Psychische, Gesundheit

Psychische Gesundheit: EU investiert 1,23 Milliarden in Arbeitsschutz

07.06.2026 - 23:40:47 | boerse-global.de

Die EU investiert massiv in psychosoziale Risikoprävention. Neue Studien belegen steigende Fehlzeiten und Belastungen durch mobiles Arbeiten.

EU-Förderpaket: 1,23 Milliarden für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz
Psychische - Mitarbeiter in einem modernen Büro, die zusammenarbeiten und konzentriert arbeiten, symbolisieren die Förderung psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz. 07.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Europäische Union legt ein 1,23 Milliarden Euro schweres Förderpaket auf, um psychosoziale Risiken in der Arbeitswelt zu bekämpfen. Mit dem EU4Health-Kampagnenprogramm 2026 fördert die Kommission 20 verschiedene Initiativen.

Im Zentrum steht ein Programm der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA). Es widmet sich explizit dem Management psychosozialer Risiken. Flankiert wird dies von der Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze 2026–2028“, die das Bewusstsein für mentale Gesundheit schärfen soll.

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BAuA aktualisiert Handbuch zur Gefährdungsbeurteilung

Parallel zu den EU-Initiativen hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ihr Handbuch zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Faktoren überarbeitet. Die aktuelle Version vom 7. Juni 2026 definiert psychische Belastung nach der Norm DIN EN ISO 10075-1.

Arbeitgeber sind bereits seit der Novellierung des Arbeitsschutzgesetzes 2013 verpflichtet, psychische Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen. Das Arbeitsprogramm PSYCHE der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) konkretisiert die Anforderungen: ausreichende Handlungs- und Entscheidungsspielräume, klare Aufgabenstellungen sowie die Vermeidung von Unterbrechungen und destruktivem Verhalten.

Psychische Erkrankungen: 47 Prozent mehr Fehltage in zehn Jahren

Die Dringlichkeit der Maßnahmen belegen aktuelle Zahlen. Der Fehlzeiten-Report 2024 der AOK zeigt: Zwischen 2014 und 2024 stiegen psychisch bedingte Fehltage um 47 Prozent. Eine Erhebung der Betriebskrankenkassen (BKK) aus dem Jahr 2026 bestätigt, dass das Krankheitsniveau stabil über dem Vor-Pandemie-Niveau liegt.

Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Bereits 2018 bezifferte die BAuA die Produktionsausfälle durch Arbeitsunfähigkeit auf rund 85 Milliarden Euro bei 708,3 Millionen Ausfalltagen. Ein Eurobarometer von 2023 zeigt zudem den subjektiven Druck: Die Hälfte der befragten Arbeitnehmer arbeitet unter Zeitdruck, ein Drittel klagt über Müdigkeit oder Kopfschmerzen.

Mobiles Arbeiten als Risikofaktor

Eine 2026 in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichte Studie untersucht die Auswirkungen der veränderten Arbeitswelt. Die Autoren Emma Zang und Rourke O'Brain fanden heraus: Beschäftigte mit stark ausgeweitetem mobilem Arbeiten leiden signifikant häufiger unter psychischen Belastungen – vor allem bei wenigen Sozialkontakten. Rund ein Drittel des Anstiegs psychischer Belastungen in den USA während der Pandemie lasse sich auf mobiles Arbeiten zurückführen.

Expertinnen wie Laura Venz von der Universität Lüneburg und Heike Ohlbrecht von der Universität Magdeburg betonen die Bedeutung sozialer Integration am Arbeitsplatz. Eine Entgrenzung der Arbeit könne negative Folgen haben, während der Effekt bei Personen in Familienhaushalten weniger stark ausgeprägt sei.

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Jeder dritte Beschäftigte von Mobbing betroffen

Internationale Studien zeichnen ein alarmierendes Bild. In Portugal berichteten über 38 Prozent der 5.549 befragten Beschäftigten von Mobbing-Erfahrungen wie Drohungen oder Ausgrenzung. Mehr als 44 Prozent fühlten sich körperlich erschöpft. Studienleiterin Tânia Gaspar stuft berufliches Unwohlsein als zentrale gesellschaftliche Herausforderung ein.

Besonders betroffen ist die junge Generation. Daten von AXA Health und McKinsey zeigen: 42 Prozent der 16- bis 24-Jährigen fehlen die Ressourcen zur Bewältigung von Arbeitsbelastungen. Zwei Drittel wünschen sich stärkere Unterstützung durch ihre Arbeitgeber.

Die Deutsche Rentenversicherung reagiert mit dem Präventionsprogramm „RV Fit“. Auch die gesetzlichen Krankenkassen investieren verstärkt in betriebliches Gesundheitsmanagement.

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