Phishing mit KI: Erfolgsquote steigt auf 54 Prozent
24.06.2026 - 06:53:46 | boerse-global.de
Besonders das sogenannte Quishing – Betrug mit gefälschten QR-Codes – und KI-generierte Phishing-Kampagnen nehmen rasant zu. Die Erfolgsquote steigt dabei enorm.
KI macht Phishing zur Massenwaffe
Die Gesamtzahl der Phishing-Versuche ist zwar um rund 20 Prozent gesunken. Doch die Täter agieren deutlich zielgerichteter und erfolgreicher. Laut Daten des World Economic Forum nutzen bereits 86 Prozent aller Phishing-Angriffe künstliche Intelligenz.
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Die Technologie ermöglicht sprachlich fehlerfreie und hochgradig personalisierte Nachrichten. Spezielle Werkzeuge wie das „CodeStorm Phishing Kit“ umgehen sogar Multi-Faktor-Authentifizierungen (MFA).
Quishing: Der QR-Code als Einfallstor
Aktuelle Fälle zeigen die Gefahr. In Sankt Augustin wurde eine Frau Opfer eines Quishing-Betrugs: Sie scannte einen QR-Code auf einem Online-Verkaufsportal und gab ihre Bankdaten ein. Schaden: rund 1.500 Euro.
Im Landkreis Schaumburg erbeuteten Täter Mitte Juni rund 15.000 Euro. Nach einer gefälschten Bank-E-Mail führten sie 75 unberechtigte Transaktionen durch.
Alarmierende Erfolgsraten
Das Bundeskriminalamt verzeichnete für 2025 insgesamt 382.470 gemeldete Phishing-Fälle. Der Gesamtschaden für die deutsche Wirtschaft: 289 Milliarden Euro, so der Branchenverband Bitkom.
Besonders alarmierend: Klassische Phishing-Attacken haben eine Erfolgsrate von etwa 12 Prozent. Bei KI-gestützten Angriffen steigt diese auf 54 Prozent.
Unternehmen im Visier
Führungskräfte sind besonders betroffen. Berichten zufolge wurden 73 Prozent bereits Opfer von Phishing oder Business Email Compromise (BEC). Insgesamt lassen sich 84 Prozent aller erfolgreichen Cyberangriffe auf Unternehmen auf Phishing zurückführen.
Die Kommunikation findet zu über 95 Prozent über verschlüsselten Datenverkehr statt. Das erschwert die Erkennung durch herkömmliche Sicherheitssoftware.
Saisonale Angriffswellen
Analysten von Check Point Research beobachten derzeit eine massive Zunahme verdächtiger Aktivitäten rund um Rabattaktionen wie dem Amazon Prime Day. Allein im April und Mai 2026 registrierten sie über 2.700 verdächtige Domains, die Markennamen missbrauchen.
Oft nutzen Betrüger Endungen wie .help, .app oder .buzz, um gefälschte Portale zu tarnen.
Neue Zollregeln als Betrugsvorwand
Ab Juli 2026 greifen neue Zollregelungen für Sendungen aus Nicht-EU-Ländern. Eine pauschale Zollgebühr von 3 Euro pro Artikel ab dem ersten Euro Warenwert wird eingeführt.
Betrüger nutzen dies bereits jetzt als Vorwand für gefälschte SMS- und E-Mail-Benachrichtigungen. Sie fordern zu Zahlungen auf betrügerischen Webseiten auf.
Verbraucherrecht: Banken müssen zahlen
Trotz der technologischen Aufrüstung der Täter bleibt die rechtliche Lage für Verbraucher günstig. Gemäß § 675u BGB müssen Zahlungsdienstleister unautorisierte Zahlungen grundsätzlich erstatten.
Der Bundesgerichtshof bestätigte im Juli 2025: Banken haften, es sei denn, dem Kunden wird grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen. Bei einfacher Fahrlässigkeit ist die Haftung oft auf 50 Euro begrenzt.
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Schutzmaßnahmen für den Alltag
Experten raten dringend zur Nutzung von Passkeys und Zwei-Faktor-Authentifizierung. Auch der Verzicht auf Finanztransaktionen in öffentlichen WLAN-Netzen minimiert das Risiko einer Kontoübernahme.
Und eine einfache Regel: QR-Codes in unaufgeforderten Nachrichten niemals scannen.
