Wechseljahre: 12 Studien zeigen, wie Bewegung die Psyche von Frauen stärkt
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deKörperliche Aktivität kann das seelische Wohlbefinden von Frauen während der hormonellen Umstellung spürbar unterstützen. Eine neue Auswertung des University College London (UCL) widmet sich den Zusammenhängen zwischen körperlicher Bewegung, der psychischen Stimmungslage und den spezifischen Anforderungen während der Wechseljahre.
Der systematische Review und die Metaanalyse wurden am 13. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Menopause, dem Publikationsorgan der Menopause Society, veröffentlicht.
Die Wissenschaftler des UCL fassten darin Daten aus 12 randomisierten kontrollierten Studien zusammen, an denen insgesamt 1.003 Frauen im Alter von 40 bis 65 Jahren in der Peri- und frühen Postmenopause teilnahmen. Nach den Ergebnissen der Auswertung war regelmäßige Bewegung mit weniger depressiven Symptomen, einer stabileren Gemütslage sowie einer höheren psychischen und allgemeinen Lebensqualität verbunden.
Aerobe Belastungen und achtsame Bewegungsformen
Die deutlichsten Effekte zeigten sich laut UCL bei aeroben Belastungen wie Gehen, Tanzen, Zumba und Aerobic. Diese wirkten sich insbesondere in der Perimenopause positiv aus, einer Phase, die häufig von ausgeprägten Estrogenschwankungen geprägt ist. Ergänzend dazu trugen sogenannte Mind-Body-Aktivitäten wie Yoga, Tai-Chi, Pilates und Dehnübungen dazu bei, vor allem die psychische Lebensqualität weiter zu verbessern.
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Die in den analysierten Untersuchungen erfassten Trainingsprogramme wiesen unterschiedliche Gestaltungen auf. Zu den Beispielen zählten unter anderem zügiges Gehen im Umfang von 30 Minuten dreimal pro Woche, drei Einheiten Zumba von je einer Stunde pro Woche, der Besuch von drei Zumba-Kursen pro Woche sowie Yoga-Einheiten von zweimal 75 Minuten wöchentlich oder täglich einer Stunde.
Soziale Unterstützung und Grenzen der Selbsthilfe
Studienleiterin Aimee Spector vom Menopause Mind Lab des UCL verwies darauf, dass Bewegung eine wirksame und zugleich leicht zugängliche, nicht-medikamentöse Strategie darstelle. Zudem betonten die Autoren, dass Gruppensettings und organisierte Gruppenselbsthilfe wertvolle soziale Kontakte stiften und soziale Unterstützung fördern können.
Dass alternative Ansätze gefragt sind, unterstrich auch Simone Saidel, klinische Psychologin beim britischen National Health Service (NHS). Sie erklärte, dass die bestehenden Therapieoptionen in den Wechseljahren begrenzt seien und viele Frauen eine Hormontherapie aus verschiedenen Gründen weder nutzen können noch wollen.
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Gleichzeitig mahnte Stephanie Faubion von der Mayo Clinic, die nicht an der Metaanalyse beteiligt war, zu einer realistischen Einordnung: Die zugrundeliegende Evidenzbasis sei klein und körperliche Aktivität dürfe keineswegs als vollständiger Ersatz für eine medizinische Depressionsbehandlung verstanden werden.
Relevanz im Alltag und methodische Einschränkungen
Die Belastungen durch hormonelle Umstellungsprozesse sind weit verbreitet. Laut Schätzungen des UCL zeigen bis zu 80% der Frauen Symptome der Wechseljahre. Zudem berichten Schätzungen zufolge eine von vier Frauen über Angst-, Denk- und Gedächtnisprobleme. Die Auswirkungen reichen auch in den Arbeitsalltag hinein: Demnach verlässt schätzungsweise eine von zehn Frauen aufgrund von Wechseljahrsbeschwerden ihren Arbeitsplatz.
Trotz der ermutigenden Hinweise weist das UCL selbst auf methodische Limitationen der Metaanalyse hin. So unterschieden sich die einbezogenen Einzelstudien erheblich hinsichtlich Dauer, Frequenz und Art der untersuchten Bewegungsprogramme. Darüber hinaus bestanden teils ein hohes Bias-Risiko und relativ geringe Teilnehmerzahlen. Um gesicherte Trainingsleitlinien formulieren zu können, sei daher weitere wissenschaftliche Forschung erforderlich.
