Psychische, Gesundheit

Psychische Gesundheit: 80% der Suizidopfer sind Männer

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 02:19 Uhr, Redaktion boerse-global.de

ÖGB startet mit Workshops zur Sensibilisierung für psychische Belastungen bei Männern, die 80% der Suizidopfer stellen. Produktivitätsdruck als Risikofaktor.

ÖGB-Offensive: Psychische Gesundheit von Männern am Arbeitsplatz
Psychische - Ein nachdenklicher Mann in einem modernen Büro blickt aus dem Fenster, der Stress in der Arbeitswelt symbolisiert. 10.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Besonders Männer gelten als Risikogruppe.

Der ÖGB startet mit seinem „Chancen Nutzen Büro“ gezielte Angebote in Betrieben. Kostenlose Workshops und Coachings sollen helfen, Warnsignale frühzeitig zu erkennen. Im Mittelpunkt steht die Zielgruppe der Männer – und das hat einen erschreckenden Grund: 2024 waren rund 80 Prozent der 1.219 Suizidopfer in Österreich männlich.

Produktivität auf Kosten der Gesundheit

Die Datenlage ist klar. Das Strukturwandelbarometer 2026, eine IFES-Befragung unter 1.500 Betriebsratsvorsitzenden im Auftrag von AK und ÖGB, zeigt: 73 Prozent sehen Produktivität als zentrales Thema. 54 Prozent berichten von gesteigerter Produktivität in den letzten drei Jahren.

Doch der Preis ist hoch. Die Steigerung geht mit Arbeitsverdichtung und mehr Druck einher. 61 Prozent nennen Prozessoptimierungen als Haupttreiber. Die Folge: schlechteres Arbeitsklima und stabile Krankenstände. ÖGB-Bundesgeschäftsführer Willi Mernyi kritisiert, dass Produktivitätszuwächse oft zulasten der Gesundheit gehen. Der Druck, auch krank zu arbeiten, sei in vielen Betrieben spürbar.

Sensibilisierung als Schlüssel

Die Gewerkschaft setzt auf Prävention. Die Maßnahmen zielen darauf ab, Führungskräfte und Kollegen für Warnsignale zu sensibilisieren. Denn psychische Erkrankungen zeigen sich bei Männern oft anders oder werden länger tabuisiert. Eine offene Gesprächskultur im Beruf ist das Kernziel.

Probleme beginnen in der Kindheit

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Die Wurzeln psychischer Erkrankungen liegen oft weit vor dem Berufsleben. Der Psychiater Georg Psota wies bei den Gesundheitsgesprächen in Alpbach darauf hin: Die Hälfte aller psychischen Erkrankungen sei bereits bis zum 14. Lebensjahr erkennbar. Rund 15 Prozent der 10- bis 18-Jährigen leiden unter behandlungspflichtigen Störungen wie Angstzuständen oder Depressionen.

Psota kritisiert die Unterversorgung: Österreich habe nur ein Achtel der Ressourcen für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Vergleich zu Deutschland.

Berufliche Teilhabe als Stabilitätsfaktor

Neben der medizinischen Versorgung ist der Job entscheidend für die psychische Stabilität. Der ÖGB begrüßt daher die Aufstockung der Mittel für den Ausgleichstaxfonds (ATF) vom 8. Juli 2026. Expertin Martina Lackner betont: „Berufliche Inklusion ist kein Luxus, sondern ein gesellschaftlicher Auftrag.“ Langfristig seien aber weitere Investitionen nötig.

Vorbehalte trotz Personalmangel

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Paradox: 63 Prozent der Betriebe haben Probleme bei der Stellenbesetzung. Dennoch zögern 35 Prozent bei der Einstellung von Langzeitarbeitslosen, 29 Prozent bei Menschen über 50.

AK und ÖGB fordern einen Kurswechsel: Weg vom reinen Leistungsdruck, hin zu einer gesunden Arbeitsorganisation. Nötig seien mehr Mitbestimmung, gezielte Qualifizierung und eine Personalpolitik, die Teilzeitkräfte und Menschen mit Betreuungspflichten einbezieht. Nur so lasse sich der Strukturwandel nachhaltig bewältigen.

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