Schlafqualität: 48 Minuten mehr REM-Schlaf hängen mit 26 Prozent weniger Herzschwäche zusammen
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 09:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Forschungsergebnisse heben hervor, dass für die Vorbeugung von Herzinsuffizienz nicht allein die Schlafdauer zählt, sondern vor allem die Schlafqualität eine entscheidende Rolle spielt. Wissenschaftliche Untersuchungen und Fachleute weisen darauf hin, dass Faktoren wie Schlafphasen, nächtliche Unterbrechungen und Regelmäßigkeit erhebliche Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben können.
Schlafstadien und kardiovaskuläre Gesundheit
Eine in der Fachzeitschrift PLOS Medicine (DOI 10.1371/journal.pmed.1005213) veröffentlichte Kohortenstudie liefert detaillierte Einblicke in die Zusammenhänge zwischen Schlafarchitektur und langfristigen Krankheitsrisiken.
Für die Untersuchung wurden Bewegungssensordaten von 95.559 Teilnehmenden der UK Biobank im Alter von 40 bis 69 Jahren ausgewertet, die über sieben Tage ein Messgerät am Handgelenk getragen hatten. Die Probanden wurden über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 8,9 Jahren begleitet.
Die Auswertung ergab, dass ein höherer Anteil an REM-Schlaf mit einem geringeren Risiko für 83 von 1.049 untersuchten Krankheiten einherging. Insbesondere das Herz-Kreislauf-System zeigte deutliche Zusammenhänge: Rund 48 Minuten mehr REM-Schlaf waren statistisch mit einem um 26 Prozent niedrigeren Risiko für Herzinsuffizienz beziehungsweise Herzschwäche verbunden.
Zudem zeigte sich eine Verringerung des Demenzrisikos um 46 Prozent und des Alzheimer-Risikos um 31 Prozent sowie ein geringeres Risiko für Erkrankungen wie Parkinson und Multiple Sklerose.
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Mehr Tiefschlaf war mit einem geringeren Risiko für 7 Erkrankungen assoziiert, darunter Typ-2-Diabetes, schwere Depressionen, Parkinson und Schlafapnoe. Die Studienautoren betonen jedoch den beobachtenden Charakter der Daten; eine direkte Kausalität ist damit nicht belegt. Für die Erfassung kam unter anderem der SleepNet-Algorithmus mit einem F1-Score von 0,49 zum Einsatz.
Dauer, Schlafrhythmus und Fragmentierung
Neben den einzelnen Schlafstadien bleibt auch die Gesamtdauer ein Faktor. Bei 86 Krankheitsbildern stellten die Forschenden einen Zusammenhang mit der Schlafdauer fest. Bei 69 dieser Erkrankungen zeigte sich das niedrigste Risiko bei einer Schlafdauer von 6 bis 8 Stunden pro Nacht. Weniger als 5 Stunden Schlaf waren hingegen mit ungünstigen Zusammenhängen bei 37 Erkrankungen verbunden.
Gleichzeitig wirken sich Unregelmäßigkeiten im Schlafrhythmus negativ aus: Schwankungen der Schlafdauer um 93 Minuten gingen statistisch mit einem Anstieg schwerer Depressionen um 26 Prozent und von Angststörungen um 23 Prozent einher. Stärkere Unregelmäßigkeiten im Rhythmus und mehr Wachzeit nach dem Einschlafen erhöhten zudem das Risiko für weitere Krankheitsbilder, darunter Bauchschmerzen sowie Substanzkonsumstörungen.
Die Schlafmedizinerin Dr. Erin Creighton hebt hervor, dass echte Schlafqualität ein Zusammenspiel aus ausreichender Dauer, konsistenten Schlaf- und Wachzeiten, geringer Fragmentierung und dem Durchlaufen aller Schlafstadien darstellt.
Erwachsene sollten im Schnitt 7 bis 9 Stunden Schlaf anstreben. Unterstützend wirken feste Aufstehzeiten, Bewegung bei Tageslicht und der Verzicht auf Koffein oder Alkohol am Abend.
Bei Anzeichen wie Schnarchen, Würgen, Atemaussetzern oder anhaltender Erschöpfung trotz scheinbar ausreichender Bettruhe raten Fachleute zu einer ärztlichen Abklärung, um Störungen wie eine Schlafapnoe auszuschließen, bei der kollabierende Atemwege zu wiederholten Weckreizen und Schlaffragmentierung führen.
Verbreitung von Schlafproblemen in der Bevölkerung
Dass viele Menschen die empfohlenen Werte im Alltag verfehlen, verdeutlicht eine bevölkerungsrepräsentative forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbandes. Lediglich rund 30 Prozent der Befragten erreichen die Richtlinie von 7 bis 9 Stunden Schlaf pro Nacht.
Dagegen schlafen 69 Prozent der Deutschen weniger als 7 Stunden. In der Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen liegt der Anteil derjenigen, die unter 7 Stunden bleiben, bei 77 Prozent.
Zudem gaben 58 Prozent der Befragten an, in den letzten drei Monaten unter Schlafproblemen gelitten zu haben, wobei Frauen mit 64 Prozent häufiger betroffen waren als Männer mit 52 Prozent. Als Ausprägungen wurden Durchschlafprobleme (78 Prozent), Einschlafprobleme (52 Prozent) und frühes Erwachen (43 Prozent) genannt.
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Als Hauptursachen stehen Stress und psychische Belastungen (63 Prozent) an erster Stelle, gefolgt von körperlichen Beschwerden (38 Prozent), Raumtemperatur (36 Prozent) und der Nutzung digitaler Medien vor dem Schlafengehen (27 Prozent; bei den 18- bis 29-Jährigen 45 Prozent).
Als Folgen nannten 65 Prozent Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit, 40 Prozent fühlten sich weniger belastbar und 39 Prozent berichteten von verminderter Leistungsfähigkeit. Eine ärztliche oder psychologische Beratung nahmen 28 Prozent der Betroffenen in Anspruch, 7 Prozent griffen zu verschreibungspflichtigen Medikamenten.
Der stellvertretende AOK-Vorstandsvorsitzende Jens Martin Hoyer warnt vor langfristigen Folgen des Schlafmangels und hob die Stressbewältigung als entscheidenden Faktor für gesunden Schlaf hervor.
