Senioren, Bewegung

Senioren und Bewegung: Nur 29,6 Prozent schaffen 150 Minuten pro Woche

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine MedUni-Wien-Analyse beziffert mögliche Krankheitsvermeidung durch Bewegung; Kommunen erproben vielfältige Angebote für ältere Menschen.

Bewegungsangebote für Senioren: Studien zeigen Präventionspotenzial
Ein sonniger Parkweg mit Bäumen und Grünflächen in einer ruhigen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte und wissenschaftliche Erhebungen aus dem September 2026 verdeutlichen die wachsende Bedeutung gezielter Bewegungsangebote für die ältere Bevölkerung. Zahlreiche Kommunen und Träger setzen verstärkt auf gemeinsame sportliche Aktivitäten und Kurse zum Muskelaufbau, um die Mobilität im Alter zu erhalten und chronischen Erkrankungen vorzubeugen.

Wissenschaftliche Basis: Präventionspotenzial durch körperliche Aktivität

Eine in der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ veröffentlichte Studie der MedUni Wien unterstreicht die Notwendigkeit dieser Maßnahmen. Die Autorin der Untersuchung, Christina Fastl vom Zentrum für öffentliche Gesundheit, analysierte Daten von 3.995 Teilnehmenden der österreichischen Gesundheitsbefragung ATHIS ab einem Alter von 65 Jahren. Den Ergebnissen zufolge erfüllten lediglich 29,6 Prozent der Befragten die gängige Empfehlung von mindestens 150 Minuten aerober Aktivität pro Woche.

Modellrechnungen der MedUni Wien zeigen das erhebliche Potenzial einer flächendeckenden Umsetzung dieser Empfehlungen auf. Würden alle Senioren das geforderte Bewegungspensum erreichen, könnten Schätzungen zufolge bis zu 46,6 Prozent der Schlaganfälle, 40,8 Prozent der Herzinfarkte und 35,8 Prozent der Diabetesfälle verhindert werden.

Bei Krebserkrankungen lieferten die Daten hingegen keine statistisch eindeutigen Ergebnisse. Experten raten für die Altersgruppe über 65 Jahre zu 150 bis 300 Minuten moderater Bewegung pro Woche, ergänzt durch dreimal wöchentliche Gleichgewichtsübungen.

Bedarfslage und kommunale Reaktionen am Beispiel Weiz

Dass in der Bevölkerung ein hohes Bewusstsein für diese Themen herrscht, belegt eine Online-Umfrage der Stadt Weiz, die in Zusammenarbeit mit Styria Vitalis durchgeführt wurde. Von Juni bis Mitte August 2026 beteiligten sich 372 Personen an der Befragung.

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Während 31 Prozent ihren Gesundheitszustand als sehr gut und 48 Prozent als gut bewerteten, identifizierten 95 Prozent der Teilnehmenden einen zusätzlichen Bedarf an Bewegungsangeboten. Zudem gaben 84 Prozent an, psychische Probleme als drängendes Thema wahrzunehmen – ein Anstieg um 13 Prozent gegenüber dem Jahr 2021.

Bürgermeisterin Bettina Bauernhofer betonte im Kontext der Ergebnisse, dass Investitionen in die Prävention ein wesentlicher Punkt seien. Konkrete Maßnahmen auf Basis der Umfrage wurden in der Stadt bisher jedoch noch nicht final beschlossen.

Vielfalt der Interventionsmodelle in europäischen Regionen

Um Barrieren abzubauen, setzen viele Veranstalter auf kostenlose Angebote. Ein Beispiel hierfür ist die Aktionswoche „Gesund im Stuwerviertel“ in Wien, die im September 2026 stattfand. Finanziert aus dem Landesgesundheitsförderungsfonds und der Sozialversicherung, umfasste das Programm Gesundheitsspaziergänge und Ernährungsberatung.

Ähnliche Ansätze verfolgt der bayerische Masterplan Prävention mit dem Projekt „Sport vor Ort“ in Schweinfurt oder das Programm „teamwrk für Gesundheit und Arbeit“ im Landkreis Stade, das Gutscheine für Gesundheitskurse an Jobcenter-Kunden ausgibt.

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Auch international werden entsprechende Projekte forciert. In der polnischen Gemeinde G?ogów Ma?opolski startete im September 2026 das Projekt „Zdrowy kr?gos?up 60+“, das wöchentliche Gymnastikkurse in verschiedenen Ortsteilen vorsieht. Das Vorhaben wird mit 38.000,00 z? staatlich gefördert, bei Gesamtkosten von 42.350,00 z?.

Integration durch Sport und Mobilitätstraining

Neben dem rein physischen Aspekt rücken soziale Integration und Alltagssicherheit in den Fokus. In Ense gründeten sich im Rahmen des Projekts „Miteinander aktiv 60plus“ innerhalb von sechs Monaten zwölf Gruppen, die von Wandern bis hin zu E-Bike-Fahrten reichen. In Tübingen setzen die Verantwortlichen auf Information und veröffentlichten drei Broschüren, die unter anderem bebilderte Übungen für zu Hause und Mobilitätshilfen thematisieren.

Spezialisierte Angebote wie das Mobilitätstraining der BSAG in Bremen unterstützen Senioren zudem im Umgang mit Rollatoren im öffentlichen Nahverkehr. Trainer vermittelten dort praktische Fähigkeiten zum sicheren Ein- und Aussteigen.

Auch Trendsportarten halten Einzug in die Seniorenarbeit: Der Verein sportspaß e.V. in Hamburg erweiterte aufgrund hoher Nachfrage sein Angebot für Pickleball. Laut Geschäftsführer Clemens Müller belege die Auslastung der Kurse das enorme Interesse an neuen Sportformen in der Hansestadt.

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