Salz und Blutdruck: Drei Viertel des Natriums stecken in Fertigprodukten
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 15:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deGesundheitsbehörden und Mediziner heben zunehmend hervor, wie eng die tägliche Salzaufnahme, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Kontrolle des Blutdrucks miteinander verknüpft sind. Bluthochdruck gilt weltweit als einer der wesentlichen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei der Vorbeugung und Behandlung rücken neben medikamentösen Therapien vor allem Ernährungsgewohnheiten in den Mittelpunkt.
Versteckte Natriumquellen in verarbeiteten Lebensmitteln
Ein zentrales Problem bei der Regulierung des Salzkonsums stellt der hohe Anteil an verarbeiteten Lebensmitteln dar. In westlichen Ländern stammen rund drei Viertel des mit der Nahrung aufgenommenen Natriums bereits aus industriell gefertigten Produkten oder aus der Gastronomie.
Auch der Kardiologe Alexander Gorschkow wies darauf hin, dass Menschen ohne chronische Vorerkrankungen maximal fünf Gramm Salz pro Tag aufnehmen sollten – was etwa einem gestrichenen Teelöffel entspricht. Dabei müsse stets berücksichtigt werden, dass ein Großteil nicht beim Kochen zugesetzt wird, sondern bereits in Fertigerzeugnissen steckt. Zwar sei Salz für Nervensystem, Muskeln und Zellfunktionen unverzichtbar, eine Überschreitung dieses Richtwerts sei jedoch nicht ratsam.
Der Neurologe Alexei Mamatow betonte ebenfalls, dass übermäßiger Salzkonsum den Blutdruck steigern kann. Besonders viel Natrium sei in Wurst, Salami, Räucherwaren, Fertigsoßen, salzigen Snacks sowie Fast Food enthalten.
Als weiteren kardiovaskulären Risikofaktor nannte Mamatow einen Überschuss an gesättigten Fetten, die etwa in Speck, fettem Fleisch, Butter, Sahne und fettem Käse vorkommen und das LDL-Cholesterin erhöhen können. Diese sollten teilweise durch ungesättigte Fettsäuren aus Fisch, Nüssen, Samen, Avocados und Pflanzenölen ersetzt werden.
Internationale Diskrepanzen bei den Verzehrmengen
Weltweit überschreiten viele Bevölkerungen die Empfehlungen deutlich. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation liegt die empfohlene Obergrenze bei weniger als fünf Gramm Salz pro Tag, was rund zwei Gramm Natrium entspricht.
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In China liegt die offizielle Empfehlung für Erwachsene laut der nationalen Ernährungsleitlinie von 2022 ebenfalls bei höchstens fünf Gramm täglich. Das Stadtzentrum für Krankheitskontrolle Qingdao verwies jedoch darauf, dass der tatsächliche Konsum laut dem Bericht über Ernährung und chronische Krankheiten von 2020 bei durchschnittlich 9,3 Gramm lag.
Zur Orientierung bei verpackten Lebensmitteln gelten feste Produkte mit bis zu 120 Milligramm Natrium pro 100 Gramm als natriumarm, während Werte ab 800 Milligramm als natriumreich eingestuft werden.
Auch in Europa bleibt die Salzaufnahme erhöht. Laut Ergebnissen des Istituto superiore di sanità im Rahmen der italienischen Gesundheitsuntersuchung konsumieren Männer im Mittel 9,3 Gramm und Frauen 7,1 Gramm Salz täglich.
Das Institut betonte, dass eine gezielte Reduktion wesentlich sei, um Hypertonie, kardiovaskulären Leiden sowie Nierenerkrankungen vorzubeugen. In den USA raten Fachleute zu einer Begrenzung auf unter 2.300 Milligramm Natrium pro Tag; für eine optimale Blutdruckkontrolle werden rund 1.500 Milligramm empfohlen.
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Einfluss des Wasserhaushalts und Lebensstils
Neben der Natriumzufuhr spielt auch die Hydratation eine Rolle für das Gefäßsystem. Untersuchungen weisen darauf hin, dass Flüssigkeitsmangel den Blutdruck über hormonelle Regulationsmechanismen – wie das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System und Vasopressin – unabhängig von der Salzaufnahme beeinflussen kann.
Im Rahmen des kontrollierten Mars500-Protokolls stieg der systolische Blutdruck bei geringer Flüssigkeitsaufnahme und konzentriertem Urin im Schnitt um etwa 8 mmHg an.
Die US-amerikanischen National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine nennen Richtwerte von circa 2,7 Litern Gesamtwasser pro Tag für gesunde Frauen und etwa 3,7 Litern für Männer, inklusive Wasser aus Nahrungsmitteln. Eine gesteigerte Trinkmenge allein ist jedoch kein gesichertes Mittel zur Hypertonie-Behandlung; bei Erkrankungen wie Herzinsuffizienz kann im Einzelfall eine Flüssigkeitsbeschränkung geboten sein.
Klinische Leitlinien der kardiologischen Fachgesellschaften AHA und ACC zielen auf Blutdruckwerte unter 130/80 mm Hg ab, idealerweise unter 120/80 mm Hg. Neben Arzneimitteln wie ACE-Hemmern, Angiotensin-Rezeptor-Blockern, Kalziumkanalblockern oder Diuretika bilden Lebensstilmodifikationen die Basis: Neben der Verringerung von Salz und einer kaliumreichen Kost werden mindestens 30 Minuten tägliche Bewegung sowie ausreichender Schlaf angeraten.
