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Der DAX zum August-Verfallstag

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

der nächste (kleine) Verfallstag steht am Freitag dieser Woche an. Die laufende Erholung hat die Stillhalter bereits kräftig unter Druck gebracht. Aber da die Kurse inzwischen merklich überkauft sind, haben sie nun die Chance, die Ambitionen der Bullen zu bremsen.

Was das aktuelle Verfallstagsdiagramm aussagt

Dazu der Blick auf das aktuelle Verfallstagsdiagramm:

Verfallstagsdiagramm DAX August 2022

Quelle: https://www.stockstreet.de/verfallstag-diagramm#/

Mit einem Stand von 13.816,61 Punkten ist der DAX schon weit in den bullishen Bereich der Verrfallstagspositionierung gelaufen. Das optimale Abrechnungsniveau von 13.500 Punkten (das Minimum der „Schüsselkurve“ im unteren Diagrammteil) hat er klar hinter sich gelassen.

Auch die Chattechnik dämpft die Ambitionen der Bullen

Auslöser dafür war der dynamische Aufwärtsimpuls vom vergangenen Mittwoch, der durch die schwächeren US-Inflationsdaten zustande kam (siehe grüner Pfeil im folgenden Chart). Damit wurden die Stillhalter gezwungen, ihre Call-Positionen mehr und mehr abzusichern.

DAX - Tageschart seit Januar 2022

Im Verfallstagsdiagramm gibt es jedoch bei 13.900 Punkten die nächste größere Call-Position, die zweitgrößte überhaupt. Durch den relativ dynamischen und unterunterbrochenen Anstieg seit Anfang Juli ist der DAX inzwischen merklich überkauft. Damit sollte es den Stillhaltern möglich sein, den DAX bis zum Verfallstermin unterhalb dieser Marke zu halten.

Der DAX steht an bzw. vor wichtigen Widerständen

Dabei kommt ihnen auch die Charttechnik zu Hilfe: Zum einen läuft der DAX seit Anfang Juli in einem Aufwärtskeil, in dem er schon sehr weit gestiegen ist. Eine Korrektur ist nun jederzeit möglich. Zudem hat er Anfang August eine große Kurslücke des dynamischen Rückfalls vom Juni geschlossen – allerdings mit einer kurzfristigen Umkehrkerze („Shooting Star“). Tatsächlich drehte der Kurs danach erst einmal nach unten – bis besagter Impuls vom vergangenen Mittwoch eine erneute Umkehr einleitete.

Aber bisher wirkt das Hoch des „Shooting Stars“ bei 13.792,88 Punkten (kurze rote Linie) als Widerstand: Am Freitag und gestern konnte der DAX zwar kurzfristig darüber ausbrechen, aber Bären und Stillhalter drückten den Kurs immer wieder erfolgreich zurück. Auch die gestrige Kerze, ein „Hanging Man“, ist ein mögliches kurzfristiges Wendemuster. Die 13.800-Punkte-Marke könnte sich also bis zum Verfallstag als zu hohe Hürde für die Bullen erweisen.

Überkaufte Lage auch an den US-Börsen

Dafür sprechen auch weitere charttechnische Indizien. So steht der DAX vor der runden 14.000er Marke, die nach dem jüngsten Anstieg kaum im ersten Anlauf zu überwinden ist. Zudem kommt dem Kurs eine Abwärtslinie (rot gestrichelt) entgegen, die gestern bei 13.966 Punkten verlief. Sie fällt pro Tag um 14,87 Punkte, so dass sie am Freitag bei 13.906,52 Punkten liegt. Auch das spricht dafür, dass die Stillhalter es schaffen, die 13.900er Call-Position aus dem Geld zu halten.

Hinzu kommt, dass an den US-Börsen die Lage ebenfalls überkauft ist und daher kurzfristig zumindest ein kleiner Rücksetzer möglich ist (siehe Elliott-Wellen-Analyse für den S&P 500 vom Freitag). Dieser könnte z.B. von den Konjunkturdaten in dieser Woche ausgelöst werden. So stehen in den USA wichtige Zahlen vom Immobilienmarkt (Dienstag), vom Einzelhandel (Mittwoch) sowie der Fed-Frühindikator aus Philadelphia (Donnerstag) an. Darüber hinaus wird am Mittwoch das Protokoll des Fed-Meetings vom Juli veröffentlicht.

Wie man sich zum Verfallstag positionieren kann

Kleinere oder größere Enttäuschungen bzw. negativ interpretierte Werte und Aussagen können leicht den fälligen Rücksetzer auslösen. Im DAX könnte eine solcher Rückschlag zum Bruch des grauen Keils führen und dadurch ein bearishes Signal auslösen.

Beim Verfallstags-Trading würde ich mich also „nach unten“ orientieren. Ein Ausbruch nach oben erscheint zwar möglich, sollte aber nur wenig Potenzial haben. Ich erwarte, dass die Stillhalter in diesem Fall versuchen, den Kurs wieder unter 13.900 Punkte zu drücken. Zu einem nachhaltigen Ausbruch nach oben, bei dem die Stillhalter ihre Call-Positionen absichern müssen und so die Kurse weiter treiben, dürfte es wohl nur bei überraschend positiven Daten oder Nachrichten kommen.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert

(Quelle: www.stockstreet.de)

@ ad-hoc-news.de | 16.08.22 10:20 Uhr