Senioren, Medikamente

Senioren über 75: Fast jeder Zweite nimmt täglich mindestens fünf Medikamente

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Regelmäßige Prüfungen der Arzneimittel und besondere Vorsicht bei Erkältungsmitteln können vermeidbare Medikationsschäden reduzieren.
Leere Glasmessbecher und ein steriles Tablett auf einer hellen Holzoberfläche in einem klinischen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Fachbeiträge beleuchten verstärkt präventive Maßnahmen gegen Medikationsfehler und weisen auf Risiken durch bestimmte Inhaltsstoffe in Erkältungspräparaten hin, die insbesondere bei Vorerkrankungen wie Bluthochdruck zu Komplikationen führen können. Mit zunehmendem Alter steigt der Bedarf an medikamentöser Behandlung häufig an, wodurch gleichzeitig die Gefahr unerwünschter Wechselwirkungen wächst.

Gefahren durch therapeutische Kaskaden und Multimedikation

Das katalanische Gesundheitsministerium warnte vor sogenannten therapeutischen Kaskaden. Diese entstehen, wenn Nebenwirkungen eines Arzneimittels fälschlicherweise als neue Erkrankung interpretiert werden und daraufhin zusätzliche Medikamente verordnet werden. Dadurch nimmt die Polymedikation weiter zu, was vermeidbare Gefahren besonders für vulnerable Personen birgt.

Nach Angaben des Ministeriums stehen 5 bis 10 % der Krankenhauseinweisungen im Zusammenhang mit unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Fast die Hälfte dieser Fälle sei vermeidbar, und etwa einer von 20 Patienten erleide einen vermeidbaren Schaden durch Medikation. Regelmäßige Überprüfungen des Behandlungsplans könnten unnötige Verschreibungen, Arztbesuche und Klinikeinweisungen verringern.

Die Organisation SeniorHelp definiert Polymedikation als gleichzeitige Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten. Entsprechenden Studien zufolge nimmt fast die Hälfte der Senioren über 75 Jahren täglich mindestens fünf Präparate ein, während einer von fünf sogar mehr als zehn verschiedene Mittel anwendet.

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Zu den Risiken zählen pharmakodynamische und pharmakokinetische Wechselwirkungen, kumulative Überdosierungen sowie Einnahmefehler. Als Warnsignale gelten Schwindel, Stürze, Appetit- und Verdauungsänderungen, Schlafprobleme oder neue Symptome nach einer Medikamentenumstellung.

Bei schweren Notfallanzeichen wie plötzlicher Verwirrtheit, Atemnot, Herzrhythmusstörungen, großflächigen Hautausschlägen, anhaltendem Erbrechen oder ungewöhnlichen Blutungen ist unverzügliche medizinische Hilfe erforderlich.

Spezifische Risiken bei Erkältungspräparaten und Selbstmedikation

Besondere Vorsicht ist bei freiverkäuflichen Erkältungsmitteln geboten. Nach Angaben in Fachberichten sollten Personen mit chronischen Erkrankungen wie Hypertonie, Nieren- oder Leberleiden sowie Magen-Darm-Geschwüren vor der Einnahme von Entzündungshemmern oder Abschwellmitteln Rücksprache mit Ärzten halten.

Zudem enthalten Kombinationspräparate häufig Paracetamol. Bei zusätzlicher Einnahme eines separaten Schmerzmittels besteht das Risiko, die unbedenkliche Tagesdosis unwissentlich zu überschreiten.

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Zur Wirksamkeit von Schnupfenmitteln weisen Untersuchungen darauf hin, dass das oral verabreichte Abschwellmittel Phenylephrin bei verstopfter Nase keine bessere Wirkung als ein Placebo zeigt.

Demgegenüber sind Nasensprays mit Wirkstoffen wie Phenylephrin, Oxymetazolin oder Xylometazolin zwar wirksam, sollten aber nicht länger als maximal drei Tage angewendet werden, um einer erneuten Verstopfung der Schleimhäute vorzubeugen.

Schmerz- und Fiebermittel wie Paracetamol und Ibuprofen helfen gegen Gliederschmerzen und Fieber, wobei eine Erkältung üblicherweise etwa sieben bis zehn Tage anhält. Zur schonenden Linderung befeuchten Inhalationen mit Kochsalzlösung die gereizten Schleimhäute, ersetzen jedoch keine verordneten Behandlungen.

Strategien für mehr Sicherheit im Alltag

Zur Vorbeugung von Einnahmefehlern wird das Führen einer vollständigen Medikamentenliste angeraten, die auch rezeptfreie Präparate, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel umfasst. Diese Dokumentation sollte bei jedem Arztbesuch vorgelegt werden, während Apotheken als zentrale Anlaufstelle zur Prüfung möglicher Wechselwirkungen dienen.

Für die praktische Organisation bieten strukturierte Medikamentendosierer in Tages- oder Wochenaufteilung Unterstützung. Sie helfen bei der pünktlichen Einnahme, verringern Verwechslungen und entlasten Angehörige.

Bei der Auswahl von Dosiersystemen spielen Aspekte wie eine gut lesbare Beschriftung, BPA-freier Kunststoff und eine unkomplizierte Handhabung eine entscheidende Rolle. Ergänzend können feste Zeiten für das wöchentliche Befüllen sowie der Einsatz akustischer oder optischer Erinnerungen die Therapiesicherheit stabilisieren.

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