Kochen gegen Demenz: Japanische Studie mit 11.000 Teilnehmern
22.06.2026 - 10:14:59 | boerse-global.de
Angesichts von Fast-Food-Kultur und schwindendem Bewusstsein für Lebensmittel-Herkunft fordern Experten eine stärkere Verankerung im Lehrplan. Verschiedene Initiativen zeigen, wie die Umsetzung praktisch aussehen kann.
Historiker plädiert für neues Fach
Der Dresdner Historiker Professor Andreas Rutz sprach sich heute für ein eigenständiges Schulfach Ernährung aus. Der Leiter des Deutschen Archivs der Kulinarik betonte, ein solches Fach schaffe Bewusstsein für Produkte, Geschmack, Lieferketten und klimatische Zusammenhänge.
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Nach Einschätzung des Wissenschaftlers fehlt in der Supermarkt-Kultur oft das Verständnis für Saisonalität und Regionalität. Die soziale Funktion des gemeinsamen Essens trete gegenüber einer beschleunigten Verpflegungskultur in den Hintergrund. Ob sich der Trend zu vegetarischer und veganer Ernährung dauerhaft als gesellschaftlicher Standard etabliert, bleibe abzuwarten.
Mobiler Küchenwagen für Grundschüler
In Bremen nutzt eine Grundschule seit Juni den mobilen Küchenwagen „Leckerschmecker“. Das Projekt des Forum Küche ermöglicht bis zu 30 Kindern gleichzeitig, spielerisch Küchenregeln und den Umgang mit Lebensmitteln zu lernen. Finanziert wird es von Umweltsenatorin Henrike Müller.
Die Schule arbeitet für den Lebensmitteleinkauf mit einem örtlichen Einzelhändler zusammen. Ziel ist es, die Kinder direkt in die Zubereitung einzubeziehen und so die Hürden beim Umgang mit frischen Produkten abzubauen.
Vom Bauernhof auf den Teller
Das Projekt „Landfrauen machen Schule“ des Bayerischen Bauernverbandes ermöglichte Grundschülern in Tapfheim Einblicke in die Milchproduktion und moderne Technik wie Melkroboter. Die Gesamtschule Campus Werder verbringt Ende Juni mehrere Tage auf einem Biohof, um durch Tierpflege und Ernte ein Verständnis für nachhaltige Erzeugung zu entwickeln.
In Österreich feierten die Bauernhoferlebnistage in Graz Mitte Juni ihr 20-jähriges Bestehen. Rund 9.000 Kinder wurden in diesem Zeitraum erreicht. Bundesminister Rainer würdigte zudem über 3.100 Teilnehmer des Wettbewerbs „Echt kuh-l!“, die sich mit Projekten zur Artenvielfalt im Ökolandbau beschäftigten.
Gesundes Frühstück für alle
Projekte wie „Gesundes Frühstück für alle“ in Lauf versorgen seit 2023 einen Großteil der Schülerschaft mit fett- und zuckerarmen Pausenmahlzeiten. Ähnliche Initiativen in Radolfzell betreuen rund 500 Kinder. Sie sind häufig auf ehrenamtliches Engagement und Spenden von Organisationen wie der Tafel angewiesen.
Eine Delegation aus Dortmund informierte sich im Juni in Kopenhagen über nachhaltige Verpflegungssysteme. Die dänische Hauptstadt erreicht in rund 1.000 städtischen Einrichtungen einen Bio-Anteil von 90 Prozent. Diese Impulse sollen die Qualität der Verpflegung im Offenen Ganztag schrittweise verbessern.
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Forschung: Mehlwürmer in der Weißwurst
Forscher der Universität Bayreuth stellten ein Konzept für eine Weißwurst vor, bei der Mehlwurmpulver als Fettersatz dient. Das soll den ökologischen Fußabdruck senken und den Proteingehalt steigern.
Eine japanische Langzeitstudie mit rund 11.000 Teilnehmern zeigte zudem, dass regelmäßiges Kochen das Demenzrisiko signifikant senken kann. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung praktischer Kochfertigkeiten über alle Altersgruppen hinweg – und stützen die Forderung nach einer frühzeitigen Vermittlung im Bildungssystem.
