Osteoporose: Krafttraining senkt Frakturrisiko um 48 Prozent
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 10:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Beiträge thematisieren einen signifikanten Wandel in der Behandlung von Osteoporose. Während früher bei einer diagnostizierten Verminderung der Knochendichte oft körperliche Schonung angeraten wurde, rücken aktuelle Therapieansätze das gezielte Krafttraining in den Fokus. Die medizinische Empfehlung zielt heute verstärkt auf eine nachhaltige Stärkung des Skelettsystems durch mechanische Belastung ab.
Verbreitung und gesundheitliche Risiken der Osteoporose
Die Relevanz neuer Therapiestrategien wird durch aktuelle Bevölkerungszahlen unterstrichen. In der Schweiz sind Schätzungen zufolge rund 520.000 Personen von Osteoporose betroffen, während die Zahl in Deutschland bei etwa 2,1 Millionen Betroffenen liegt.
Das Risiko für Knochenbrüche steigt ab dem 50. Lebensjahr deutlich an. Statistisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Fraktur in dieser Altersgruppe bei Männern bei 20 Prozent, während sie bei Frauen mit 51 Prozent mehr als doppelt so hoch ausfällt.
Historische Daten verdeutlichen zudem die ökonomische Belastung. Im Jahr 2010 wurden beispielsweise in Tschechien Frakturen bei 2,1 Prozent der Frauen (43.700 Fälle bei 2,09 Millionen Frauen) und 1,6 Prozent der Männer (28.500 Fälle bei 1,71 Millionen Männern) über 50 Jahren verzeichnet. Die damit verbundenen Kosten beliefen sich auf 1,4 Milliarden Tschechische Kronen.
Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit von Belastung
Die Wirksamkeit von körperlicher Aktivität bei involutivem Knochenverlust wird durch verschiedene Untersuchungen gestützt. Eine Studie von Belinda Beck aus dem Jahr 2018 zeigte auf, dass bereits vier spezifische Übungen, die zweimal pro Woche durchgeführt werden, die Knochenmasse der Lendenwirbelsäule innerhalb von acht Monaten um fast 3 Prozent steigern konnten.
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Ergänzend hierzu lieferte die sogenannte Do-Health-Studie, an der mehr als 2.000 Erwachsene im Alter von über 70 Jahren teilnahmen, Belege für die präventive Wirkung. Demnach senkt regelmäßiges Krafttraining das Risiko für Wirbelsäulenfrakturen um 48 Prozent. Experten raten heute zu einer Frequenz von zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche mit progressiver Überlastung, um dem Muskel- und Knochenverlust entgegenzuwirken.
Physiologische Zusammenhänge und hormonelle Einflüsse
Besonders in der Menopause beschleunigt der einsetzende Östrogenmangel den Abbau von Muskelmasse (Sarkopenie). Dieser Prozess beeinträchtigt die Satellitenzellen sowie den IGF-1/PI3K/Akt/mTOR-Signalweg und hebt die Suppression des FoxO-Proteins auf. Krafttraining gilt hierbei als die am besten belegte Gegenmaßnahme.
Zusätzlich zur mechanischen Belastung spielt die Ernährung eine entscheidende Rolle. Eine entzündungshemmende Diät und eine ausreichende Proteinzufuhr unterstützen den Muskelaufbau. Es gibt zudem Evidenz, dass Kreatin die Muskelregeneration bei älteren Frauen fördern kann.
In der Praxis kombinieren Betroffene das Krafttraining teils mit täglichen Impact-Übungen wie Springen oder dem sogenannten Fersenfallen, um die Knochenqualität weiter zu verbessern.
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Supplementierung und medikamentöse Therapieoptionen
Begleitend zur physischen Aktivität ist eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen essenziell. Ein Vitamin-D-Mangel ist weit verbreitet; die Prävalenz liegt zwischen 27 und 61 Prozent, wobei ein schwerer Mangel in 5 bis 31 Prozent der Fälle auftritt.
Fachleute empfehlen eine tägliche Zufuhr von 800 IU (20 ?g) Vitamin D. Weitere relevante Supplemente umfassen Omega-3-Fettsäuren, Vitamin K, Magnesium und Calcium.
Im Bereich der medikamentösen Behandlung senkt eine antiresorptive Therapie das Risiko für nicht-vertebrale Frakturen um etwa 20 Prozent. Mit dem Wirkstoff Teriparatid lässt sich das Risiko um mehr als 50 Prozent reduzieren. Ein Problem in der klinischen Praxis bleibt jedoch die Therapietreue: Mehr als zwei Drittel der Patienten beenden die medikamentöse Behandlung innerhalb von zwei Jahren.
Bei der sekundären Osteoporose steht zudem die Behandlung der jeweiligen Grundursache an erster Stelle. Zur Messung der Knochenqualität kommen neben der klassischen Densitometrie auch moderne Verfahren wie der REMS-Ultraschall zum Einsatz.
