Vitamin, Nicotinamid

Vitamin B3: Nicotinamid senkt Hautkrebs um 20–30 Prozent

17.06.2026 - 10:25:36 | boerse-global.de

Neue Studien zeigen: NMN und NR verbessern Zellzustand bei Nervenleiden und steigern Gehleistung bei älteren Patienten.

Vitamin B3: NMN und NR revolutionieren Behandlung seltener Defekte
Vitamin - Nahaufnahme einer Kinderhand, die sanft eine Petrischale mit Hirnorganoiden in einem Labor berührt. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) und Nicotinamid-Ribosid (NR) könnten die Behandlung seltener genetischer Defekte und altersbedingter Degeneration revolutionieren. Das zeigen aktuelle Studienergebnisse, die Mitte Juni auf der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Humangenetik vorgestellt wurden.

Mini-Gehirne liefern Durchbruch bei seltener Nervenerkrankung

Ein internationales Forscherteam aus den Niederlanden und den USA züchtete aus patienteneigenen Stammzellen sogenannte Hirnorganoide. Damit untersuchten sie die seltene DHDDS-bedingte Neurodegeneration – eine Erkrankung, die sich durch Zittern, Krampfanfälle und Koordinationsstörungen äußert.

Die Analyse der Mini-Gehirne offenbarte: Cholesterinablagerungen in den Astrozyten und gestörte Mitochondrien treiben den Krankheitsverlauf an. Die Gabe von NMN verbesserte die Zellzustände deutlich.

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Bereits zwölf Patienten nehmen NMN ein. Erste Beobachtungen zeigen eine gesteigerte Mobilität und weniger Zittern. Eine internationale klinische Studie läuft bereits – die ersten vier Teilnehmer wurden aufgenommen.

Ältere Patienten gehen weiter – dank Vitamin B3

Eine Studie der Northwestern University und der University of Florida untersuchte die Wirkung von NR an 90 Probanden mit peripherer Arterienerkrankung (PAD). Die durchschnittlich 71-jährigen Teilnehmer steigerten ihre Gehstrecke nach sechsmonatiger Einnahme um etwa 17 Meter. Bei konsequenter Einnahme waren es sogar über 30 Meter.

Forscher der Pennsylvania-I Orvosi Egyetem veröffentlichten parallel im Fachjournal Cell Metabolism: NR erhöht den NAD-Spiegel in den Mitochondrien. In Tierversuchen mit Mäusen konnten sie altersbedingten Muskelschwund teilweise rückgängig machen. Die Energieproduktion in den Muskelzellen wurde reaktiviert.

Leber und Haut profitieren ebenfalls

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Eine Mitte Juni vorgestellte Forschungsarbeit befasst sich mit Niacin bei der metabolischen dysfunktions-assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD). Die Wissenschaftler identifizierten das Molekül miR-93 als Hemmfaktor der Fettverbrennung in der Leber. Niacin senkt den Spiegel dieses Moleküls und reaktiviert das SIRT1-Gen – die Fetteinlagerung nimmt ab. Klinische Studien am Menschen laufen in Kanada.

Die University of Sydney bestätigte das präventive Potenzial von Nicotinamid gegenüber Hautkrebs. Die Substanz unterstützt die DNA-Reparatur nach UV-Exposition und reduziert Entzündungen. Eine Studie mit 386 Teilnehmern zeigte: Zweimal täglich 500 mg Nicotinamid senkten Basalzellkarzinome um 20 Prozent und Plattenepithelkarzinome um 30 Prozent.

Parallelentwicklungen unterstreichen den Trend

Quoin Pharmaceuticals meldete positive Daten aus einem Härtefallprogramm für Kinder mit Netherton-Syndrom. Vier von sechs pädiatrischen Patienten zeigten deutliche Verbesserungen des Hautbildes unter dem Wirkstoffkandidaten QRX003.

Am Schneider Children's Medical Center in Israel gelang zudem die erste experimentelle Gentherapie bei einem Säugling mit WOREE-Syndrom. Ein funktionsfähiges Gen wurde direkt ins Gehirn eingebracht, um schwere Krampfanfälle zu unterbinden.

Während diese Ansätze gezielt auf Gendefekte abzielen, unterstreichen die breiten Studien zu Vitamin B3 dessen wachsende Bedeutung – als adjuvante oder eigenständige Therapieoption in der modernen Medizin.

de | wissenschaft | 69560716 |