Armut in Deutschland: 13 Millionen Menschen betroffen – höchster Stand seit 2020
02.06.2026 - 13:10:43 | boerse-global.de
Der aktuelle Paritätische Armutsbericht zeichnet ein düsteres Bild der sozialen Lage.
Die Armutsquote kletterte 2025 auf 16,1 Prozent – ein Anstieg um 0,6 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2023 sind rund 1,2 Millionen Menschen zusätzlich in die Armut gerutscht. Besonders alarmierend: Der positive Trend sinkender Armutszahlen zwischen 2020 und 2023 ist damit gestoppt.
Wer besonders betroffen ist
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Die Zahlen zeigen klare Risikogruppen. Alleinerziehende und Singles trifft es am härtesten: Ihre Armutsquoten liegen bei 28,9 beziehungsweise 30,3 Prozent. Auch jeder fünfte über 65-Jährige – genau 19,5 Prozent – ist von Armut betroffen.
Bildung erweist sich als entscheidender Faktor: 29,1 Prozent der Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss gelten als arm. Und ein weit verbreitetes Vorurteil widerlegt der Bericht ebenfalls: 70 Prozent der Betroffenen besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft.
Besonders bitter: Rund 1,8 Millionen Menschen arbeiten in Vollzeit und sind dennoch arm. Deutschland hat trotz eines Mindestlohns von 13,90 Euro weiterhin einen der größten Niedriglohnsektoren in der EU. 6,9 Prozent der Bevölkerung können ihre laufenden Kosten nicht mehr decken.
Wo die Armut am größten ist
Die regionalen Unterschiede sind eklatant. Bremen bleibt mit 27,5 Prozent trauriger Spitzenreiter. Sachsen-Anhalt folgt mit 21,3 Prozent. Berlin verzeichnet einen dramatischen Anstieg auf 18,7 Prozent – das sind 2,2 Prozentpunkte mehr als 2024 und sogar fünf Punkte mehr als 2023.
In Hessen stieg die Quote von 15,5 auf 17,3 Prozent. Besonders betroffen: Kassel mit 19,2 und Gießen mit 18,4 Prozent. Sachsen liegt bei 16,7, das Saarland bei 15,5 Prozent.
Am anderen Ende der Skala: Bayern meldet mit 12,6 Prozent die niedrigste Armutsquote, gefolgt von Baden-Württemberg mit 13,2 Prozent. Brandenburg blieb mit 14,7 Prozent relativ stabil.
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Appell an die Politik
Joachim Rock, Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, spricht angesichts der Zahlen von einer Krisensituation. Er warnt eindringlich vor Kürzungen bei Sozialleistungen – das würde den Negativtrend nur verschärfen.
Die Landesverbände fordern konkrete Maßnahmen: In Hessen verlangt der Paritätische kostenlose Mahlzeiten in Kitas und Schulen sowie den Ausbau von Ganztagsangeboten. Auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland appellieren die Sozialverbände an die Politik, die soziale Infrastruktur nicht zu vernachlässigen. Die Botschaft ist klar: Angesichts des wirtschaftlichen Drucks brauche es verlässliche Unterstützungssysteme – sonst drohe die Armut weiter zu wachsen.
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