Krafttraining, Minuten

Krafttraining: 90 Minuten pro Woche senken Herzinfarktrisiko um 19%

05.07.2026 - 12:36:36 | boerse-global.de

EMS-Training punktet mit Zeitersparnis, klassisches Krafttraining überzeugt durch breitere Gesundheitsvorteile laut Studien.

EMS vs. Krafttraining: Was die Studienlage wirklich sagt
Krafttraining - Eine Person in einem EMS-Anzug mit Elektroden, die sich dynamisch bewegt. Im Hintergrund verschwommen ein traditionelles Fitnessstudio. 05.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Doch wie schneidet EMS im direkten Vergleich mit klassischem Krafttraining ab? Aktuelle Studien liefern klare Antworten.

EMS-Markt wächst rasant

Die Zahl der EMS-Studios ist zwischen 2023 und 2025 um über 16 Prozent gestiegen, zeigt eine Analyse von ClassPass. Das Versprechen: 20 Minuten Training mit elektrischen Impulsen sollen bis zu 98 Prozent der Muskeln aktivieren.

Anbieter berichten von beeindruckenden Einzelergebnissen: Bis zu neun Prozent Körperfettreduktion und 30 Prozent Kraftsteigerung in zwölf Wochen. Nutzer verlieren bei zwei bis drei Einheiten pro Woche rund vier Kilogramm.

Doch die Wissenschaft bremst die Euphorie. Dr. Greg Holtzman von der University of Washington betont: EMS kann für sehr schwache Personen oder Spitzensportler nützlich sein. Als allgemeines Fitnesstool sei es jedoch keine überlegene Methode.

Was die Wissenschaft sagt

Eine Meta-Analyse von 2022 zeigt: EMS erzielt ähnliche Kraftzuwächse wie konventionelles Training – übertrifft es aber nicht. Physiotherapeutin Crystal Busbee weist auf den entscheidenden Unterschied hin: EMS hilft in der Rehabilitation, Muskeln wieder zu aktivieren. Für gesunde Menschen ersetzt es jedoch keine funktionellen Bewegungsabläufe.

Klassisches Krafttraining basiert auf aktiver Bewegung und mechanischer Spannung. EMS setzt dagegen auf passive Reize durch Elektroden in Spezialanzügen. Das kann zu tiefer Muskelerschöpfung führen, birgt aber auch Risiken wie Hautirritationen. Menschen mit Herzschrittmachern oder aktiven Infektionen sollten vorher einen Arzt konsultieren.

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Die Langzeitvorteile des klassischen Trainings

Hier liegen die Stärken des konventionellen Krafttrainings. Eine Harvard-Studie mit fast 150.000 Teilnehmern über 30 Jahre belegt: 90 bis 119 Minuten Krafttraining pro Woche senken das Risiko für Herz-Kreislauf-Todesfälle um 19 Prozent und für Alzheimer um 27 Prozent.

Interessant: Mehr als zwei Stunden Training pro Woche bringen keinen zusätzlichen Überlebensvorteil. Die geringste Sterblichkeit erreichten Probanden mit einer Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining.

Weitere Studien untermauern den metabolischen Nutzen:

  • Diabetes-Prävention: 30 Minuten Krafttraining pro Woche reduzieren das Risiko für Typ-2-Diabetes um 42 Prozent. Kombiniert mit Ausdauersport und weniger Bildschirmzeit steigt der Schutz auf 62 Prozent.
  • Herzgesundheit: Eine KI-gestützte Untersuchung der University of Edinburgh zeigt: Höhere Muskeldichte im Oberkörper senkt das Herzinfarktrisiko deutlich. Entscheidend ist die Qualität der Muskulatur, nicht die reine Größe.

Was bedeutet das für die Praxis?

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Sportwissenschaftlerin Janina Raab empfiehlt Einsteigern ein bis zwei Einheiten pro Woche. Das reicht, um Muskelmasse und Knochendichte zu erhöhen und das Osteoporoserisiko zu senken. Die Ausschüttung von Myokinen verbessert zudem Stoffwechsel und Stimmung.

Das Fazit: EMS-Training ist eine effektive Ergänzung oder zeitsparende Alternative für spezifische Ziele. Die breiten präventiven Gesundheitsvorteile des klassischen Krafttrainings sind jedoch durch die umfangreiche Studienlage besonders gut belegt. Während EMS als technologische Weiterentwicklung der Methoden von Dr. Yakov Kotz aus den 1970er Jahren gilt, bleibt aktive körperliche Betätigung die Basis für eine umfassende Reduktion von Zivilisationskrankheiten.

de | wissenschaft | 69695752 |