Ketogene, Diät

Ketogene Diät bei Schizophrenie: 94% halten durch, Symptome bessern sich

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 10:51 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studien belegen positive Effekte von Ernährungsumstellung und Selbsthilfe auf psychische Erkrankungen. Neue Wirkstoffe in Erprobung.

Psychiatrie-Forschung: Ketogene Diät und Peer-Programme im Test
Eine Gruppe von Menschen sitzt in einem Kreis und unterhält sich, symbolisiert Peer-Unterstützung und Gemeinschaft bei psychischen Erkrankungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wissenschaftler testen derzeit, ob Ernährung und Selbsthilfe die klassische Therapie ergänzen können.

Peer-Programme gegen Selbststigma

Menschen mit psychischen Erkrankungen leiden oft doppelt: unter der Krankheit selbst und unter der gesellschaftlichen Stigmatisierung. Ein Programm namens „In Würde zu sich stehen“ (IWS) will genau hier ansetzen – und zwar mit Peers, also Menschen mit eigener Krisenerfahrung.

Eine multizentrische Studie der Universität Ulm und des Bezirkskrankenhauses Günzburg belegt nun positive Effekte. Die randomisierte kontrollierte Studie mit 457 Teilnehmenden, veröffentlicht in The Lancet Regional Health – Europe, zeigt: Das Programm reduziert Selbststigma und damit verbundenen Stress signifikant. Die Verbesserungen bei Lebensqualität, sozialer Inklusion und depressiven Symptomen hielten teilweise über fünf Monate an. Die Forscher stufen die Intervention zudem als kosteneffektiv ein.

Praxisbeispiele wie das Recovery College Berlin, das im März Kursprogramme in Stadtteilzentren startete, oder die Wiedereröffnung des Cafés PINJO im Mai in Berlin-Wilmersdorf zeigen: Peer-Ansätze und geschützte Arbeitsräume können zur Stabilisierung beitragen.

Ketogene Diät: Neue Hoffnung bei Schizophrenie?

Ein völlig anderer Ansatz kommt aus der Ernährungsmedizin. Die University of California, San Francisco (UCSF) untersuchte den Einsatz einer ketogenen Diät bei Patienten mit Schizophrenie und bipolaren Störungen. Die Ergebnisse, publiziert im Schizophrenia Bulletin, sind vielversprechend.

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Bereits nach einem Monat zeigten die 58 Teilnehmenden signifikante metabolische Verbesserungen. Höhere Ketonwerte im Blut waren mit niedrigerem Blutzucker und geringeren depressiven Symptomen verbunden. In einer auf vier Monate angelegten Verlängerungsphase wurden zudem Fortschritte bei psychiatrischen und kognitiven Werten beobachtet. Die Einhaltungsrate der Diät lag bei beachtlichen 94 Prozent – bei keinen schwerwiegenden Nebenwirkungen.

Forscher der Arizona State University deuten zudem an, dass selbst einfache Interventionen wie die Gabe von Essig die Stimmung bei depressiven Symptomen beeinflussen können.

Kreatin: Keine allgemeine Empfehlung

Nahrungsergänzungsmittel bleiben in der Fachwelt umstritten. Eine Übersichtsarbeit in Brain Medicine wertete sechs Studien zum Einsatz von Kreatinmonohydrat bei Depressionen aus. Das Ergebnis für die 238 Probanden: widersprüchlich.

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Zwei Studien sahen einen Nutzen bei Frauen mit schwerer Depression in Kombination mit Standardtherapien. Drei weitere Untersuchungen konnten jedoch keinen Vorteil gegenüber Placebos feststellen. Die Forscher warnen zudem: Bei Patienten mit bipolarer Störung könnten unter Kreatineinnahme Fälle von Hypomanie oder Manie auftreten. Eine allgemeine Empfehlung bleibt aus.

Neuer Wirkstoff GLYX-13: Schnelle Antidepressiva in Sicht?

Parallel zur Supplement-Forschung rücken neue pharmakologische Ansätze in den Fokus. GLYX-13 ist ein Partialagonist an der Glycin-Bindungsstelle des NMDA-Rezeptors. Präklinische Modelle deuten auf schnelle und langanhaltende antidepressive Effekte sowie eine Förderung der Synapsenbildung hin. Klinische Studien zur Anwendung bei therapieresistenter Depression laufen bereits.

Wirtschaftlicher Druck treibt die Forschung

Die Suche nach ergänzenden Therapieformen findet vor einem brisanten Hintergrund statt. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sorgt in Deutschland für Diskussionen: Es sieht eine Rückkehr zur Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen vor. Berufsverbände befürchten einen Abbau von Therapieplätzen und längere Wartezeiten – die Mitte 2026 bereits bei 97 Tagen im Median lagen.

Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg setzte zwar eine geplante Honorarkürzung für Psychotherapeuten zum April vorerst aus. Doch die Lage bleibt angespannt. Politische Gremien planen für die Zeit nach der Sommerpause Anpassungen am Gesetz. Diese regulatorischen Entwicklungen dürften das Interesse an wissenschaftlich fundierten, komplementären Ansätzen weiter verstärken.

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