Krafttraining: Zwei Stunden pro Woche senken Herzinfarkt-Risiko um 20%
29.06.2026 - 05:41:12 | boerse-global.de
Der Zustand – niedrige Muskelmasse bei hohem Körperfettanteil – gilt als besondere Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Rund 80 Prozent der Betroffenen erfüllen die klinischen Kriterien für Adipositas. Die Wechselwirkung zwischen Fettgewebe und Muskelschwund wird zum zentralen Thema der Präventionsmedizin.
Molekularer Schalter nach dem Infarkt
Forscher in Hannover identifizierten mit CircHIPK2 einen molekularen Schalter, der die Polarisierung von Makrophagen steuert. Diese Erkenntnis ist relevant für Heilungsprozesse im Herzmuskelgewebe nach einem Herzinfarkt. Gleichzeitig betonen Experten, dass Umweltbedingungen bei der Entstehung von Herzinsuffizienz oft unterschätzt werden.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Neubildung von Fettgewebe in der Lebensmitte. Eine Studie im Fachjournal Science aus dem Jahr 2025 zeigte: CP-A-Stammzellen spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von viszeralem Bauchfett. Bei Versuchen mit Mäusen mittleren Alters entstanden über 80 Prozent der viszeralen Fettzellen neu. Gesteuert wird dieser Prozess durch den LIFR-Signalweg. Ein entsprechender Inhibitor konnte die Zunahme des Fettgewebes verhindern – die Effekte waren vor allem bei männlichen Probanden signifikant.
GLP-1-Therapie: Weniger Gewicht, weniger Muskeln
Die verstärkte Anwendung von GLP-1-Rezeptor-Agonisten zur Gewichtsreduktion bringt neue Herausforderungen. Der schnelle Gewichtsverlust geht oft mit einem signifikanten Abbau von Muskelmasse einher. Eine im Juni 2026 in Nature Medicine veröffentlichte Studie untersuchte den Einsatz von Apitegromab, um diesem Effekt entgegenzuwirken.
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In einer Untersuchung mit 102 Erwachsenen führte die Kombination von Apitegromab mit dem Wirkstoff Tirzepatid dazu, dass 1,9 Kilogramm mehr Muskelmasse erhalten blieben. Der Anteil des Muskelverlusts am Gesamtgewichtsverlust sank von 30,2 Prozent auf 14,6 Prozent. Der Antikörper blockiert ein für den Muskelabbau verantwortliches Protein. Das Medikament befindet sich derzeit in der klinischen Prüfung und wird intravenös verabreicht.
Doch die Nebenwirkungen einer GLP-1-Therapie gehen weiter. Daten der Endocrine Society aus dem Jahr 2026 deuten darauf hin, dass die körperliche Aktivität unter der Behandlung paradoxerweise sinken kann. Bei knapp 2.000 untersuchten Personen verringerte sich die tägliche Schrittzahl von durchschnittlich 5.047 auf 4.487. Die Zeit für moderate bis intensive Bewegung sank von 28 auf 22 Minuten pro Tag.
Krafttraining als Schutzschild
Die Bedeutung von Krafttraining zur Kompensation dieser Risiken wird durch groß angelegte Studien untermauert. Eine im Juni 2026 im Journal of the American College of Cardiology veröffentlichte Analyse mit über 117.000 Frauen belegt: Bereits zwei Stunden Krafttraining pro Woche senken das Risiko für koronare Herzkrankheiten um 20 Prozent. Jede weitere Stunde reduziert das Risiko für Herzinfarkte um zusätzliche 14 Prozent. In Verbindung mit aerobem Training war eine Risikoreduktion von bis zu 45 Prozent möglich.
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Auch klinische Studien der UEL zeigen: Regelmäßiges Krafttraining über zwei Jahre verbessert die kardiale Struktur und die diastolische Funktion bei älteren Frauen. Das ist besonders relevant für die Behandlung der Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF).
Zuckersteuer: 16 Milliarden Euro Einsparung
Auf politischer Ebene werden präventive Maßnahmen diskutiert. Im Juli 2026 forderten Vertreter der SPD die Einführung einer gestaffelten Zuckersteuer auf Softdrinks. Modellrechnungen gehen davon aus, dass eine Steuer von 20 bis 30 Cent pro Liter – abhängig vom Zuckergehalt – über 20 Jahre zu Einsparungen im Gesundheitssystem von 10,8 bis 16 Milliarden Euro führen könnte. Unterstützt wird der Vorstoß unter anderem von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.
