Schlafmangel, Minuten

Schlafmangel macht träge: 80 Minuten weniger Ruhe = 0,5 kg Gewicht

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 06:13 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studie zeigt: Schlafdefizit und bestimmte Arzneien begünstigen Übergewicht. Neue orale Semaglutid-Tablette vor EU-Zulassung.

Adipositas in Deutschland: Medikamente und Schlafmangel als Treiber
Schlafmangel - Verschiedene Medikamentenflaschen und Blisterpackungen, die eine medikamentenbedingte Gewichtszunahme symbolisieren. 09.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das Gesundheitssystem steht vor massiven Herausforderungen. Während Lebensstilfaktoren oft im Fokus stehen, rücken nun zwei andere Ursachen in den Mittelpunkt: Arzneimittel als Verursacher von Gewichtszunahme und die Auswirkungen von Schlafmangel auf die Bewegungszeit.

Wenn Medikamente dick machen

Viele gängige Arzneimittel können das Gewicht steigern – völlig unabhängig von Kalorienverbrauch oder Bewegung. Bestimmte Psychopharmaka wie Olanzapin, Clozapin oder Valproat sowie Antidepressiva stehen im Verdacht, metabolische Veränderungen auszulösen. Auch Kortikosteroide, ältere Diabetes-Medikamente wie Insulin und Tolbutamid sowie Betablocker wie Atenolol und Metoprolol können den Stoffwechsel beeinflussen.

Hormontherapien gegen Prostatakrebs und bestimmte HIV-Medikamente sind ebenfalls betroffen. Bei hormonalen Kontrazeptiva und Tamoxifen kommt es zudem zu verstärkter Wasserretention. Die Botschaft der Experten: Wer eine Gewichtszunahme beobachtet, sollte mit dem Arzt sprechen – und die Medikation keinesfalls eigenständig absetzen.

Neue Hoffnung bei Adipositas-Therapie

Im Kampf gegen Übergewicht zeichnen sich Fortschritte ab. Am 22. Mai 2026 sprach der zuständige Ausschuss der europäischen Arzneimittelbehörde EMA eine Zulassungsempfehlung für eine orale Semaglutid-Tablette aus. Die finale EU-Zulassung wird zeitnah erwartet. In den USA ist das Präparat bereits seit Januar 2026 verfügbar. Ein Marktstart in Deutschland könnte noch dieses Jahr erfolgen.

Doch die Hürden bleiben hoch. Neben häufigen Magen-Darm-Beschwerden ist vor allem die Kostenfrage kritisch: Paragraf 34 des SGB V schließt die Erstattung von Abnehmmitteln durch die gesetzliche Krankenversicherung derzeit aus. Das, obwohl die jährlichen Folgekosten von Adipositas auf 29 Milliarden Euro direkte und 34 Milliarden Euro indirekte Gesundheitskosten geschätzt werden.

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Schlafmangel macht träge und dick

Eine aktuelle Studie im Fachmagazin Annals of Internal Medicine zeigt einen direkten Zusammenhang zwischen Schlafqualität und Gewicht. Über sechs Wochen hinweg führte eine Verkürzung der Nachtruhe um 80 bis 90 Minuten zu einer durchschnittlichen Gewichtszunahme von 0,5 Kilogramm.

Noch spannender: Der Schlafmangel reduzierte die körperliche Aktivität. Die Probanden saßen durchschnittlich 17 Minuten länger pro Tag. Bei Frauen nach der Menopause stieg diese inaktive Zeit sogar um fast 30 Minuten. Zudem wurden erhöhte Ghrelinspiegel und eine gesteigerte Insulinresistenz beobachtet – ein Risikofaktor für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Forschung an bewegungsfreundlichen Medikamenten

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Ein weiterer Ansatz: Forscher der McMaster University identifizierten den Mechanismus für Statin-assoziierte Muskelbeschwerden. Statine stören demnach die Isoprenylierung in Muskelzellen, was zu Entzündungen und Muskelabbau führt. Die Erkenntnis könnte den Weg für verträglichere Cholesterinsenker ebnen.

Parallel dazu arbeitet die Wissenschaft an SLU-PP-332, einem sogenannten Exercise-Mimetic. Die Substanz aktiviert Rezeptoren, um Energieumsatz und Fettsäure-Oxidation zu erhöhen. Das Ziel: die positiven Effekte von Sport medikamentös nachbilden – besonders für Patienten mit stark eingeschränkter Bewegungsfähigkeit. Ein klinischer Einsatz für den Menschen steht allerdings noch aus.

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