Stablecoins: USA setzen Frist bis 18. Juli für neue Regeln
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 07:50 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Gleich mehrere Institutionen haben diese Woche mit koordinierten Warnungen und neuen Gesetzesvorhaben den Druck auf den Stablecoin-Markt erhöht.
BIS und IMF warnen vor systemischen Risiken
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat am heutigen Sonntag eindringlich vor den Gefahren dollar-gebundener Stablecoins gewarnt. Diese könnten bankenähnliche Anstürme auslösen und das gesamte Finanzsystem destabilisieren, so die Behörde.
Pablo Hernández de Cos, Generaldirektor der BIZ, betonte, dass dominante Stablecoins wie USDT und USDC nicht wie Bargeld funktionierten, sondern wie Anlageprodukte. Massive Rücknahmen könnten Banken, die Stablecoin-Reserven halten, massiv unter Druck setzen. Zudem umgehe die Nutzung von Stablecoins auf öffentlichen Blockchains oft etablierte Geldwäsche-Schutzmechanismen. Europäische Behörden erwägen deshalb strengere Beschränkungen für nicht auf Euro lautende Vermögenswerte.
Ein am Samstag veröffentlichtes Arbeitspapier des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigt die Risiken für Schwellen- und Entwicklungsländer auf. Autor Brandon Tan erklärt: Dollar-Stablecoins erleichtern zwar den Zugang zu Devisen in Ländern mit festen Wechselkursen, beschleunigen aber auch koordinierte Kapitalabflüsse aus lokalen Währungen. In Bolivien und Argentinien dienen Stablecoin-Presie bereits als parallele Benchmarks – das untergräbt die Wirksamkeit der lokalen Geldpolitik und erschwert Kapitalkontrollen.
USA: GENIUS Act setzt strenge Fristen
In den USA nähern sich die Bundesbehörden einem kritischen Meilenstein. Bis zum 18. Juli müssen sieben Bundesbehörden – darunter das Finanzministerium, das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) und die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) – die Zugangsregeln unter dem GENIUS Act finalisieren. Das Gesetz tritt am 18. Januar 2027 in Kraft und verbietet US-Dienstleistern ab dem 18. Juli 2028 den Umgang mit nicht genehmigten Stablecoins.
Die vorgeschlagenen Regeln behandeln Stablecoin-Emittenten faktisch als Quasi-Banken. Der OCC schlägt eine Mindestkapitalanforderung von fünf Millionen Euro für Emittenten vor. Zu den Auflagen gehören wöchentliche und monatliche Finanzberichte sowie strenge Liquiditätsregeln: Zehn Prozent der Stablecoins müssen täglich rückzahlbar sein, 30 Prozent innerhalb von fünf Tagen. In Stressphasen – definiert als Rücknahmen von über zehn Prozent binnen 24 Stunden – kann sich die Rücknahmefrist auf sieben Tage verlängern.
Während die Regulierung digitaler Währungen zunimmt, verändern Blockchain und neue Finanztechnologien die Anlagewelt grundlegend. Dieser kostenlose Experten-Report enthüllt die größten Chancen im digitalen Finanzmarkt und wie Sie diese Trends für sich nutzen können. Fintech, Blockchain & Co. – Jetzt Gratis-Report sichern
Auswirkungen auf Bankensektor und Kreditvergabe
Der regulatorische Wandel wird die Risikobewertung von Stablecoins in Bankvorständen grundlegend verändern. Der GENIUS Act schreibt eine 1:1-Reserve in sicheren Vermögenswerten wie Staatsanleihen oder Bankeinlagen vor. Das stärkt zwar die Dominanz des US-Dollars, ersetzt aber stabile Spareinlagen durch volatile institutionelle Einlagen – besonders kleine Regionalbanken könnten darunter leiden.
Eine Studie des Council of Economic Advisers (CEA) vom heutigen Sonntag untersuchte die Auswirkungen von verzinslichen Stablecoins. Ergebnis: Ein Zinsverbot würde die Kreditvergabekapazität der Banken nur marginal steigern – um etwa 0,02 Prozent oder umgerechnet knapp zwei Milliarden Euro. Gleichzeitig entstünden Verbrauchern Kosten von rund 740 Millionen Euro. Selbst bei einem sechsfachen Wachstum des Stablecoin-Marktes brächte ein Zinsverbot nur 6,7 Prozent mehr Bankkredite. Die Studie sieht Stablecoins eher als Chance denn als direkte Bedrohung für die Kreditvergabe.
Klassische Banken und Sparmodelle verlieren durch die technologische Transformation rasant an Bedeutung, was viele Anleger vor neue Herausforderungen stellt. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche modernen Alternativen zum herkömmlichen Sparkonto existieren und wie Sie Ihr Kapital heute zeitgemäß verwalten. Kostenlosen Überblick über die digitale Finanzwelt herunterladen
Großbritannien legt Fahrplan für 2027 vor
Auch die Bank of England (BoE) hat am Sonntag ihren Regulierungsrahmen für systemrelevante Pfund-Stablecoins veröffentlicht. Die Notenbank setzt eine vorläufige Emissionsgrenze von 40 Milliarden Pfund und verlangt von Emittenten, bis zu 70 Prozent ihrer Reserven in verzinslichen Staatsanleihen zu halten. Die BoE will die Regeln bis Ende 2026 finalisieren, die vollständige Umsetzung ist für 2027 geplant. Nicht-systemrelevante Stablecoins bleiben unter der Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA).
Das aktuelle Marktvolumen für Stablecoins wird auf rund 300 Milliarden Euro geschätzt. Branchenkenner wie Beth Haddock von Stablecoin Standard betonen: Die neuen Regulierungen schaffen eine klare rechtliche Unterscheidung zwischen fiat-gestützten Zahlungs-Stablecoins und komplexeren DeFi-basierten Produkten – jedes mit eigenen Risikoprofilen für die globale Finanzinfrastruktur.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
