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Vitamin D: DGE warnt vor Versorgungslücke bei mehr als der Hälfte in Deutschland

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 21:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Saisonale Blutwerte schwanken; Studien zeigen unterschiedliche Effekte von Präparaten, während Fachleute vor unkontrollierter Hochdosierung warnen.
Eine weitläufige, herbstliche Waldlandschaft in der goldenen Stunde mit tiefstehender Sonne und langen Schatten. Illustration mit AI erstellt.

Mit dem Beginn des Herbstes verkürzen sich die Tage, und die Intensität der Sonneneinstrahlung nimmt deutlich ab. Da der menschliche Körper Vitamin D vor allem unter dem Einfluss von Sonnenlicht in der Haut selbst produziert, sinkt die körpereigene Synthese in den kälteren Monaten.

Zahlreiche wissenschaftliche Erhebungen und medizinische Richtlinien ordnen ein, wie stark saisonale Schwankungen ausfallen, welche Mythen rund um die Zufuhr bestehen und wie eine bedarfsgerechte Versorgung aussieht.

Saisonale Schwankungen und regionale Unterschiede

Die klimatischen Bedingungen schränken die körpereigene Produktion in nördlichen und mitteleuropäischen Breitengraden über die Wintermonate hinweg ein.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ist die Sonneneinstrahlung in Mitteleuropa von Oktober bis März zu schwach, um eine ausreichende Vitamin-D-Synthese in der Haut zu gewährleisten. Nur etwa 10 bis 20 Prozent des Bedarfs können über die normale Ernährung aufgenommen werden.

Daten des litauischen Hydrometeorologie-Dienstes zur Klimanorm von 1991 bis 2020 verdeutlichen das Gefälle: Während in Litauen durchschnittlich 1917 Sonnenstunden im Jahr registriert werden – mit etwa 283 Stunden in den Monaten Mai und Juli gegenüber nur rund 29 Stunden im Dezember –, verzeichnet Portugal rund 3000 Sonnenstunden jährlich.

Entsprechend spiegeln sich diese Bedingungen in Laborwerten wider. Eine Analyse von mehr als 9500 Patienten zeigte den niedrigsten Vitamin-D-Wert in den Monaten Januar bis April und den höchsten im August und September; bei 67 Prozent der Getesteten lag ein Mangel vor.

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Bei einer Untersuchung von mehr als 14.000 Patienten in Vilnius im Jahr 2025 lag die mittlere Versorgung ebenfalls im Mangelbereich. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist auch in Deutschland mehr als die Hälfte der Menschen nicht ausreichend mit dem Vitamin versorgt.

Die DGE betont jedoch, dass die schwächere UV-B-Strahlung im Winter die Synthese zwar erschwert, dies aber nicht automatisch bei jedem Menschen zu einem Mangel führt.

Richtwerte, Grenzwerte und Risikogruppen

Die DGKJ definiert einen Vitamin-D-Spiegel von unter 20 ng/ml (50 nmol/l) als Mangel, Werte von 20 bis 30 ng/ml (50 bis 75 nmol/l) als unzureichend und Werte ab 30 ng/ml (75 nmol/l) als ausreichend.

Zur Vorbeugung empfiehlt die Fachgesellschaft für Säuglinge 400 bis 500 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D3 pro Tag bis zum zweiten Frühsommer sowie für Kinder ab einem Jahr, Jugendliche und Erwachsene 600 bis 800 IE täglich. Ein schwerer Mangel kann bei Kindern Rachitis mit Fehlstellungen der Beine auslösen.

Nach den Richtlinien der US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) benötigen Erwachsene im Alter von 19 bis 70 Jahren täglich 15 µg (600 IE) Vitamin D, ab einem Alter von 71 Jahren 20 µg (800 IE).

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Fachleute stufen insbesondere ältere oder wenig mobile Menschen, Säuglinge sowie Personen mit dunklerer Haut oder geringem Aufenthalt im Freien als gefährdet ein. Typische Mangelsymptome umfassen anhaltende Müdigkeit, Muskelschwäche sowie Knochen- und Muskelschmerzen.

Erkenntnisse aus groß angelegten Studien

Umfangreiche Forschungsdaten differenzieren den Nutzen zusätzlicher Gaben:

  • VITAL-Studie: In der Untersuchung mit über 25.000 Teilnehmern senkte die tägliche Einnahme von 2000 IE Vitamin D in der gesunden Gruppe weder das Krebs- noch das Herz-Kreislauf-Risiko und führte nicht zu einer Reduktion von Knochenbrüchen. Allerdings traten Autoimmunerkrankungen um etwa 22 Prozent seltener auf.
  • VITAL-Telomer-Unterstudie: Bei rund 1000 Teilnehmern verlangsamte die Gabe von 2000 IE Vitamin D die Telomerverkürzung nach Angaben der Studienautoren um fast drei Jahre, während 1 g Omega-3 keinen Effekt zeigte. Ein Biologe des Max-Planck-Instituts bezweifelt diesen Telomer-Effekt jedoch.
  • DKFZ-Metaanalyse: Eine Auswertung von 14 Studien mit rund 105.000 Probanden durch das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ergab, dass tägliche niedrige Dosen die Krebssterblichkeit um 12 Prozent senken könnten, während hohe Monatsdosen wirkungslos blieben.
  • Beobachtungsdaten aus Großbritannien: Eine australische Studie an über 300.000 Briten verknüpfte einen Spiegel von unter 25 nmol/l mit einem um 25 Prozent höheren Sterberisiko; bei Werten unter 10 nmol/l lag das Risiko sechsfach höher.

Hinweise zur Einnahme und Risiken einer Überdosierung

Experten raten davon ab, pauschal und unkontrolliert hochdosierte Präparate einzunehmen. Das NIH beziffert die sichere Obergrenze für Erwachsene aus allen Quellen auf 100 µg (4000 IE) pro Tag. Eine Überdosierung entsteht fast ausschließlich durch Nahrungsergänzungsmittel und nicht durch Sonneneinstrahlung, da die körpereigene Produktion reguliert wird. Durch Fensterscheiben kann die Haut ohnehin kein Vitamin D bilden.

Zudem können Wechselwirkungen auftreten, unter anderem mit Statinen und Kortikosteroiden. Eine unkontrollierte Überdosierung birgt die Gefahr einer Hyperkalzämie, die Nierenschäden und Herzrhythmusstörungen zur Folge haben kann.

Fachleute empfehlen daher eine bedarfsgerechte Dosierung auf Basis individueller Blutwerte, des Alters und des allgemeinen Gesundheitszustands, wobei fettreiche Mahlzeiten die Aufnahme des fettlöslichen Vitamins unterstützen.

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