Präsentismus am Arbeitsplatz: 95% arbeiten trotz Krankheit
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 02:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de
95,2 Prozent der Beschäftigten haben bereits krank gearbeitet. Und das hat handfeste Folgen für die Produktivität.
Die psychische Verfassung der Mitarbeiter rückt immer stärker in den Fokus der Unternehmensführung. Studien aus dem Jahr 2026 zeigen: Mentale Gesundheit wirkt sich direkt auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Innovationskraft aus. Fachleute sehen in der Gestaltung der Arbeitsbedingungen das entscheidende Instrument gegen steigende Fehlzeiten.
Präsentismus: Die stille Krise
Das größte Hindernis für eine effektive Genesung? Das Phänomen des Präsentismus. Eine Civey-Umfrage unter 2.000 Erwerbstätigen im Juni 2026 zeigt: 72 Prozent haben das Gefühl, sich für eine Krankmeldung rechtfertigen zu müssen. 74,4 Prozent erlebten bereits negative Reaktionen von Vorgesetzten.
Arbeitsrechtler betonen: Eine Krankmeldung ist ein legitimer Vorgang. Arbeitgeber haben kein Recht auf die Diagnose. Dennoch befürchten 64,7 Prozent der Befragten berufliche Nachteile durch Fehlzeiten. Kein Wunder – psychische Störungen sind inzwischen die Hauptursache für Langzeitkrankschreibungen.
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Die innere Uhr tickt anders
Nur 20 Prozent der Menschen sind „Lerchen“ mit frühem Leistungsmaximum, erklärt Chronobiologe Till Roenneberg. Starre Arbeitszeiten führen bei den meisten zu „Social Jetlag“ – mit Folgen: Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mentale Probleme.
Die Lösung? Unternehmen experimentieren mit neuen Modellen. Ein italienischer Klimatechnik-Hersteller führte die 34-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ein – 85 Prozent Zustimmung. Great Place To Work Österreich fordert zudem: Die Personalabteilung muss strategisch in der Geschäftsführung verankert werden.
KI am Arbeitsplatz: Fluch oder Segen?
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Personalmanagement steht auf dem Prüfstand. Im Juli 2026 reichten ehemalige Beschäftigte eines US-Tech-Konzerns Klage ein. Der Vorwurf: KI-Systeme hätten bei Entlassungen kranke Mitarbeiter diskriminiert.
Die Hälfte der Führungskräfte hält das operative Geschäft für KI-tauglich, so eine Kienbaum-Studie. Doch 80 Prozent sind laut Deloitte überzeugt: Empathie, Kreativität und ethisches Urteilsvermögen sind nicht auf Maschinen übertragbar. Forscher der RWTH Aachen ergänzen: KI kann Sinnstiftung, Motivation und Gesundheitsschutz nicht ersetzen.
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Prävention wird messbar
Digitale Gesundheitschecks gewinnen an Bedeutung. Versicherer bieten Medizinprodukte an, die Risiken in Bereichen wie mentaler Gesundheit analysieren. Auch „Leisure Sickness“ – das Erkranken zu Urlaubsbeginn – rückt in den Fokus. Eine IU-Umfrage aus 2025 ergab: 72 Prozent kennen das Phänomen, ausgelöst durch den plötzlichen Abfall des Stresshormons Cortisol.
Der DAK-Gesundheitsreport 2026 für Bremen zeigt die Dringlichkeit: 49 Prozent der über 50-Jährigen planen einen vorzeitigen Ruhestand. Bei schlechtem Gesundheitszustand steigt der Wort auf 55 Prozent. Wertschätzung und gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen gelten als Schlüssel, um ältere Arbeitnehmer länger zu halten. Unternehmen nutzen dafür zunehmend Daten aus betrieblichen Krankenversicherungen – als prüfungsrelevante Kennzahl im Rahmen der CSRD-Sozialberichte.
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