Proteinbedarf, Eiweiß

Proteinbedarf ab 65: So viel Eiweiß empfehlen Fachleute pro Kilogramm

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 01:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ältere Menschen und chronisch Erkrankte benötigen gezielte Nährstoffkontrollen, während Nahrungsergänzungsmittel oft unnötig sind.

Mangelernährung und Supplemente: Worauf es bei Nährstoffen ankommt
Verschiedene Hülsenfrüchte wie Linsen und Kichererbsen in Keramikschalen auf einem Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Fachpublikationen und Expertenberichte rücken gezielte Strategien zur Vermeidung von Mangelernährung sowie den Einfluss alltäglicher Verhaltensweisen auf die langfristige Gesundheit in den Fokus.

Ob im Rahmen des Alterungsprozesses, bei chronischen Vorerkrankungen oder durch den Trend zu unbedachten Nahrungsergänzungen: Die Anforderungen an eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung unterscheiden sich je nach Lebensphase und individuellem Gesundheitsstatus erheblich.

Herausforderungen und Eiweißbedarf im Alter

Ein Schwerpunkt der aktuellen fachlichen Debatte liegt auf der vulnerablen Gruppe älterer Menschen. Anlässlich des Tags der Seniorenernährung und des Bayerischen Präventionstags thematisiert das Kompetenzzentrum für Ernährung KErn das Problem der Unter- und Fehlversorgung am 12. Oktober 2026 im Rahmen eines kostenfreien Online-Seminars.

Unter dem Titel „Ernährung im Alter – gemeinsam gegen Mangelernährung“ richtet sich die Veranstaltung an Fachkräfte aus Pflege, Beratung, Ernährungsbildung und Seniorenarbeit.

Fachreferenten wie Dr. Linda Weber vom Universitätsklinikum Erlangen und Prof. Dr. Johannes Erdmann von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf behandeln dabei Früherkennungsmaßnahmen sowie die Besonderheiten des Proteinstoffwechsels im höheren Lebensalter.

Der Proteinbedarf verändert sich über die Lebensspanne hinweg deutlich. Ernährungsberaterin Anna Dandekar erläuterte im Gespräch mit dem SWR, dass gesunde Erwachsene im Schnitt rund 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht benötigen. Für Personen ab 65 Jahren sowie für Sportler steigt dieser Richtwert jedoch auf etwa 1 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm.

Da der menschliche Körper Proteine im Gegensatz zu Fett oder Kohlenhydraten nicht speichern kann, ist eine kontinuierliche Zufuhr erforderlich. Eine zusätzliche Zufuhr über spezielle Produkte sei primär bei konsumierenden Erkrankungen oder gravierenden Essproblemen angezeigt.

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Natürliche Quellen wie Hülsenfrüchte seien in der Regel kostengünstiger und gesünder als industriell verarbeitete High-Protein-Lebensmittel, während eine übermäßige Proteinzufuhr bei bestehenden Nierenschäden risikobehaftet sein kann.

Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln im Alltag

Während Mangelernährung gezieltes Handeln verlangt, warnen Verbraucherzentralen vor dem unkritischen Einsatz frei verkäuflicher Präparate. Rund ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland greift regelmäßig zu Nahrungsergänzungsmitteln.

Rechtlich gelten diese Produkte jedoch als Lebensmittel und durchlaufen kein behördliches Zulassungsverfahren bezüglich ihrer Sicherheit oder Wirksamkeit; beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erfolgt lediglich eine formale Vollständigkeitsprüfung.

Für die Mehrheit gesunder Personen sind Supplemente überflüssig. Als medizinisch begründete Ausnahmen gelten etwa Folsäure bei Kinderwunsch oder Schwangerschaft sowie Vitamin B12 bei einer rein veganen Ernährung.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) formuliert Höchstmengenempfehlungen pro Tagesdosis für Personen ab 15 Jahren, darunter 250 µg Vitamin C, 20 µg Vitamin D, 30 mg Vitamin E, 0,9 mg Vitamin B6 und 250 mg Magnesium, wobei Letzteres auf mindestens zwei Portionen verteilt werden sollte.

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Besonders kritisch stuft die Verbraucherzentrale Niedersachsen Präparate für Kinder ein, für die bei ausgewogener Kost kein Bedarf besteht. In fast allen untersuchten Produkten für Kinder wurde Vitamin A nachgewiesen, obwohl das BfR hierfür keinen Zusatz empfiehlt; eine überdosierung kann zu Leberschäden oder Störungen des Knochenwachstums führen. Verbindliche gesetzliche Grenzwerte fehlen bislang, weshalb Verbraucherschützer verbindliche Höchstmengenregelungen fordern.

Mikronährstoffe bei chronischen Krankheiten

Bei Vorliegen spezifischer chronischer Leiden wird die gezielte Überwachung von Nährstoffdefiziten hingegen ausdrücklich gefordert. Die S3-Leitlinie zu Colitis ulcerosa adressiert auch Hausärzte und empfiehlt, Betroffene systematisch auf Mikronährstoffmängel wie Eisen, Vitamin D, Folsäure, Zink, Selen und Vitamin B12 zu untersuchen.

Hämoglobin- und Eisenparameter sollten alle drei bis zwölf Monate labormedizinisch überprüft werden; bei einem Mangel wird eine bevorzugt intravenöse Eisensubstitution angeraten.

Gleichzeitig verweist die Leitlinie darauf, dass Begleitmaßnahmen und Screening-Prozesse, etwa mikrobiologische Stuhldiagnostiken und Infektionstests vor Beginn immunsuppressiver Therapien, eine zentrale Rolle bei der Vermeidung von Komplikationen spielen. Eine präventive Wirkung wird zudem dem Stillen zugeschrieben, das für einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten empfohlen wird.

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