Wechseljahre und Sport: 12 Studien zeigen weniger depressive Symptome
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 04:33 Uhr | Redaktion boerse-global.deKörperliche Aktivität kann das psychische Wohlbefinden während hormoneller Umstellungsphasen spürbar unterstützen. Eine Übersichtsarbeit des University College London (UCL), die in der Fachzeitschrift „Menopause“ erschien, untersuchte den Einfluss von sportlicher Betätigung auf depressive Verstimmungen und das allgemeine Befinden.
Die Analyse bündelt die Ergebnisse aus zwölf randomisierten kontrollierten Studien der Jahre 2011 bis 2024 aus sieben Ländern mit insgesamt 1.003 Teilnehmerinnen im Alter von 40 bis 65 Jahren, die sich in der Peri- oder frühen Postmenopause befanden.
Ausdauertraining und Achtsamkeitspraxis im Vergleich
Die Daten der UCL-Untersuchung verdeutlichen, dass Bewegung depressive Symptome sowohl in der Perimenopause als auch in der frühen Postmenopause abschwächen und die Lebensqualität verbessern kann.
Den stärksten Einfluss auf Stimmung und Lebensqualität erzielte aerobes Training, darunter zügiges Gehen, Tanzen, Zumba sowie Taekwondo. Achtsamkeitsbasierte Ansätze wie Yoga, Tai-Chi, Pilates und Dehnübungen wirkten sich insbesondere auf die psychologische Lebensqualität positiv aus.
In einzelnen der ausgewerteten Arbeiten zeigten sich bereits bei moderatem Umfang messbare Effekte. Dazu zählten drei wöchentliche Spaziergänge von jeweils 30 Minuten, drei einstündige Zumba-Einheiten pro Woche oder zwei Yoga-Sitzungen im selben Zeitraum.
Die Autoren des Reviews schränkten jedoch ein, dass die derzeitige Datenbasis begrenzt bleibe, da die Studien teils kleine Fallzahlen, methodische Unterschiede und ein erhöhtes Verzerrungsrisiko aufwiesen.
Bewegung stelle daher keinen eigenständigen Ersatz für eine medizinische Therapie bei menopausaler Depression dar. Die Relevanz des Thema im Alltag ist dennoch hoch: Schätzungen zufolge gibt im Vereinigten Königreich eine von zehn Frauen ihre Erwerbstätigkeit infolge von Wechseljahresbeschwerden auf.
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Umfassende Erhebungen und neurologische Faktoren
Ergänzende Befunde lieferte eine Untersuchung von The Menopause Society und Flo Health, die auf der Jahrestagung der Menopause Society vom 20. bis 24. Oktober 2026 in San Diego vorgestellt wurde. Anhand der Daten von über 1.800 Nutzerinnen der Flo-App aus 87 Ländern auf sechs Kontinenten analysierten die Forscher den Zusammenhang zwischen Aktivitätsniveau und Beschwerden.
Erfasst wurde die Aktivität in Abstufungen von inaktiv bis zu mehr als fünf Tagen pro Woche, während Symptome über die Menopause Rating Scale (MRS) in somatischen, psychologischen und urogenitalen Bereichen bewertet wurden.
In der unadjustierten Analyse waren höhere Aktivitätsfrequenzen über alle drei Bereiche hinweg mit niedrigeren MRS-Werten assoziiert. Dr. Liudmila Zhaunova, Wissenschaftsdirektorin bei Flo Health, verwies auf den besonders deutlichen Zusammenhang bei psychologischen Symptomen wie gedrückter Stimmung, Reizbarkeit und Angst.
Diese Tendenz bestätigte sich auch in einer multivariaten linearen Regression, die Faktoren wie Alter, Body-Mass-Index, Rauchstatus, Vorerkrankungen, Versorgungszugang und soziodemografische Länderindizes berücksichtigte.
Die neurologischen Ursachen für derartige Verstimmungen erläuterte Dr. Natalie Saunders von Michigan Medicine. Während der Perimenopause stören hormonelle Schwankungen Hirnareale für exekutive Funktionen und Gedächtnis und senken Glukose als Hauptenergieträger der Gehirnzellen.
Schwankende Estrogenspiegel beeinträchtigen die Steuerungszentren für Fokus und Emotionen. Rund 20 Prozent der Frauen erleben in dieser Phase depressive Symptome, wobei Maßnahmen der Selbstfürsorge wie Ernährung, soziale Kontakte sowie Bewegung und Meditation zur Entlastung beitragen können.
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Parallelen zu zyklusbedingten Beschwerden
Hormonelle Einflüsse auf die Psyche beschränken sich nicht auf die Wechseljahre. Nach Angaben von Anlaufstellen wie frauenaerzte-im-netz.de und PMDS Hilfe spüren rund 70 bis 90 Prozent aller Frauen in der zweiten Zyklushälfte körperliche oder mentale Veränderungen, während etwa drei bis acht Prozent weltweit von der schwereren Form PMDS betroffen sind.
Angstzustände zählen dabei zu den verbreiteten Belastungen. Als Behandlungsoptionen führen das MSD Manual und PMDS Hilfe neben ausreichendem Schlaf von mindestens sieben Stunden pro Nacht und medikamentösen Ansätzen wie SSRI auch regelmäßigen Sport an, um Angstzustände zu reduzieren.
