Schlafeffizienz: Werte unter 85 Prozent können das Demenzrisiko verdoppeln
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 18:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deNeben der reinen Schlafdauer rücken die Schlafqualität und die sogenannte Schlafeffizienz zunehmend in den Mittelpunkt der Schlafforschung. Dabei spielen sowohl physische Faktoren wie die Schlafbekleidung als auch chronische Schlafstörungen eine wesentliche Rolle für die Gesundheit, insbesondere bei älteren Menschen.
Die Bedeutung der Schlafeffizienz
Die Schlafeffizienz beschreibt das prozentuale Verhältnis der tatsächlichen Schlafzeit zur gesamten im Bett verbrachten Zeit. Ein Wert von 85 bis 90 Prozent oder mehr gilt in der Fachwelt als unproblematisch. Sinkt dieser Wert jedoch unter 80 Prozent, deutet dies auf manifeste Schlafprobleme sowie ein erhöhtes Mortalitätsrisiko hin.
Der Neurologe Conrado Estol hebt hervor, dass eine Schlafeffizienz von mindestens 85 Prozent der Bettzeit angestrebt werden sollte, da Werte darunter mit einer Verdopplung des Demenzrisikos einhergehen können.
Mit zunehmendem Lebensalter verändert sich dieses Verhältnis spürbar. Während in der Lebensmitte zwischen 40 und 64 Jahren die Schlafeffizienz laut Forschungsdaten von 89 auf 79 Prozent sinkt, stellte eine Untersuchung über die Spanne zwischen 40 und 100 Jahren einen Gesamtrückgang um 18,6 Prozent fest.
Bei Männern im Alter von 65 bis 96 Jahren trat eine Schlafeffizienz von 80 Prozent oder weniger besonders häufig auf, wenn sie allein lebten oder unter schmerzhaften Erkrankungen litten. Als zentrale Auslöser erwiesen sich dabei Schmerzen, Albträume sowie der Gebrauch von Schlafmedikamenten, welche die Schlafeffizienz zusätzlich senkten.
Wer sich mit den Auswirkungen von Medikamenten auf die Gesundheit im Alter befasst, sollte die Risiken bestimmter Wirkstoffe kennen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt auf, welche 180 Medikamente bei Senioren zu Sturzgefahr oder Verwirrtheit führen können und welche Alternativen es gibt. Kostenlosen Ratgeber zur Priscus-Liste anfordern
Kognitive Leistungsfähigkeit und Gehirnaktivität
Die Auswirkungen einer reduzierten Schlafeffizienz zeigen sich unter anderem bei kognitiven Fähigkeiten. Forschende der KU Leuven und der UGent stellten bei 233 flämischen Personen im Alter von 55 bis 90 Jahren fest, dass eine höhere Schlafeffizienz mit besseren exekutiven Funktionen verbunden war.
Teilnehmer, die einen größeren Teil ihrer Bettzeit tatsächlich schlafend verbrachten, erzielten bessere Resultate bei Aufgaben zu Konzentration, Planung und geistiger Flexibilität.
Dieser Zusammenhang blieb auch nach einer statistischen Bereinigung um Faktoren wie Alter, Bildung und körperliche Bewegung bestehen, während die reine Anzahl der Schlafstunden keine klare Korrelation mit diesen kognitiven Leistungen zeigte. Die Studienautoren ordnen diesen Befund bei den untersuchten, relativ gesunden Teilnehmenden als korrelativ und nicht als kausal ein.
Auf neurophysiologischer Ebene zeigen sich ebenfalls deutliche Differenzen. Laut einer im Journal of Sleep Research veröffentlichten Metaanalyse weisen gesunde schlafende Frauen im Vergleich zu Männern eine höhere Spindeldichte sowie höhere absolute Sigma- und Delta-Power auf.
Eine im Fachjournal Sleep publizierte Untersuchung an 119 Insomnie-Patienten und 103 gesunden Schlafenden ab 18 Jahren zeigte wiederum, dass Betroffene mit Insomnie unabhängig vom Alter eine geringere Spindel- und langsame Oszillationsdichte aufwiesen. Frauen mit Insomnie litten unter einer höheren Symptomschwere und wiesen im Vergleich zu gesunden Frauen eine verringerte Spindeldichte auf.
Chronische Insomnie und körperliche Begleiterkrankungen
Chronische Schlafstörungen betreffen schätzungsweise 22 Prozent der Allgemeinbevölkerung. Frauen weisen ein rund 50 Prozent höheres Risiko auf als Männer, während die Quote bei älteren Menschen fast 30 Prozent erreicht.
Die gesundheitlichen Folgen sind weitreichend: Eine Metaanalyse aus sechs von neun Studien mit mehr als 1,3 Millionen Teilnehmenden verknüpfte Insomnie mit einem um 26 Prozent höheren Schlaganfallrisiko, während eine weitere Metaanalyse aus fünf Studien ein um 28 Prozent erhöhtes Hospitalisierungsrisiko feststellte.
Zudem existieren statistische Assoziationen mit Depressionen, Demenzerkrankungen wie Alzheimer sowie suizidalem Verhalten, wenngleich diese Befunde keine direkte Kausalität belegen.
Angesichts des Zusammenhangs zwischen Schlafqualität und geistiger Gesundheit rückt die gezielte Vorsorge immer mehr in den Fokus. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Sie mit 11 praktischen Alltagsübungen und wertvollen Ernährungstipps dabei, Ihre mentale Fitness bis ins hohe Alter zu erhalten. Gratis-Ratgeber für geistige Fitness herunterladen
Auch die Organfunktionen können betroffen sein. Der Nephrologe Hong Yongxiang verweist auf Daten aus einer 2017 veröffentlichten Studie bei chronischer Nierenerkrankung. Demnach ging eine um 10 Prozent stärkere Schlaffragmentierung mit einem Rückgang der glomerulären Filtrationsrate um 2,6 mL/min/1,73 m² sowie einem um 28 Prozent höheren Proteinurie-Risiko einher, wobei auch hier ein ursächlicher Zusammenhang nicht abschließend gesichert ist.
Empfehlungen für den Schlafalltag
Für die Regeneration gilt als Richtwert für die meisten Erwachsenen eine Schlafdauer von 7 bis 9 Stunden pro Nacht, während ab einem Alter von 65 Jahren 7 bis 8 Stunden innerhalb von 24 Stunden veranschlagt werden.
Der Schlafforscher Hans-Günter Weeß vom Schlafzentrum der Pfalzklinik betont, dass rund 80 Prozent der Menschen einen Bedarf zwischen sieben und neun Stunden haben und ausreichend Schlaf daran erkennbar sei, dass man sich über Monate hinweg am Tag ausgeruht, emotional stabil und leistungsfähig fühle.
Zur Unterstützung der Schlafqualität empfehlen Experten feste Aufstehzeiten, Tageslichtexposition und mindestens sieben Stunden Bettruhe. Auch die Schlafumgebung beeinflusst das Schlafverhalten maßgeblich.
Die Wohnpsychologin Inka Aniol weist darauf hin, dass ruhige Farben, gedämpftes Abendlicht, Verdunkelungsmöglichkeiten sowie hochwertige, atmungsaktive Matratzen und Bettwäsche die Erholung fördern. Eine reduzierte, aufgeräumte Gestaltung trage zudem dazu bei, Ablenkungen und Reizüberflutungen vor dem Einschlafen zu minimieren.
