Schimmelpilzgifte: Kochen zerstört Mykotoxine nicht – 47% wissen das
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Wahrnehmung von Gesundheitsrisiken durch Schimmelpilzgifte in Lebensmitteln weist in der Bevölkerung erhebliche Defizite auf. Während industrielle Sicherheitsmechanismen und Rückrufaktionen versuchen, Verbraucher vor Mykotoxinen zu schützen, offenbaren aktuelle Erhebungen eine Diskrepanz zwischen dem theoretischen Gefahrenbewusstsein und dem praktischen Handeln in privaten Haushalten.
Ergebnisse der BfR-Verbraucherbefragung aus dem Frühjahr 2026
Eine im April 2026 durchgeführte Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) unter 1.000 Personen ab 16 Jahren verdeutlicht die Wissenslücken im Umgang mit Mykotoxinen. Obwohl 96 Prozent der Befragten angaben, Lebensmittel sauber, trocken und kühl zu lagern, herrscht bei der Einschätzung der Risiken Uneinigkeit.
Lediglich 28,7 Prozent der Teilnehmer äußerten Besorgnis über gesundheitliche Risiken durch Schimmelpilzgifte. Im Vergleich dazu stuften 77,4 Prozent der Befragten Mikroplastik als gefährlicher ein, während Schimmelpilzgifte nur von 49,6 Prozent als ähnlich risikoreich wahrgenommen wurden.
Ein zentrales Problem stellt die Ignoranz gegenüber der Thematik dar: Rund 79,3 Prozent der Befragten gaben an, selten über Mykotoxine nachzudenken, 51 Prozent beschäftigen sich gar nicht mit der Gefahr durch Schimmelpilze. Besonders kritisch bewerten Experten den Umstand, dass 30,6 Prozent der Befragten Schimmelbefall an frischen Produkten lediglich großflächig abschneiden, anstatt das gesamte Lebensmittel zu entsorgen.
Toxizität und Widerstandsfähigkeit gegenüber Verarbeitungsprozessen
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Die Annahme, dass Schimmelpilzgifte durch Erhitzen unschädlich gemacht werden können, ist weit verbreitet, jedoch wissenschaftlich nicht haltbar. Laut den Daten des BfR wussten lediglich 46,9 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass Kochen oder Backen die Toxine nicht zerstört. Mykotoxine sind hitzestabil und bleiben somit auch nach der Zubereitung im Lebensmittel aktiv.
Das Institut empfiehlt daher dringend die vollständige Entsorgung verschimmelter Lebensmittel, da sich die unsichtbaren Giftstoffe insbesondere in wasserreichen Produkten schnell über die sichtbare Stelle hinaus ausbreiten können. In der industriellen Produktion gelten zum Schutz der Verbraucher EU-weite Höchstgehalte für Mykotoxine, die regelmäßig kontrolliert werden.
Aktuelle Rückrufe und präventive Schutzmaßnahmen
Wie relevant die Überwachung der Grenzwerte ist, zeigte ein Vorfall Ende August 2026. Die Glatz International GmbH rief die Charge L212-26 des Produkts „Farmer's Country Rosinen“ (500g-Packung, Mindesthaltbarkeitsdatum 06/2027) zurück. In Proben wurde ein erhöhter Gehalt an Ochratoxin A festgestellt, der den gesetzlich zulässigen Höchstwert überschritt. Das betroffene Produkt war unter anderem in Österreich und Italien im Handel erhältlich.
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Medizinische Experten warnen zudem vor unterschätzten Risiken bei der Entsorgung. Es wird geraten, nicht an verschimmelten Lebensmitteln zu riechen, da die eingeatmeten Sporen Allergien, Asthma oder schwerwiegende Lungenerkrankungen auslösen können.
Da Mykotoxine wie Aflatoxin oder Ochratoxin A weder durch den Geruch noch durch Geschmack oder Sichtbarkeit immer zweifelsfrei erkennbar sind, ist Vorsicht geboten. Fachleute empfehlen, verschimmelte Lebensmittel in geschlossenen Behältnissen zu entsorgen und die Lagerorte anschließend gründlich zu reinigen.
Ein weiterer Aspekt der Vorsorge ist die Bewegung von Vorräten: Die BfR-Studie ergab, dass lediglich 17 Prozent der Verbraucher Mehl oder Getreide regelmäßig aufschütteln, was als Maßnahme zur Vermeidung von Feuchtigkeitsnestern und Schimmelbildung gilt.
