Schlafmangel, Stunden

Schlafmangel: Unter fünf Stunden steigt das Risiko für 37 Krankheiten

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 03:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Untersuchung verknüpft weniger als fünf Stunden Schlaf mit höheren Risiken für mehrere Erkrankungen; Fachleute empfehlen feste Schlafgewohnheiten.

Schlaf und Gedächtnis: Was Studien zu Risiken und Schlafhygiene zeigen
Ein minimalistisch eingerichtetes Schlafzimmer in den frühen Morgenstunden mit sanftem Mondlichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Regelmäßige nächtliche Schlafunterbrechungen beeinträchtigen die kognitive Leistungsfähigkeit und belasten das Gedächtnis spürbar. Fachleute und Schlafforscher weisen darauf hin, dass gestörte Schlafphasen die nächtliche Regeneration des Gehirns unterbrechen, und geben konkrete Handlungsempfehlungen für eine stabile Schlafhygiene.

Ursachen für Vergesslichkeit und neurologische Warnzeichen

Gedächtnisprobleme im Alltag sind nicht zwingend Vorboten einer neurodegenerativen Erkrankung. Wie der Neurowissenschaftler Lukas Kunz vom Universitätsklinikum Bonn erklärt, können neben Demenzen auch Schlafmangel, depressive Verstimmungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente hinter einer nachlassenden Merkfähigkeit stecken.

Typische Anzeichen einer relevanten Beeinträchtigung sind das wiederholte Stellen derselben Fragen, das Vergessen fester Absprachen oder Orientierungsprobleme auf gewohnten Wegen. Tritt eine Verwirrtheit plötzlich und ausgeprägt auf oder nimmt die Vergesslichkeit stetig zu, sei eine umgehende ärztliche Abklärung erforderlich.

Für den Erhalt der geistigen Fitness empfiehlt Kunz neben ausreichendem Schlaf und regelmäßiger Bewegung auch soziale Kontakte und das Erlernen neuer Fähigkeiten. Beim gezielten Wissenserwerb helfen aktives Abrufen und das Verteilen von Lerneinheiten über mehrere Tage.

Kommerziellen Gehirntrainingsprogrammen fehle hingegen ein wissenschaftlich belegter Alltagsnutzen, da sich die Verbesserungen meist nur auf die konkret trainierte Aufgabe beschränken.

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Schlafdauer und das Risiko neurodegenerativer Erkrankungen

Der individuelle Schlafbedarf variiert, folgt jedoch festen Mustern. Nach Angaben des Schlafforschers Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums der Pfalzklinik, benötigen rund 80 Prozent der Menschen sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht, während sechs Stunden für die Mehrheit unzureichend seien.

Untersuchungen des Sleep Research Center der Loughborough University zeigen zudem, dass Frauen im Durchschnitt etwas mehr Schlaf benötigen als Männer.

Die gesundheitlichen Folgen von Schlafdefiziten belegt eine im September 2026 im Fachjournal PLOS Medicine veröffentlichte Untersuchung der Capital Medical University und der Peking University.

Anhand der Daten von 95.559 Erwachsenen aus der UK Biobank, deren Schlafmuster über eine Woche per Akzelerometer erfasst und über einen Median von 8,9 Jahren beobachtet wurden, identifizierten Forscher eine Schlafdauer von sechs bis acht Stunden als optimalen Bereich für 69 Erkrankungen.

Schlafen Erwachsene weniger als fünf Stunden pro Nacht, steigt das Risiko für 37 Krankheitsbilder deutlich an. Die Hazard Ratio liegt demnach für Demenz bei 2,57, für Parkinson bei 2,37, für Herzschwäche bei 1,73 und für Typ-2-Diabetes bei 1,31. Umgekehrt ging ein Zuwachs an REM-Schlaf um 47,6 Minuten mit einem um 46 Prozent niedrigeren Demenzrisiko (HR 0,54) und einem um 31 Prozent reduzierten Alzheimer-Risiko (HR 0,69) einher. Zu lange Ruhezeiten bergen ebenfalls Risiken: Bei mehr als acht Stunden Schlaf zeigte sich eine Hazard Ratio von 1,60 für Depressionen.

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Vorgaben für eine wirksame Schlafhygiene

Biologisch führt Schlafmangel zu einem Anstieg von Cortisol, einer verschlechterten Insulinverarbeitung und erhöhten Entzündungsmarkern. Als Richtwerte für eine gesunde Nachtruhe gelten mindestens 90 Minuten REM-Schlaf sowie 60 bis 90 Minuten Tiefschlaf; sinkt der Tiefschlaf unter 40 Minuten, werten Experten dies als Warnsignal.

Zur Stabilisierung des Schlafrhythmus raten Mediziner zu festen Zubettgehzeiten mit maximal 30 Minuten Abweichung am Wochenende. Bildschirmmedien sollten 60 Minuten vor dem Schlafen gemieden werden, koffeinhaltige Getränke nach 14 Uhr entfallen. Zudem stört Alkohol den REM-Schlaf empfindlich, weshalb mindestens vier Stunden vor dem Einschlafen darauf verzichtet werden sollte.

Die optimale Raumtemperatur liegt bei 16 bis 19 Grad Celsius. Dr. Mavi Schellenberg von der Thorax-Klinik Heidelberg wies zudem darauf hin, dass Schlafen wieder aktiv erlernt werden müsse und auch eine übermäßige Überwachung durch Schlaf-Tracker zusätzlichen Leistungsdruck erzeugen und kontraproduktiv wirken könne.

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