Vitamin, EFSA

Vitamin B6: EFSA senkt Tageshöchstwert auf 12 Milligramm für Erwachsene

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 06:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschung verbindet Vitaminmängel und hohe Präparatdosen mit Gesundheitsrisiken; Nutzen für Psyche und Gefäße ist teils begrenzt oder ungeklärt.

Vitamine und Gesundheit: Studien zeigen Risiken bei Mangel und Überdosierung
Frisches, rohes Gemüse auf einem Holztisch als Symbol für eine natürliche Nährstoffaufnahme. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Berichte thematisieren zunehmend den Zusammenhang zwischen einem Mangel an essenziellen Vitaminen wie D, A, E, B und C und der Entstehung von gesundheitlichen Risiken sowie onkologischen Erkrankungen. Während eine unzureichende Versorgung den Körper schwächen kann, rücken aktuelle Auswertungen zugleich die Risiken unkritischer Überdosierungen in den Fokus.

Krebsprävention und die Risiken hoch dosierter Präparate

Nach Schätzungen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) könnte eine tägliche Einnahme von Vitamin D die Krebssterblichkeit in der Bevölkerung um 12 Prozent senken. Gleichzeitig warnt die Deutsche Krebsgesellschaft vor dem unbedachten Griff zu hoch dosierten Vitaminpräparaten und empfiehlt Supplemente nur unter besonderen Umständen.

Hintergrund der Vorsicht sind Erkenntnisse zur potenziellen Tumorbildung: Eine 2019 veröffentlichte Studie brachte sehr hohe Dosen an Vitamin B12 mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko in Verbindung, da der Stoff das Wachstum bereits vorhandener Krebszellen fördern könne.

Eine Kohortenstudie aus dem Jahr 2017 verknüpfte zudem sehr hohe, langfristige Gaben von Vitamin B12 und B6 bei Männern, insbesondere bei Rauchern, mit einem leicht erhöhten Lungenkrebsrisiko, wenngleich allgemeingültige Schlussfolgerungen noch fehlen.

Auch Antioxidantien stehen auf dem Prüfstand. Eine 2023 im Journal of Clinical Investigation erschienene Studie deutete darauf hin, dass zusätzliche Gaben der Vitamine A, C und E Lungentumoren fördern könnten, da Tumoren hierdurch neue Blutgefäße ausbilden. Die Studienautoren betonten jedoch, dass die Aufnahme von Antioxidantien über die normale Nahrung hiervon nicht betroffen sei.

Mangelerscheinungen durch Wechselwirkungen mit Medikamenten

Ein Vitaminmangel entsteht oft nicht nur durch Fehlernährung, sondern auch durch dauerhafte Arzneimitteleinnahmen. So kann etwa das Diabetesmedikament Metformin die Aufnahme von Vitamin B12 beeinträchtigen, weshalb bei einer Langzeittherapie ärztliche Kontrollen ratsam sind.

Zu ähnlichen Resultaten bei Magenmedikamenten kam eine Untersuchung von Lam und Kollegen aus dem Jahr 2013: Bei einer Einnahme von Protonenpumpenhemmern über mindestens zwei Jahre lag die Odds Ratio für einen neu festgestellten B12-Mangel bei 1,65, während sie bei H2-Blockern 1,25 betrug.

Ebenso stehen Antiepileptika im Verdacht, den Mikronährstoffhaushalt zu beeinflussen. Daten aus 29 Studien zu Kindern und Jugendlichen wiesen eine mittlere Häufigkeit von Vitamin-D-Mangel von 32 Prozent aus, bei bestimmten enzyminduzierenden Mitteln lag dieser Wert bei 33 Prozent.

Fachleute verweisen zudem auf Wechselwirkungen zwischen Methotrexat und Folsäure, der Antibabypille oder Isoniazid und Vitamin B6 sowie Furosemid bei Herzschwäche und Vitamin B1. Betroffene sollten verordnete Medikamente keinesfalls eigenmächtig absetzen, sondern eine Überprüfung mit der behandelnden Praxis abstimmen.

Anzeige

Wer dauerhaft Medikamente einnimmt, sollte die Auswirkungen auf den eigenen Nährstoffhaushalt genau im Blick behalten. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, welche Vitalstoffmängel häufig unentdeckt bleiben und wie Sie Ihre Werte richtig interpretieren. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt anfordern

Grenzen bei Psyche und Gefäßgesundheit

Häufig werden Mikronährstoffe auch mit psychischem Wohlbefinden oder dem Herz-Kreislauf-System verknüpft. Zwar bringen Studien die Vitamine B12, D und Folsäure sowie Ferritin mit psychischen Symptomen in Verbindung, doch belegen diese Zusammenhänge keine Ursächlichkeit.

In einer randomisierten Studie mit 18.353 Erwachsenen ab 50 Jahren konnte Vitamin D3 über einen medianen Beobachtungszeitraum von 5,3 Jahren keine neuen Depressionen verhindern; die Ereignisrate lag bei 12,9 gegenüber 13,3 Ereignissen je 1.000 Personenjahre in der Kontrollgruppe.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2023 über 41 Studien mit 53.235 Teilnehmenden ermittelte bei sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit lediglich einen kleinen Effekt auf die Symptome.

Hinsichtlich der Gefäßgesundheit untersuchte eine zweijährige Studie mit etwa 180 Teilnehmenden die Gabe von MK-7-Vitamin K2 im Vergleich zu einem Placebo: Zwar stieg die gemessene Gefäßverkalkung in der Interventionsgruppe um ein Viertel langsamer, die Effekte blieben jedoch moderat und zeigten keine Rückbildung bestehender Ablagerungen.

Eine weitere Zweijahresstudie fand bei bereits stark fortgeschrittener Verkalkung keinen Effekt. Ob Vitamin K2 Schlaganfälle oder Herzinfarkte verhindern kann, bleibt wissenschaftlich offen.

Anzeige

Viele Menschen über 60 nehmen täglich Präparate ein, ohne die genauen Wechselwirkungen oder Risiken für ihre Altersgruppe zu kennen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche Wirkstoffe und Kombinationen im Alter kritisch sein können und welche sicheren Alternativen es gibt. Gratis-Ratgeber zu Seniorenmedikamenten herunterladen

Überdosierung und Referenzwerte

Experten mahnen bei Nahrungsergänzungsmitteln zu genauer Dosierung. So setzte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Jahr 2023 die tolerierbare Gesamtzufuhr für Vitamin B6 bei Erwachsenen von zuvor 25 Milligramm auf 12 Milligramm pro Tag herab, da eine langfristig hohe Zufuhr periphere Neuropathien mit Taubheit oder Kribbeln hervorrufen kann.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt als reine Vorsorgemaßnahme höchstens 0,9 Milligramm Vitamin B6 je Tagesdosis eines Produkts. Die niederländische Meldestelle Lareb wertete 90 Verdachtsfälle zu B6-Präparaten und Neuropathien aus und stellte fest, dass sich ein Risiko selbst unterhalb von 50 Milligramm pro Tag nicht sicher ausschließen lasse.

Für Vitamin B12 liegt der Referenzwert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Erwachsene bei 4,0 Mikrogramm pro Tag, für Folat bei 300 Mikrogramm Folatäquivalenten. Komplexpräparate enthalten häufig Dosierungen zwischen 5 und 1.000 Mikrogramm B12. Auch wenn ein Mangel nachweislich Beschwerden verursachen kann, raten Mediziner dazu, vor der Einnahme hoch dosierter Präparate stets die Blutwerte kontrollieren zu lassen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70187934 |