Vegetarische, Kost

Vegetarische Kost: Nierenkrebsrisiko laut Analyse um 28 Prozent niedriger

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 01:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Auswertung von neun Studien zeigt niedrigere Risiken für mehrere Krebsarten, aber auch erhöhte Risiken bei einzelnen Tumoren.
Frisches, buntes Gemüse auf einem Holztisch in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Zusammensetzung der täglichen Ernährung steht seit Langem im Fokus der medizinischen Prävention. Eine im British Journal of Cancer veröffentlichte Auswertung von neun Beobachtungsstudien liefert differenzierte Daten dazu, wie sich eine vegetarische Lebensweise auf unterschiedliche Tumorarten auswirkt.

Die Untersuchung umfasst Daten von rund 1,8 bis 2 Millionen Menschen über einen Beobachtungszeitraum von 6 bis 27 Jahren und analysiert das Auftreten von 17 verschiedenen Krebsarten.

Differenzierte Risikoprofile bei vegetarischer Kost

Die Ergebnisse der im British Journal of Cancer publizierten Arbeit zeigen signifikante Unterschiede im Vergleich zu Menschen, die Fleisch verzehren. Bei Personen mit vegetarischer Ernährungsweise liegt das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs um etwa 21 Prozent niedriger.

Auch für Brustkrebs und Prostatakrebs ergaben sich Verringerungen um rund 9 Prozent beziehungsweise circa 12 Prozent. Deutlichere Effekte zeigten sich bei Nierenkrebs mit einer Risikoreduktion von etwa 28 Prozent sowie beim Multiplen Myelom, bei dem das relative Risiko um circa 31 Prozent geringer ausfällt.

Gleichzeitig verweist die Analyse auf gegenläufige Befunde. Bei Vegetariern wurde ein erhöhtes Risiko für das Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre festgestellt. Vegan lebende Menschen wiesen zudem ein geringfügig erhöhtes Darmkrebsrisiko auf, was die Forschenden auf eine mutmaßlich niedrigere Calciumzufuhr zurückführen.

Pesketarier wiederum zeigten ein moderat niedrigeres Risiko bei Erkrankungen an Darm-, Brust- und Nierenkrebs. Wurde Geflügel anstelle von rotem Fleisch verzehrt, ging dies ebenfalls mit niedrigeren Raten bestimmter Tumoren wie etwa Prostatakrebs einher.

Bewertung von Fleischkonsum und Tumorrisiken

Die Einordnung pflanzlicher Kostformen steht in engem Zusammenhang mit den Risikofaktoren des Fleischkonsums. Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft verarbeitetes Fleisch in Gruppe 1 als krebserregend ein, während rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend gilt.

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Nach Schätzungen der Behörde erhöht der tägliche Verzehr von 50 Gramm verarbeitetem Fleisch das relative Darmkrebsrisiko um circa 18 Prozent gegenüber einem vollständigen Verzicht.

Daten von Santé publique France beziffern den Anstieg bei 50 Gramm verarbeitetem Fleisch pro Tag, was etwa zwei Scheiben Schinken oder einer Portion Salami entspricht, auf circa 16 Prozent. Eine tägliche Zufuhr von rund 90 Gramm Vollkorngetreide sei dagegen mit einem etwa 17 Prozent niedrigeren Darmkrebsrisiko verbunden.

Eine im Fachjournal Nature Medicine publizierte Metastudie aus dem Jahr 2025 stellt fest, dass verarbeitetes Fleisch mit einem um mindestens 11 Prozent höheren Risiko für Typ-2-Diabetes und einem um 7 Prozent höheren Darmkrebsrisiko einhergeht. Eine gesicherte Risikoerhöhung für ischämische Herzkrankheiten ließ sich dort nicht belegen.

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Nach vorläufigen Berechnungen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft lag der durchschnittliche Fleischkonsum in Deutschland im Jahr 2025 bei 54,9 Kilogramm pro Kopf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt gesunden Erwachsenen im Alter von 18 bis 65 Jahren maximal 300 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche.

Ernährungsmediziner weisen darauf hin, dass die Begrenzung von verarbeiteten Fleischwaren ein zentraler Hebel sei, um Darmkrebs vorzubeugen. In Deutschland werden jährlich rund 55.000 Darmkrebsdiagnosen gestellt. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation für das Jahr 2022 gab es weltweit circa 1,9 Millionen Betroffene und über 900.000 Todesfälle infolge dieser Erkrankung.

Internationale Leitlinien und methodische Entwicklungen

Ein internationales Team aus 22 Ernährungswissenschaftlern unter der Leitung von Karen Della Corte von der Brigham Young University veröffentlichte im Journal Advances Nutrition das Konzept der International Food Guide Pyramid.

Auf Basis eines Vergleichs von Leitlinien aus Ländern wie Deutschland, Kanada, Australien, China und den nordischen Staaten sowie über 250 Publikationen rückt das Modell Gemüse, Obst und Vollkornprodukte mit niedrigem glykämischem Index an die Basis.

Pflanzliche Proteine und Öle werden hervorgehoben, während raffinierte Getreideprodukte, verarbeitetes Fleisch und zuckerhaltige Getränke stark begrenzt werden sollen. Verweise auf Arbeiten der EAT-Lancet-Kommission heben hervor, dass eine pflanzenbetonte Ernährung weltweit rund 15 Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr verhindern könnte.

Die Erforschung von Ernährungsmustern steht vor methodischen Herausforderungen. Eine Übersichtsarbeit im British Journal of Nutrition beleuchtete im Oktober 2026 den Einsatz von Machine-Learning-Methoden.

Traditionelle statistische Verfahren wie Hauptkomponenten- und Clusteranalysen stoßen bei komplexen Ernährungsdaten oft an Grenzen der Clusterqualität. Neuere Ansätze über Autoencoder oder Dimensionsreduktionsverfahren wie UMAP sollen die Trennbarkeit verbessern, um standardisierte Grundlagen für personalisierte Präventionsansätze zu schaffen.

Den Hintergrund bildet eine hohe Krankheitslast: Daten der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2019 führten Krebs in 112 von 183 Ländern als häufigste oder zweithäufigste Todesursache vor dem 70. Lebensjahr auf. Das Global Cancer Observatory rechnet global mit einem Anstieg der Krebsfälle um 47 Prozent bis zum Jahr 2040 im Vergleich zu 2020.

Die Krebsforscherin Hanna Heikenwälder unterstrich in einem Medienauftritt, dass es eine spezifische Anti-Krebs-Diät nicht gebe. Konkrete Verhaltensweisen und ausgewogene Ernährungsmuster könnten das Krebsrisiko jedoch wirksam senken. Die Umsetzung im Alltag sei dabei nicht kompliziert.

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