Psychische, Krise

Psychische Krise bei Mädchen: Hospitalisierungen um 41% gestiegen

24.06.2026 - 06:53:46 | boerse-global.de

Studie zeigt drastischen Anstieg psychischer Probleme bei jungen Frauen in Europa. Lebenszufriedenheit sinkt, Suizidversuche verdoppeln sich.

Psychische Krise bei Mädchen: Hospitalisierungen steigen um 41 Prozent
Psychische - Eine junge Frau sitzt nachdenklich an einem Fenster, symbolisiert psychische Belastung bei Mädchen und jungen Frauen. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleichzeitig sinkt ihre Lebenszufriedenheit drastisch.

Der aktuelle Schweizer Gesundheitsbericht „KidsHealthCH“ zeigt alarmierende Zahlen: Seit 2017 stiegen psychiatrische Hospitalisierungen bei Mädchen unter 26 Jahren um 41 Prozent. Bei Jungen im gleichen Alter betrug der Zuwachs dagegen nur 5,9 Prozent. Im Jahr 2024 waren neun von 1000 Mädchen in psychiatrischer Behandlung.

Depressive Symptome und Suizidversuche auf Rekordniveau

Anzeige: Die Zahl psychiatrischer Hospitalisierungen bei Mädchen ist seit 2017 um 41% gestiegen – und die Wartezeiten auf Therapieplätze betragen bis zu 1,5 Jahre. Dieser kostenlose Leitfaden hilft Ihnen, Frühwarnzeichen zu erkennen, Ihre Tochter zu entlasten und im Notfall richtig zu handeln. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern

Auch bei den depressiven Symptomen gibt es eine klare Aufwärtstendenz. Bei den 15- bis 24-Jährigen stiegen sie seit 2017 um rund 46 Prozent. Die allgemeine psychische Belastung legte sogar um 58,5 Prozent zu. Besonders besorgniserregend: Die Zahl der Suizidversuche in dieser Altersgruppe hat sich verdoppelt.

Die Leipziger Jugendstudie bestätigt diesen Trend für Deutschland. Die Langzeituntersuchung von 4800 Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren zeigt: Die allgemeine Lebenszufriedenheit sank von 3,9 auf 3,7 Punkte auf einer fünfstufigen Skala. Bei Mädchen fiel der Rückgang doppelt so stark aus wie bei Jungen. 2023 klaffte ein sogenannter „Gender Gap“ von fast 0,5 Punkten zwischen den Geschlechtern.

Leistungsdruck und digitale Medien als Belastungsfaktoren

Das Deutsche Schulbarometer 2025/2026 liefert weitere Einblicke in den Alltag der Betroffenen. Eine forsa-Umfrage unter 1507 Kindern und Jugendlichen ergab: 25 Prozent der Schüler gelten als psychisch auffällig – ein Anstieg gegenüber 21 Prozent im Vorjahr. Rund 61 Prozent fühlen sich überfordert, fast die Hälfte lernt regelmäßig am Wochenende.

Der „KidsHealthCH“-Bericht identifiziert digitale Medien als Risikofaktor. Die problematische Nutzung sozialer Medien bei den 11- bis 15-Jährigen stieg um 61,4 Prozent. Auch Cybermobbing nahm massiv zu (plus 70,6 Prozent) und Schulstress (plus 31,8 Prozent). Ein Drittel der 11- bis 17-Jährigen macht monatlich Mobbing-Erfahrungen.

Soziale Lage und Einsamkeit verschärfen die Krise

Neben geschlechtsspezifischen Unterschieden spielt die soziale Lage eine wesentliche Rolle. Eine Untersuchung der Universität Basel und der Helsana-Versicherung zeigt: Personen mit niedrigem Einkommen leiden deutlich häufiger unter Depressionen (9 Prozent) als Befragte aus wohlhabenden Verhältnissen (3 Prozent).

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) dokumentiert zudem eine hohe Einsamkeitsquote in der Generation Z. Rund 21 Prozent der 21- bis 30-Jährigen fühlen sich sehr einsam. Frauen berichten mit 36 Prozent häufiger von Einsamkeitsgefühlen als Männer (32 Prozent).

Versorgungssystem stößt an Grenzen

Anzeige: Die Lebenszufriedenheit von Mädchen sinkt doppelt so stark wie bei Jungen – und 61% der Schüler fühlen sich überfordert. Statt hilflos zuzusehen, können Sie mit unseren 5 Entlastungsstrategien und dem Notfallplan konkret helfen. Leitfaden für Eltern jetzt sichern

Trotz des steigenden Bedarfs steht das Versorgungssystem vor strukturellen Hürden. In Deutschland warnen Psychotherapeuten vor geplanten Gesetzesvorhaben. Ab 2027 droht die Wiedereinführung der Budgetierung für Psychotherapie. Die Wartezeiten auf Therapieplätze betragen bereits jetzt bis zu 1,5 Jahre. Zudem wurde zum 1. April 2026 eine Honorarkürzung von 4,5 Prozent wirksam.

Expertin Filomena Sabatella von der ZHAW betont: Mädchen berichten häufiger über Stress, Angst und Traurigkeit, während Jungen psychische Belastungen oft anders kanalisieren. Sie fordert eine geschlechtersensible Hilfe, um auf die spezifischen Bedürfnisse der Jugendlichen reagieren zu können.

Immerhin gibt es auch positive Entwicklungen: Der Konsum von Alkohol und Cannabis ist bei den 11- bis 15-Jährigen rückläufig. Zudem bewegen sich Jugendliche laut den aktuellen Monitoring-Ergebnissen wieder mehr.

de | wissenschaft | 69615595 |