Elterngeld-Reform, Regeln

Elterngeld-Reform: Neue Regeln für 1,6 Millionen Familien ab November

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 16:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Das neue 3-6-3-Modell verkürzt die Bezugszeit auf 12 Monate, erhöht aber die monatlichen Zahlungen und stößt auf heftige Kritik.

Elterngeld-Reform 2027: Kürzere Bezugsdauer, höhere Sätze
Elterngeld-Reform - Eine glückliche junge Familie mit Baby in einem hellen Zuhause, die Reformen zum Elterngeld symbolisiert. 08.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ministerin Karin Prien schlägt kürzere Bezugszeiten bei höheren Monatssätzen vor. Die Reform soll den Haushalt entlasten – und sorgt für heftige Kritik.

Das neue 3-6-3-Modell

Kernstück des Entwurfs: Das Basiselterngeld sinkt von 14 auf 12 Monate. Künftig greift ein Aufteilungsmodell: Drei Monate sind fest für einen Elternteil reserviert, drei für den anderen. Die restlichen sechs Monate können die Eltern frei untereinander aufteilen. Die Zahl der verpflichtenden Partnermonate steigt damit von zwei auf drei.

Alleinerziehende sollen weiterhin bis zu 12 Monate Elterngeld erhalten. Das Elterngeld Plus bleibt in seiner jetzigen Form bestehen. Parallel dazu plant das Ministerium Änderungen im Mutterschutzgesetz: Beschäftigungsverbote nach der Entbindung sollen auf 12 Monate begrenzt werden. Die neuen Regelungen sollen am 1. November 2027 in Kraft treten.

Höhere Sätze, kürzere Laufzeit

Trotz der verkürzten Bezugsdauer steigen die monatlichen Beträge. Der Mindestsatz klettert von 300 auf 330 Euro, der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro. Die Leistung orientiert sich weiterhin an 65 Prozent des vorherigen Nettoeinkommens. Beide Elternteile können das Elterngeld weiterhin unbegrenzt gleichzeitig beziehen.

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Der Hintergrund ist klar: Der Bund muss sparen. Das Familienministerium rechnet mit Einsparungen von rund 500 Millionen Euro pro Jahr ab 2027. Bis 2030 könnten sich die kumulierten Ersparnisse auf 1,6 Milliarden Euro summieren. Zum Vergleich: 2025 bezogen 1,61 Millionen Menschen Elterngeld, die Ausgaben lagen bei 7,1 Milliarden Euro.

„Gleichstellungspolitischer Rückschritt“

Die Pläne stoßen auf breiten Widerstand. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack spricht von einem „gleichstellungspolitischen Rückschritt“. Zwar sei der zusätzliche Partnermonat positiv, doch die Verkürzung der Gesamtdauer und die unzureichende Inflationsanpassung setzten Familien unter Druck.

Auch der Deutsche Frauenrat und der Sozialverband SoVD kritisieren die Reform als reines Sparmodell. Sie sehen die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Müttern gefährdet.

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Die aktuellen Arbeitsmarktdaten untermauern die Kritik. Laut Familienbericht 2026 für Nordrhein-Westfalen arbeiteten Mütter 2024 durchschnittlich 27 Stunden pro Woche, Väter dagegen 39 Stunden. Frauen wenden weiterhin doppelt so viel Zeit für Kinderbetreuung und Haushalt auf wie Männer.

Eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2025 zeigt zudem: 45 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer wünschen sich eine egalitäre Aufteilung der Elternzeit von jeweils sieben Monaten. Die Realität sieht anders aus: 2025 lag der Väteranteil bei den Elterngeldbeziehern bei lediglich 25,9 Prozent.

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