Osteoporose: Gezielte Bewegung kann das Frakturrisiko um bis zu 50 Prozent senken
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 15:49 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie International Osteoporosis Foundation (IOF) rückt mit ihrem weltweiten Aktionstag das lebenslange Erhalten der Knochengesundheit in den Mittelpunkt. Unter dem Leitgedanken, Knochen ein Leben lang aufzubauen, zu schützen und zu stärken, verweist die Organisation auf die Notwendigkeit frühzeitiger Prävention.
Eine erste sogenannte Fragilitätsfraktur gilt dabei als wesentliches Warnsignal für Folgebewebsbrüche. Der Aktionstag geht auf eine Initiative der britischen National Osteoporosis Society mit Unterstützung der EU-Kommission vom 20. Oktober 1996 zurück und wird seit 1997 von der IOF fortgeführt.
Grundlagen und Risikofaktoren des Knochenabbaus
Der Aufbau der Knochensubstanz vollzieht sich vor allem in jungen Jahren. Medizinern der Sana Kliniken Niederlausitz zufolge erreicht der Körper seinen Knochenaufbau bis etwa zum 30. Lebensjahr, worauf ein kontinuierlicher Abbau folgt.
Nach Angaben der Portugiesischen Osteoporose-Vereinigung (APO) ist eine um 10 Prozent höhere maximale Knochenmasse in der Jugend mit einem um rund 50 Prozent verringerten Frakturrisiko im weiteren Lebensverlauf assoziiert.
Für Jugendliche zwischen 9 und 18 Jahren empfiehlt die IOF eine tägliche Zufuhr von 1.300 Milligramm Kalzium, obgleich über 80 Prozent der Heranwachsenden empfohlene Aktivitätsniveaus verfehlen.
Die Erkrankung verläuft über lange Phasen ohne Symptome und Schmerzen. Fachleute wie Dr. Malik Imran und Dr. Naeem Khan bezeichnen die Osteoporose daher als stille Erkrankung, die oft erst durch einen Bruch offenkundig wird.
Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen neben den Wechseljahren und Untergewicht auch unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen, hoher Alkoholkonsum sowie die Einnahme von Kortison, wie Dr. Katja Warnecke vom Immanuel Krankenhaus Berlin hervorhebt.
Laut Daten der spanischen OsteoSER-Studie liegt die Prävalenz bei über 50-Jährigen für Osteopenie bei 54,4 Prozent und für Osteoporose bei 10,7 Prozent, wobei Frauen mit 18,6 Prozent deutlich häufiger betroffen sind als Männer mit 2,6 Prozent.
Verbreitung und Behandlungsstrategien
Weltweit sind nach Schätzungen des Rehafachzentrums Bad Füssing-Passau rund 500 Millionen Menschen von Osteoporose betroffen. In Deutschland leiden rund 6 Millionen Menschen an der Erkrankung. Gemäß der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) treten in Europa jährlich rund 400.000 Wirbelbrüche auf; bei den über 80-Jährigen ist mehr als jeder Zweite betroffen.
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Eine Abklärung empfiehlt die Fachgesellschaft ab einem Alter von 70 Jahren und verweist auf die S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie osteoporotischer thorakolumbaler Wirbelfrakturen vom 15. April 2025. Auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU), der vom 20. bis 23. Oktober 2026 in Berlin stattfindet, betont die Gesellschaft, dass nicht jede Wirbelfraktur operiert werden muss.
Bei manifester Schädigung kommen spezialisierte Verfahren zum Einsatz, darunter im Klinikum Senftenberg die Stabilisierung mittels speziellem Knochenzement. Gesetzliche Rahmenbedingungen wie das Disease-Management-Programm (DMP) nach Paragraph 137f SGB V bündeln Kontrolluntersuchungen, Schulungen und medikamentöse Therapien.
Claudia Ackermann von der vdek-Landesvertretung Hessen betont diesbezüglich, dass jeder verhinderte Knochenbruch mehr Lebensqualität und Selbstständigkeit bedeute.
Empfehlungen für Vorbeugung und Alltag
Zur wirksamen Vorsorge raten internationale Fachgesellschaften zu einer kombinierten Strategie aus Ernährung und gezielter Bewegung. Nach WHO-Standard beträgt der tägliche Kalziumbedarf für Erwachsene rund 1.000 Milligramm.
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Neben Bisphosphonaten oder osteoanabolen Therapien spielt das körperliche Training eine zentrale Rolle: Laut Dr. Blanca Mur vom Hospital Ramón y Cajal in Madrid senkt gezielte Aktivität das Frakturrisiko um 40 bis 50 Prozent, während reine Kalzium- und Vitamin-D-Präparate ohne spezifische Medikamente Frakturen nicht verhindern. Experten raten neben Krafttraining und Sturzprävention auch zum Verzicht auf phosphathaltige Cola-Getränke und Nikotin.
