. Die Regierung erhofft sich daraus jährliche Einnahmen von 1,4 Milliarden Euro. Doch die Industrie zeigt sich skeptisch. Reinhard Schneider, Inhaber von Werner & Mertz, kritisiert die Abgabe scharf. Sein Vorwurf: Sie setze keinerlei Anreize für den Einsatz von Recycling-Material. Statt einer pauschalen Gebühr fordert er eine ökologische Staffelung der Lizenzgebühren – mit Rückerstattungen für Unternehmen, die Recyclate verwenden.

Secondhand wird zum Mainstream

Der trend zum Gebrauchtkauf ist längst keine Randerscheinung mehr. In den USA bevorzugten 2024 bereits 58 Prozent der Verbraucher den Secondhand-Markt. Noch deutlicher fällt die Entwicklung in Südkorea aus: Dort nutzten 82 Prozent der 20- bis 59-Jährigen Gebrauchtwaren-Plattformen. Die sogenannte MZ-Generation (Millennials und Gen Z) stellt dabei 76 Prozent der Nutzer.

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Allein die Plattform „Lightning Market“ verzeichnete 2024 rund 39 Millionen angebotene Artikel bei 8,37 Millionen monatlichen Nutzern. Die aktivste Zeit: Montagabends zwischen 20 und 23 Uhr. Auch physische Events boomen: Ein spezielles Festival lockte 2025 rund 71.000 Besucher an, die 29.000 Gegenstände tauschten oder verkauften.

Lokale Konzepte: Vom Pop-up-Store bis zum Sozialkaufhaus

Städte werden zunehmend zu Testlaboren für kreislauffähige Handelsformate. In Nürnberg öffnet vom 11. Juni bis 4. Juli 2026 das Pop-up-Kaufhaus „Zirka Pop-Up“ in einem ehemaligen Kaufhof-Gebäude. Das Angebot: Upcycling-Mode, gebrauchte Möbel und Reparatur-Workshops. Vom 2. bis 4. Juli folgt der Schlussverkauf.

Auch Dormagen geht neue Wege. Die Stadt genehmigte am 29. Mai 2026 den bau eines Sozialkaufhauses. Organisiert von der örtlichen Tafel, wird es Secondhand-Kleidung, günstige Möbel und Elektrogeräte anbieten.

Temporäre Angebote ergänzen das Bild. Die Initiative OFFCUT ist vom 12. bis 14. Juni 2026 auf dem Mittsommerfest in Frauenfeld vertreten – mit Materialien und Aktionen rund um Wiederverwendung. Und die „Circular Week 2026“ ist für Ende Oktober geplant, mit der LAG 21 NRW als Partner für kommunale Kreislaufwirtschaft.

Bauwirtschaft: Grenzüberschreitende Projekte

Auch im Bau- und Verpackungssektor tut sich etwas. Das EU-Interreg-Projekt DECORATOR startete am 1. Januar 2024 und läuft 30 Monate. 13 Partner aus acht Ländern arbeiten an kreislauffähiger Architektur in der Donauregion. Parallel dazu erstellt das Projekt BAUHALPS Machbarkeitsstudien für öffentliche Gebäude in Österreich, Slowenien, Italien und der Schweiz.

Erfolgreiches Sammelsystem in der Schweiz

Ein positives Beispiel liefert die Schweiz. Die Non-Profit-Organisation RecyPac sammelte 2025 insgesamt 478 Tonnen Kunststoffverpackungen und Getränkekartons – über ein Netz von 500 Sammelstellen. Rund zwei Drittel des Materials stammten aus Rücknahmesystemen des Einzelhandels. Damit haben 1,5 Millionen Menschen Zugang zu einer landesweiten Sammellösung.

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