Steuerreform: Bundestag beschließt zehn Milliarden Euro Entlastung
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 22:10 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Es bringt Steuerentlastungen von rund zehn Milliarden Euro pro Jahr. Im Zentrum stehen niedrigere Einkommensteuern und digitales Kindergeld.
Bundeskanzler Friedrich Merz verteidigte die Maßnahmen in einer Regierungserklärung. Er nannte sie einen notwendigen Schritt zur Stärkung der Wirtschaftskraft und zum Abbau bürokratischer Hürden.
Weniger Steuern, höhere Freibeträge
Die Steuerreform sieht schrittweise Erhöhungen vor: Der Grundfreibetrag steigt bis 2028 auf 12.900 Euro, der Arbeitnehmerpauschbetrag auf 1.430 Euro. Der Spitzensteuersatz greift erst ab einem Einkommen von 70.600 Euro.
Die Reichensteuer liegt künftig bei 45 Prozent ab 250.000 Euro und bei 47 Prozent ab 280.000 Euro. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hat durchgerechnet: Eine vierköpfige Familie mit 60.000 Euro Bruttoeinkommen spart jährlich über 600 Euro.
Kindergeld kommt automatisch
Eine Neuerung betrifft das Kindergeld: Ab Januar 2027 wird es schrittweise antragslos ausgezahlt. Ab März 2027 entfällt die Antragspflicht für das zweite Kind, ab November 2027 für das erste.
Das spart Zeit und Bürokratie – rund 300.000 Erstanträge pro Jahr fallen weg. Parallel steigt der monatliche Betrag von derzeit 259 Euro auf 272 Euro bis 2028.
Arbeitsmarkt wird flexibler
Das Paket lockert auch das Arbeitsrecht. Die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen wird auf bis zu 48 Monate ausgeweitet. Für Arbeitnehmer in hohen Einkommensklassen gilt künftig ein gelockerter Kündigungsschutz.
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Unternehmen sollen zudem von Berichtspflichten entlastet werden. Das Lieferkettengesetz gilt erst ab 5.000 Beschäftigten. Das bisherige Bürgergeld wird durch eine neue Grundsicherung ersetzt.
Kommunen kritisieren fehlende Hilfe
Trotz der Entlastungen gibt es scharfe Kritik – vor allem von den Städten. Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe rechnet vor: Jährliche Zuweisungen von 600.000 Euro helfen nicht weiter, wenn das städtische Defizit bei 56 Millionen Euro liegt.
Kommunen und Länder fordern eine vollständige Kostenübernahme durch den Bund für gesetzlich beschlossene Aufgaben.
So wird das Paket gegenfinanziert
Die Bundesregierung finanziert die Entlastungen unter anderem durch Kürzungen: Der Handwerkerbonus sinkt von 20 auf 15 Prozent. Die Pauschalsteuer für Minijobs steigt von zwei auf fünf Prozent.
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Zusätzlich fließen 500 Millionen Euro aus der Gewinnabführung der KfW in den Jahren 2027 und 2028 in die Staatskasse.
Neue Gaskraftwerke und Rüstungsdeals
Flankierend beschloss der Bundestag den Bau neuer Gaskraftwerke mit elf Gigawatt Leistung bis Ende 2031. Die Ausschreibungen starten noch dieses Jahr. Ab 2031 sollen die Betriebskosten über eine Umlage finanziert werden – Schätzungen liegen zwischen einer und vier Milliarden Euro jährlich. Die Kraftwerke sollen bis 2045 komplett auf Wasserstoff umgestellt sein.
Am Rande des Nato-Gipfels in Ankara gab die Bundesreg zudem den Kauf von Tomahawk-Marschflugkörpern aus den USA bekannt. Sie haben eine Reichweite von 2.500 Kilometern. Außerdem erhielt TKMS einen Milliardenauftrag für den Bau von U-Booten für Kanada.
Das nun verabschiedete Entlastungsgesetz braucht noch die Zustimmung des Bundesrates.
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