Krafttraining, Minuten

Krafttraining: 90 Minuten pro Woche verjüngen biologisch um vier Jahre

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 04:19 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studien belegen: Krafttraining senkt Sterblichkeit und kann Zellen verjüngen. Soziale Isolation gilt als ähnlich riskant wie Rauchen.

Longevity-Trend: Krafttraining und soziale Bindungen verlängern Leben
Ältere Menschen trainieren mit Gewichten in einem Fitnessstudio, um ihre Langlebigkeit und kognitive Gesundheit zu fördern. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das legt eine Untersuchung des Weizmann Institute nahe. Demnach lassen sich 50 bis 55 Prozent der individuellen Lebenserwartung durch Faktoren wie Bewegung, Ernährung, kognitive Gesundheit und soziale Bindungen steuern.

Die Fitnessindustrie hat diesen Trend längst erkannt. Im Zentrum steht dabei eine Trainingsform, die lange unterschätzt wurde.

Muskeln als Jungbrunnen

Krafttraining wirkt doppelt: Es verlängert das Leben und schützt das Gehirn. Eine Metastudie des British Journal of Sports Medicine (BJSM) aus dem Jahr 2022 mit rund 480.000 Teilnehmern zeigt: Bereits 30 bis 60 Minuten pro Woche senken die Sterblichkeit um 10 bis 20 Prozent. Optimal sind demnach 60 bis 75 Minuten.

Noch konkreter wird eine Studie aus dem Jahr 2024 in der Fachzeitschrift MDPI Biology. Wer wöchentlich 90 Minuten Krafttraining absolviert, kann seine Telomerlänge so beeinflussen, dass biologisch ein Verjüngungseffekt von etwa vier Jahren entsteht.

Doch der Nutzen geht über die reine Körperlichkeit hinaus. Sportmediziner Daniel König von der Universität Wien verweist auf die sogenannte Muskel-Hirn-Achse. Gezieltes Training fördert demnach Gedächtnis und geistige Beweglichkeit.

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Die Lancet-Kommission schätzt, dass sich bis zu 45 Prozent der Demenzerkrankungen durch Anpassungen des Lebensstils hinauszögern ließen. In Wien läuft derzeit eine Studie mit 126 Probanden zwischen 65 und 85 Jahren. Sie untersucht, ob die Kombination aus der Aminosäure L-Serin und Krafttraining kognitive Prozesse unterstützt.

Die Grenzen der Selbstoptimierung

Wer viel investiert, erwartet Kontrolle. Doch der Fall des US-Unternehmers Bryan Johnson zeigt die Grenzen des Biohackings. Johnson steckt jährlich rund zwei Millionen US-Dollar in Anti-Aging-Maßnahmen – und wurde dennoch mit einer unheilbaren Autoimmungastritis diagnostiziert. Sein Körper kann essentielle Nährstoffe wie Eisen und Vitamin B12 nicht mehr aufnehmen.

Die Erkrankung blieb trotz extensiver Selbstvermessung über Jahre unentdeckt. Für Kritiker entzaubert dieser Fall das Versprechen, den Alterungsprozess allein durch Technologie und Daten vollständig beherrschen zu können.

Soziale Isolation wie 15 Zigaretten täglich

Neben dem Muskelaufbau identifiziert die Wissenschaft einen weiteren, oft vernachlässigten Faktor: soziale Bindungen. Die über 80 Jahre laufende Harvard Study of Adult Development zeigt, dass enge Beziehungen entscheidend für gesundes Altern sind.

Die Zahl ist alarmierend: Soziale Isolation erhöht das Sterblichkeitsrisiko in einem Maße, das mit dem Konsum von 15 Zigaretten pro Tag vergleichbar ist. Eine Studie aus dem Jahr 2023 mit rund 28.000 älteren Teilnehmern bestätigt: Regelmäßige soziale Interaktion verbessert die Überlebensraten signifikant.

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Für Frauen in der zweiten Lebenshälfte empfehlen Experten zudem spezifische Supplementierung. Drei bis fünf Gramm Kreatin-Monohydrat pro Tag unterstützen Muskelkraft, Knochendichte und möglicherweise die Gehirnfunktion. Bei bestehenden Nierenerkrankungen ist vorher eine fachliche Abklärung nötig.

Hyrox und Hyatlón: Neue Formate erobern den Markt

Der Longevity-Trend schafft neue Geschäftsfelder. In Shanghai eröffnete mit „Timepie“ eine Klinik, die von Stammzelltherapien bis zu Druckkammerbehandlungen alles anbietet. Die Branche in China wächst rasant.

Im Breitensport gewinnen hybride Formate an Popularität. Hyrox kombiniert Laufen mit funktionellen Kraftübungen. Mitte 2026 stellte der Sportler Simon Gronau einen Weltrekord auf: Er absolvierte an 100 aufeinanderfolgenden Tagen jeweils ein Hyrox-Rennen.

Dass Fitness bis ins hohe Alter möglich ist, bewies die 100-jährige Maria Lammers. Im Juli 2026 nahm sie an einem 24-Stunden-Lauf in Dorsten teil und legte zwei Kilometer mit dem Rollator zurück.

In Spanien etabliert sich unterdessen „Hyatlón“ – eine technologisch gestützte Disziplin mit biomechanischen Sensoren zur Leistungsanalyse. Für den Herbst 2026 sind Veranstaltungen in Madrid, Las Palmas und Saragossa geplant. Auch in Deutschland wächst die Infrastruktur für funktionelles Training. Im Frühjahr 2026 eröffneten spezialisierte Studios in Lingen.

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