Tokenisierung, Bank

Tokenisierung: Deutsche Bank sieht 230 Milliarden Euro Einsparungen

01.07.2026 - 19:18:41 | boerse-global.de

Eine Analyse der Deutschen Bank prognostiziert massive Effizienzgewinne durch digitale Vermögenswerte und Blockchain-Technologie.

Tokenisierung revolutioniert Finanzmärkte: Milliarden-Einsparungen möglich
Tokenisierung - Leuchtende digitale Linien verbinden abstrakte Währungssymbole und Finanzdaten auf einem Bildschirm, symbolisieren Tokenisierung und digitale Finanzen. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Deutschen Bank vom heutigen Mittwoch. Der Übergang zu digitalen Hauptbüchern ermöglicht demnach einen 24/7-Handel, eine nahezu sofortige Abwicklung und deutlich effizientere Finanzierungsmechanismen.

Milliarden-Einsparungen durch digitale Prozesse

Der Deutsche-Bank-Analyst Andrew Fu betont, dass tokenisierte Geldmarktfonds (TMMFs) derzeit ein jährliches Wachstum von über 250 Prozent verzeichnen. Die Entwicklung eines Intraday-Repomarktes könnte den Bedarf an Reserveguthaben um umgerechnet rund 230 Milliarden Euro senken. Das hätte weitreichende Folgen für die US-Leitzins-Benchmarks, da die Liquiditätssteuerung im Bankensektor grundlegend effizienter würde.

Der Druck zur Automatisierung wächst: Manuelle Abwicklungsprozesse kosten Finanzinstitute durchschnittlich 315 Millionen Euro pro Jahr an entgangenen Zinserträgen. Eine Zahl, die die Dringlichkeit der Digitalisierung unterstreicht.

Großbanken bauen digitale Assets massiv aus

Die Analyse der Deutschen Bank fällt in eine Phase beispielloser Aktivität globaler Finanzriesen. JPMorgan gab gestern die Erweiterung seiner Blockchain-Plattform Kinexys bekannt. Das Netzwerk, das aus der früheren Onyx-Initiative hervorging, unterstützt nun acht Währungen – neu hinzugekommen sind der Australische Dollar, Hongkong-Dollar, Japanische Yen, Offshore-Chinesische Yuan und Singapur-Dollar. Mit über 3,7 Billionen Euro Gesamttransaktionsvolumen und täglich rund 6,5 Milliarden Euro Umsatz hat sich Kinexys als Schwergewicht etabliert.

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Ebenfalls gestern: Die Standard Chartered startete eine blockchain-basierte tokenisierte Einlagenlösung für Ant International. Der Dienst ermöglicht Echtzeit-Transfers in Hongkong-Dollar, Offshore-Yuan und US-Dollar rund um die Uhr. Das Projekt ist Teil des Project Ensemble der Hongkonger Währungsbehörde, das den Einsatz von tokenisiertem Geld für Interbanken-Abwicklungen erforscht.

Europäische Investitionsbank setzt Meilenstein

Die Europäische Investitionsbank (EIB) markierte am Montag einen weiteren Schritt: Sie emittierte ihr erstes Commercial Paper auf einer Distributed-Ledger-Plattform. Die Emission über 77,5 Millionen Euro mit zehntägiger Laufzeit wurde auf Clearstreams D7-Plattform abgewickelt – die Abwicklung dauerte Minuten statt Tage.

Weitere Projekte in der Pipeline

Die kommenden Monate versprechen weitere Innovationen:

  • DTCC: Ein Pilotprojekt für einen neuen Tokenisierungsdienst startet im Juli 2026, der Produktivbetrieb ist für Oktober 2026 geplant.
  • Bank of Korea: Gouverneur Shin Hyun-sung schlug gestern die Tokenisierung von Staatsanleihen vor. Die Notenbank testet derzeit digitale Währungen und plant Treasury-Fonds-Tests für die zweite Jahreshälfte 2026.
  • Asset Management: Invesco beantragte am 24. Juni 2026 einen tokenisierten Stablecoin-Reservefonds. Die Genehmigung durch die US-Börsenaufsicht SEC wird für Ende August 2026 erwartet.
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Neuer Standard für institutionelle Zahlungen

Ein Konsortium aus über 140 Unternehmen – darunter BlackRock, Visa, Mastercard, Stripe und Coinbase – launchte heute den "Open USD"-Stablecoin. Entwickelt in Übereinstimmung mit dem GENIUS Act, soll der Protokoll einen interoperablen Standard für institutionelle Zahlungen und grenzüberschreitende B2B-Transaktionen schaffen.

Die Entwicklung spiegelt einen breiteren Trend wider: Aktuell verfügen nur 3,4 Prozent der 290 größten Banken über live-fähige tokenisierte Einlagen. Doch Forscher prognostizieren, dass dieser Anteil bis Mitte 2027 auf 21 Prozent steigen wird. Analysten von Citi gehen sogar davon aus, dass tokenisierte Einlagen bis Ende des Jahrzehnts ein jährliches Transaktionsvolumen zwischen 93 und 130 Billionen Euro ermöglichen könnten.

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