Pflanzenmilch, Brot

Pflanzenmilch und Brot: Jod-Anreicherung könnte Mangelquote auf 37 Prozent senken

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 03:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Modellrechnungen zeigen geringere Jod-, Kalzium- und Vitaminzufuhr; Forschende verlangen eine gesetzliche Anreicherung pflanzlicher Milch und Brot.
Eine Nahaufnahme von rohen Mandeln, Haferflocken und Meersalz auf einem Holztisch, die auf die Zutaten pflanzlicher Alternativen verweist. Illustration mit AI erstellt.

Pflanzliche Alternativen zu Kuhmilch und Milchprodukten erfreuen sich wachsender Beliebtheit, bergen jedoch ernährungsphysiologische Risiken. Eine wissenschaftliche Untersuchung der University of Surrey und der Queen's University Belfast, die in der Fachzeitschrift Lancet Planetary Health erschien, legt nahe, dass der Ersatz herkömmlicher Milch-, Joghurt- und Käseprodukte durch pflanzliche Varianten die Aufnahme wesentlicher Mikronährstoffe verringern kann.

Demnach führt ein Verzicht auf tierische Molkereiprodukte ohne gezielte Nährstoffergänzung zu einer spürbar geringeren Zufuhr von Jod, Kalzium, Riboflavin und Vitamin B12. Von diesen Versorgungslücken sind laut der Forschungsarbeit vor allem Jugendliche sowie Frauen im gebärfähigen Alter betroffen. An der Studie war zudem das UCC Cork Centre for Vitamin D beteiligt.

Große Lücken bei der industriellen Nährstoffanreicherung

Die Untersuchung stützt sich auf Ernährungserhebungen von über 3.500 Personen im Vereinigten Königreich im Rahmen des National Diet and Nutrition Survey im Alter von 18 Monaten bis 100 Jahren. Dafür wurden Ernährungsdaten aus den Jahren 2016 bis 2019 mit Nährwertdaten pflanzlicher Ersatzprodukte aus dem Jahr 2020 kombiniert.

Im Rahmen der Erhebung analysierten die Wissenschaftler 146 pflanzliche Milch-, 76 Joghurt- und 67 Käseprodukte hinsichtlich ihrer Zusammensetzung. Dabei zeigte sich ein uneinheitliches Bild bei der Fortifizierung: Lediglich 12 Prozent der untersuchten Ersatzprodukte waren mit Jod angereichert.

Kalzium war in 61 Prozent der Produkte zugesetzt, während 46 Prozent Vitamin B12 und 19 Prozent Riboflavin enthielten. Jod ist für die Produktion von Schilddrüsenhormonen und die allgemeine Stoffwechselregulation unerlässlich.

Prof. Mairead Kiely wies darauf hin, dass Mikronährstoffe wie Jod und Kalzium in der üblichen Ernährung von Personen, die Milchprodukte meiden, ohnehin oft knapp bemessen seien.

Anzeige

Wer sich mit dem Thema Nährstoffversorgung befasst, sollte die Bedeutung seiner Blutwerte kennen. Dieser kostenlose Report erklärt, welche Werte wirklich wichtig sind – und welche oft überbewertet werden. Was verraten Ihre Blutwerte wirklich? Jetzt Gratis-PDF sichern

Deutlich erhöhte Unterversorgungsraten bei Jugendlichen und Frauen

Die Modellierungen der Forscher verdeutlichen, dass bereits eine moderate Umstellung messbare Effekte auf die Nährstoffaufnahme hat. Der Ersatz von 20 bis 35 Prozent der herkömmlichen Milchprodukte ließ den Anteil unzureichender Jodaufnahme bei Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren von 54 Prozent auf 65 Prozent steigen.

Bei Frauen im Alter von 19 bis 49 Jahren erhöhte sich dieser Wert von 32 Prozent auf 42 Prozent. Bereits der Austausch eines Drittels der Milchprodukte senkte die durchschnittliche Jodaufnahme um 9 bis 21 Prozent, während der Ersatz der Hälfte zu einem Rückgang von 13 bis 28 Prozent führte.

Bei einem vollständigen Austausch tierischer Produkte verschärfen sich diese Defizite nach den Berechnungen drastisch. Die Rate einer unzureichenden Jodversorgung stieg im Modellszenario auf 80 Prozent bei jugendlichen Mädchen und auf 72 Prozent bei Jungen derselben Altersgruppe.

Bei Kalzium stieg die Unterversorgung bei den 14- bis 18-jährigen Jungen von 30 Prozent auf 47 Prozent und bei den Mädchen von 54 Prozent auf 70 Prozent. Auch bei Riboflavin zeigten sich deutliche Effekte: In der Altersgruppe zwischen 19 und 49 Jahren stieg der Anteil mangelhaft versorgter Männer von 14 Prozent auf 26 Prozent, während er bei Frauen von 29 Prozent auf 50 Prozent kletterte.

Anzeige

Um einen potenziellen Vitalstoffmangel frühzeitig zu erkennen, ist ein fundiertes Verständnis der eigenen Laborergebnisse entscheidend. Vitalstoffexperte Dr. Fricke gibt in seinem kostenlosen 25-Seiten-Report praxisnahe Tipps zum Verständnis wichtiger Blutwerte. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck hier herunterladen

Modellrechnungen und Forderung nach gesetzlicher Fortifizierung

Angesichts dieser Ergebnisse forderten Forscher am 4. November 2026 eine gesetzliche Pflichtanreicherung von Pflanzenmilch und Brot mit Jod. Dr. Katie Nicol von der University of Surrey betonte, dass eine Anreicherung pflanzlicher Produkte, insbesondere mit Jod, notwendig sei, und wandte sich mit dieser Forderung an die Politik.

Dass solche Maßnahmen wirksam sein könnten, belegen die Berechnungen der Forscher: Eine verpflichtende Fortifizierung pflanzlicher Milchalternativen würde den Anteil mangelversorgter Teenager-Mädchen beim Jod auf 59 Prozent senken. Würde zusätzlich auch Brot jodiert, fiele diese Unterversorgungsquote auf 37 Prozent.

Als Einschränkung gaben die Wissenschaftler an, dass es sich bei den Ergebnissen um Modellrechnungen und nicht um eine klinische Interventionsstudie handelt. Zudem seien die Daten aus dem Vereinigten Königreich nicht ohne Weiteres direkt auf andere Länder wie beispielsweise Spanien übertragbar.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70460527 |