OpenAI vor Gericht: New York Times wirft KI-Konzern Beweisvernichtung vor
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 19:26 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der Medienkonzern New York Times und weitere Verlage werfen OpenAI vor, Beweise in einem Urheberrechtsstreit systematisch vernichtet zu haben. Die Vorwürfe wiegen schwer.
New York – Ein juristischer Paukenschlag erschüttert die KI-Branche. Die New York Times und eine Koalition mehrerer Medienhäuser haben am heutigen Donnerstag vor einem Bundesgericht in Manhattan einen Antrag auf Sanktionen gegen OpenAI eingereicht. Die Verlage beschuldigen den ChatGPT-Entwickler, Beweise im laufenden Urheberrechtsstreit um das Training seiner KI-Modelle absichtlich versteckt und vernichtet zu haben.
Der Vorwurf: Beweise gelöscht und verschleiert
Der 52 Seiten umfassende Antrag, eingereicht beim US-Bezirksgericht für den südlichen Bezirk von New York, wirft OpenAI vor, seine technische Fähigkeit, Trainingsdatensätze und Ausgabeprotokolle zu durchsuchen, über mehr als zwei Jahre hinweg verschwiegen zu haben. Zu den klagenden Medienhäusern gehören neben der New York Times auch die Daily News, das Center for Investigative Reporting, The Intercept, Ziff Davis und die South Florida Sun Sentinel.
Die Verlage behaupten, OpenAI habe gegen gerichtliche Aufbewahrungsanordnungen verstoßen, indem es Protokolle löschte, die gezeigt hätten, wie urheberrechtlich geschützte Nachrichtenartikel zum Training seiner Modelle verwendet wurden. Sie fordern das Gericht auf, drastische Sanktionen zu verhängen, einschließlich der Übernahme der Anwaltskosten.
Widersprüchliche Aussagen in Zeugenaussage
Ein zentraler Punkt der Klage ist eine Zeugenaussage vom Februar mit dem OpenAI-Mitarbeiter Vinnie Monaco. Laut den Klägern widersprachen die während dieser Aussage offenbarten Informationen den früheren Behauptungen des Unternehmens über seine Fähigkeiten zur Datensuche. Während OpenAI stets betont hat, dass die Nutzung von urheberrechtlich geschütztem Material unter die Fair-Use-Doktrin fällt, argumentieren die Verlage, dass das jüngste Verhalten des Unternehmens die Integrität des gesamten Verfahrens gefährde.
Die finanziellen Belastungen des Rechtsstreits sind enorm. Allein die New York Times hat nach eigenen Angaben mehr als 28 Millionen Euro für Prozesskosten im Zusammenhang mit KI-Verfahren ausgegeben.
Angesichts der juristischen Auseinandersetzungen um das Training von Sprachmodellen müssen Unternehmen ihre eigenen KI-Systeme rechtssicher gestalten. Welche Systeme als Hochrisiko gelten und was Verantwortliche jetzt konkret tun müssen, klärt dieser kostenlose Report auf. Fristen und Pflichten der EU-KI-Verordnung jetzt verstehen
Internationaler Druck auf Tech-Konzerne wächst
Der Antrag auf Sanktionen kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Technologieunternehmen weltweit unter Druck geraten. Erst am 6. Juli wies der nigerianische Präsident Bola Tinubu die nationale Wettbewerbsbehörde an, mehrere große Tech-Firmen und KI-Plattformen zu untersuchen. Grund ist eine Petition zur unbefugten Nutzung lokaler Medieninhalte für KI-Training.
Noch am heutigen Donnerstag verhängten europäische Datenschutzbehörden gemeinsam mit der US-Handelskommission FTC Berichten zufolge Strafen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro gegen drei Silicon-Valley-Unternehmen. Der Vorwurf: unbefugte Nutzung personenbezogener Daten in KI-Modellen. Die Aufsichtsbehörden ordneten zudem „maschinelles Verlernen" an, um Daten aus illegalen Quellen zu entfernen.
Während große Konzerne mit Millionenstrafen konfrontiert werden, sollten auch Fachverantwortliche die rechtlichen Rahmenbedingungen für KI in Deutschland genau kennen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen des EU AI Acts. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act sichern
Separater Rechtsstreit in Kanada
Doch damit nicht genug: OpenAI droht zusätzlich juristischer Ärger aus Kanada. Anfang der Woche kündigte der Generalstaatsanwalt von British Columbia an, dass die Provinz eine Klage gegen das Unternehmen vorbereitet. In diesem Fall geht es um den Vorwurf, OpenAI habe die Strafverfolgungsbehörden nicht über gewalttätige Eingaben bei ChatGPT informiert, die von einem Täter eines Massenerschießung in Tumbler Ridge im Februar 2026 stammten.
OpenAI hat sich zu dem Sanktionsantrag bislang nicht offiziell geäußert. Der Fall könnte weitreichende Folgen für die gesamte KI-Branche haben – nicht nur in den USA, sondern auch für Unternehmen wie SAP oder DeepL in Europa.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
