Psychische, Belastung

Psychische Belastung: Frauen fehlen 50% häufiger als Männer

28.05.2026 - 19:48:39 | boerse-global.de

Neue Daten belegen massive Unterschiede bei Diagnosen und Fehlzeiten. Besonders junge Frauen sind von psychischen Belastungen betroffen.

Psychische Belastung: Frauen fehlen 50% häufiger als Männer - Foto: über boerse-global.de
Psychische Belastung: Frauen fehlen 50% häufiger als Männer - Foto: über boerse-global.de

Das rächt sich jetzt. Aktuelle Daten zeigen massive Unterschiede bei Diagnosen, Fehlzeiten und Therapien – besonders bei psychischen Erkrankungen.

Frauen fehlen doppelt so oft wegen Psyche

Der Gesundheitsreport 2025 des BKK Dachverbands belegt eine eklatante Kluft: Auf 100 Beschäftigte kommen bei Frauen 475 Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen – bei Männern sind es nur 312. Das ist ein Plus von rund 50 Prozent.

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Männer hingegen fehlen häufiger wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen. Und noch etwas fällt auf: Bei vergleichbaren Symptomen erhalten Frauen öfter eine psychische Diagnose als Männer.

Der Druck auf Frauen ist enorm. Eine GDI-Studie zur Wellness-Ökonomie von 2024 zeigt: 30 Prozent der Befragten leiden unter dauerhaftem Zeitstress. Der globale Wellness-Markt wird auf 6,8 Billionen Dollar geschätzt – trotzdem treibt Frauen vor allem der Druck in den Bereichen Aussehen, Leistung und Ernährung um. Mehr als die Hälfte empfindet den gesellschaftlichen Gesamtdruck als zu hoch.

Junge Frauen besonders betroffen

Besonders alarmierend: Nur 42 Prozent der unter 35-Jährigen fühlen sich psychisch gesund. Das ergab eine Umfrage des Austrian Health Forum vom Mai 2026. Zwei Drittel dieser Altersgruppe fühlen sich psychisch belastet – Einsamkeit ist für mehr als die Hälfte ein prägendes Gefühl.

Noch dramatischer ist die Lage bei wohnungslosen Frauen. Eine Langzeitstudie der ÖGPP über 20 Jahre belegt ein bis zu achtfach erhöhtes Suizidrisiko. Wohnungslosigkeit gilt als eigenständiger Risikofaktor. 2024 waren in Österreich über 21.000 Menschen wohnungslos – der Frauenanteil lag bei 31 Prozent.

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Versorgung wird schlechter – nicht besser

Die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem bröckelt. In Oberösterreich zeigten sich 2025 nur noch 34 Prozent der Arbeitnehmerinnen zufrieden – ein Minus von 14 Prozentpunkten gegenüber 2023.

Der „Mental Load“ ist ein zentraler Belastungsfaktor: 56 Prozent der Frauen fühlen sich durch die Organisation von Alltag und Familie belastet. Psychische Erkrankungen sind mit 22,3 Prozent die häufigste Ursache für Langzeitkrankenstände über 40 Tage bei Frauen.

Gleichzeitig wird der Zugang zur Versorgung schwieriger. Im Januar 2026 waren in Oberösterreich 12 von 65 gynäkologischen Kassenstellen unbesetzt. Fast ein Drittel der Frauen fand keinen Termin bei einem Kassenarzt.

Reformdruck wächst

Kim Haas vom Referat für Gender-Mainstreaming der Österreichischen Ärztekammer kritisiert: Frauen vernachlässigen ihre eigene Gesundheit oft aus Fürsorge für andere – das verzögert Diagnosen.

Die Medizin muss umdenken. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK zeigt: 87 Prozent der Ärzte fordern mehr geschlechtsspezifische Leitlinien. Ein Drittel der Mediziner gab an, im Studium keine Inhalte zur Gendermedizin erhalten zu haben.

Bundespolitische Akteure verlangen daher, geschlechtsspezifische Unterschiede bei Medikamententests und in der Forschung stärker zu berücksichtigen.

KI als Hoffnungsträger

Eine für Oktober 2026 in Essen geplante Summer School widmet sich gezielt dem Einfluss des Geschlechts auf psychische Erkrankungen. Forscher wollen untersuchen, wie Künstliche Intelligenz zu einer geschlechtersensiblen Psychiatrie beitragen kann. Ziel: bestehende Wissenslücken in der Therapie schließen.

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