Sturzprävention, Minuten

Sturzprävention: Zehn Minuten Heimübungen senken Stürze um 9 Prozent

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 19:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein häusliches Bewegungsprogramm verringerte Stürze und Verletzungen, während die Sterblichkeit unverändert blieb.
Ein heller, aufgeräumter Wohnraum mit einer freien Bodenfläche für körperliche Übungen und natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Regelmäßige Übungen in den eigenen vier Wänden können das Sturzrisiko älterer Menschen messbar verringern. Dies belegen die Ergebnisse der cluster-randomisierten kontrollierten eSTEPS-Studie, die Mitte Oktober 2026 in der Fachzeitschrift JAMA Network Open veröffentlicht wurde.

Die Untersuchung analysierte die Wirksamkeit eines niedrigschwelligen Bewegungsprogramms bei älteren Erwachsenen mit erhöhtem Sturzrisiko und liefert neue Daten zur Sturzprophylaxe im hausärztlichen Alltag.

Signifikante Reduktion von Stürzen und Verletzungen

An der eSTEPS-Studie nahmen insgesamt 11.945 Erwachsene im Alter ab 65 Jahren teil, bei denen im Vorfeld ein positives Sturzrisiko-Screening in 22 Hausarztpraxen eines US-amerikanischen Gesundheitssystems vorlag.

Die Nachbeobachtungszeit erstreckte sich über 12 bis 23 Monate im Zeitraum vom 9. Juni 2023 bis zum 8. Mai 2025. Das Durchschnittsalter der Kohorte betrug 77,05 Jahre mit einer Standardabweichung von 7,43 Jahren.

Mit 8.044 Personen stellten Frauen einen Anteil von 67,3 Prozent. Die Interventionsgruppe umfasste 5.681 Teilnehmende (47,6 Prozent), während 6.264 Personen (52,4 Prozent) der Kontrollgruppe zugeteilt wurden.

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Die Intervention bestand aus Heimübungen mit einem zeitlichen Umfang von etwa zehn Minuten, die ohne zusätzliche Geräte auskommen. Das Programm umfasst vier Schwierigkeitsstufen und wurde vom etablierten Otago-Programm abgeleitet.

In der Auswertung zeigte sich eine Absenkung der ärztlich erfassten Stürze auf 19,3 pro 100 Patientenjahre in der Interventionsgruppe gegenüber 21,2 pro 100 Patientenjahre in der Kontrollgruppe (Relatives Risiko 0,91; 95%-Konfidenzintervall 0,88–0,95; P<.001). Dies entspricht einem Rückgang der Stürze um 9 Prozent.

Auch bei den Sturzverletzungen verzeichnete die Studie einen Rückgang von 16,7 auf 15,7 Fälle pro 100 Patientenjahre (Relatives Risiko 0,94; P=.001). Hinsichtlich der Sterblichkeit ergaben sich hingegen keine Unterschiede zwischen der Interventions- und der Kontrollgruppe.

Herausforderungen bei der Umsetzung in Hausarztpraxen

Trotz des nachgewiesenen Nutzens verdeutlichen die Studiendaten Hürden bei der routinemäßigen Verankerung im Praxisalltag. Lediglich 22,1 Prozent (1.255 Personen) der Patientinnen und Patienten in der Interventionsgruppe erhielten tatsächlich ein entsprechendes Rezept für das Übungsprogramm. Aufseiten des medizinischen Personals nutzten 77,9 Prozent (215 Kliniker) das digitale Werkzeug mindestens einmal.

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Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass gezielte Bewegungsprogramme in der Routineversorgung eine zentrale Rolle spielen müssen. Ein Statement des American College of Cardiology (ACC) hebt hervor, dass Bewegung zu den wirksamsten, jedoch weiterhin untergenutzten Maßnahmen zählt. Der ACC spricht sich für eine routinemäßige Bewegungsberatung und -verordnung in der Routineversorgung aus.

Multimodale Ansätze zur Minimierung von Risiken

Die Bedeutung von Muskel- und Gleichgewichtstraining zur Sturzvermeidung wird durch internationale Leitlinien untermauert. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für Erwachsene ab 65 Jahren wöchentlich 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensive Aktivität sowie muskelkräftigendes Training an mindestens zwei Tagen pro Woche.

Ergänzend wird Gleichgewichtstraining an drei oder mehr Tagen pro Woche angeraten, wobei bereits geringe Aktivitätssteigerungen einen gesundheitlichen Mehrwert bieten.

Mediziner betonen zudem den Zusammenhang zwischen Sturzprävention und Knochengesundheit. Eine kräftige Muskulatur fungiert als Schutzfaktor für die Knochenstruktur, insbesondere bei vorliegender Osteoporose.

Neben physischem Training spielen auch Anpassungen des Wohnumfelds eine Rolle: Da sich viele Stürze in der häuslichen Umgebung ereignen, raten Experten zur Beseitigung von Stolperfallen, dem Einsatz ausreichender Beleuchtung sowie der Installation von Haltegriffen.

Die Ergebnisse der eSTEPS-Studie bestätigen, dass bereits strukturierte, kurze Bewegungseinheiten im häuslichen Rahmen einen messbaren Beitrag zur Verminderung von Sturzereignissen leisten können.

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