Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: 620 Millionen Frauen betroffen, nur 9% in Therapie

27.05.2026 - 14:48:14 | boerse-global.de

Lancet-Studie: 620 Millionen Frauen leiden an psychischen Leiden. Depressionen und Angststörungen nehmen seit 2019 drastisch zu.

Psychische Erkrankungen: 620 Millionen Frauen betroffen, nur 9% in Therapie - Foto: über boerse-global.de
Psychische Erkrankungen: 620 Millionen Frauen betroffen, nur 9% in Therapie - Foto: über boerse-global.de

Das zeigt eine aktuelle Lancet-Studie mit Daten aus 204 Ländern. Die Zahl der Betroffenen übersteigt die der Männer (552 Millionen) deutlich.

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Depressionen und Angststörungen auf dem Vormarsch

Seit 2019 stiegen Depressionen global um 24 Prozent, Angststörungen sogar um 47 Prozent. Die Forscher machen Pandemie-Folgen, wachsende Armut und soziale Isolation dafür verantwortlich. Doch die Behandlungslücke klafft gewaltig: Nur neun Prozent der Menschen mit schwerer Depression erhalten weltweit eine minimal angemessene Therapie.

Deutschland bildet keine Ausnahme. In Wuppertal etwa sind von rund 100.000 Betroffenen nur 20.000 in Behandlung. Die Wartezeiten liegen zwischen sechs und neun Monaten. „Solche Verzögerungen können psychische Krisen massiv verschlimmern", warnen Fachleute. Die Therapeutin Helke Wieners bildet deshalb „Mentale Ersthelfer" aus, die Betroffene in der Wartezeit unterstützen.

Junge Frauen: Mehr Rauchen, mehr Süchte

Die Drogenaffinitätsstudie 2025 zeigt eine besorgniserregende Trendwende. Bei 12- bis 17-jährigen Mädchen stieg der Raucherinnen-Anteil auf 9,3 Prozent – ein Zuwachs von 2,9 Prozentpunkten seit 2021. Noch drastischer: Der Konsum von E-Zigaretten (Vapes) schnellte bei ihnen von 1,8 auf 7,8 Prozent hoch. Fast 19 Prozent der jungen Erwachsenen haben bereits Nikotinbeutel probiert.

Der Drogenbeauftragte Streeck spricht von einem „klaren Warnsignal" und fordert ein Verbot von Aromen, die gezielt Jugendliche ansprechen.

Auch die Depressionsrate bei 5- bis 24-Jährigen stieg zwischen 2018 und 2023 um 30 Prozent. Bei jedem fünften Heranwachsenden besteht der Verdacht auf eine Essstörung. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz: 28 Wochen.

Erschöpfung als Dauerzustand

Der Frauengesundheitsreport 2026 zeichnet ein düsteres Bild: 68 Prozent der Frauen funktionieren trotz massiver Erschöpfung im Alltag weiter. Für zwei Drittel gehört Müdigkeit bereits zum Normalzustand. Besonders betroffen: Frauen zwischen 30 und 44 Jahren.

Die Ursache liegt oft in der unbezahlten Care-Arbeit – Pflege, Erziehung und der ständige Mental Load. Viele Frauen schlafen sieben bis acht Stunden, wachen aber unerholt auf. Diese chronische Überlastung erhöht langfristig das Risiko für manifeste psychische Erkrankungen.

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Neue Ansätze in Prävention und Versorgung

Die Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens organisiert im Juni 2026 eine digitale Aktionswoche unter dem Titel „Frauen. Arbeit. Zukunft." – mit Konzepten zur Bewältigung des Mental Load. Im Kreis Lörrach entsteht die Selbsthilfegruppe „Sein und Lernen" für Frauen mit Depressionen und Hochsensibilität.

Eine KKH-Studie zeigt: 76 Prozent der Frauen sehen großes Potenzial in zyklusgerechtem Training (Cycle Syncing). 60 Prozent dokumentieren ihren Zyklus bereits aktiv.

Auf dem Deutschen Diabeteskongress im Mai 2026 lieferte eine Langzeitstudie mit über 330.000 Teilnehmenden wichtige Erkenntnisse: Ein ungesunder Lebensstil beeinflusst das Risiko für chronische Erkrankungen weitaus stärker als die genetische Veranlagung.

Systemische Hürden bleiben

Der Bundeskanzler kritisierte jüngst die hohen Krankenstände von 14,5 Tagen pro Person im Jahr 2025. Hausärzte weisen den Vorwurf von Gefälligkeitskrankschreibungen zurück – der reale Anstieg psychischer Diagnosen sei unübersehbar.

Dass nur etwa jeder elfte Mensch mit schwerer Depression weltweit eine adäquate Therapie erhält, zeigt: Strukturelle Reformen sind überfällig. Verbände fordern eine Abkehr von starren Bedarfsplanungen hin zu flexibleren, am tatsächlichen Bedarf orientierten Lösungen.

Ausblick: Fachdialoge und neue Formate

Die kommenden Monate sind dicht an Fachveranstaltungen. Am 27. Mai 2026 diskutieren Experten bei den Hochstadter Gesprächen über Suchtbehandlung für die queere Gemeinschaft und Chemsex-Prävention. Anfang Juni folgt das 172. Bad Nauheimer Gespräch zu stoffgebundenen und nicht-stoffgebundenen Süchten wie Internet- und Social-Media-Abhängigkeit.

Ein Online-Seminar des Vereins „Dialog - Individuelle Suchthilfe" vertieft im Spätherbst 2026 das Thema „Mentale Gesundheit und Sucht bei Frauen". Lokale Aufklärungsprogramme – etwa zu K.O.-Tropfen und posttraumatischen Belastungsstörungen in Stockelsdorf – zeigen den wachsenden Bedarf an niederschwelligen Angeboten.

Ob die Versorgungslücke für Frauen in den nächsten Jahren schrumpft, entscheidet sich an der Kombination aus Forschung, politischem Willen und lokalen Hilfsangeboten.

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