NIS2-Richtlinie: 48% der Firmen unterschätzen ihre Betroffenheit
23.06.2026 - 09:33:56 | boerse-global.de
Unternehmen investieren massiv in IT-Souveränität, KI und Cybersicherheit – doch regulatorische Hürden und wachsende Bedrohungen bremsen den Fortschritt.
Zwei Drittel setzen auf digitale Souveränität
70 Prozent der Großhändler und Hersteller planen derzeit, ihre IT-Investitionen zu steigern. Das zeigt das B2BEST Barometer des ECC KÖLN und weiterer Partner. Besonders wichtig ist den Firmen dabei die digitale Souveränität: Zwei Drittel der Befragten wollen die Kontrolle über ihre Daten behalten und Abhängigkeiten von großen Cloud-Anbietern reduzieren.
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Aktuell nutzen 61 Prozent der Unternehmen eine Mischung aus europäischen und außereuropäischen IT-Lösungen. Flexible Systemarchitekturen sollen einen sogenannten Vendor Lock-in verhindern – also die fatale Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter. Das betrifft vor allem spezialisierte Cloud-Infrastrukturen und GPU-Cluster für KI-Anwendungen.
KI als Effizienzturbo: 80 Prozent Automatisierungsquote
Dass sich Digitalisierung direkt auszahlt, zeigt ein Beispiel aus der Energiebranche: Die EnBW steigerte ihre Automatisierungsquote durch eine digitale Einkaufsplattform von 60 auf 80 Prozent. Die Effizienz in den betroffenen Prozessen verbesserte sich um 20 bis 25 Prozent.
Das wirtschaftliche Potenzial von KI im europäischen Handel ist enorm: Eine gemeinsame Studie von Euro Commerce und McKinsey beziffert es auf 240 bis 320 Milliarden Euro innerhalb der nächsten fünf Jahre. Besonders im Einkauf und in der Sortimentssteuerung sind Ergebnisverbesserungen von vier bis zehn Prozentpunkten drin. Doch viele Betriebe scheitern noch an der Skalierung von Pilotprojekten – fragmentierte Daten und veraltete Strukturen bremsen den Fortschritt.
Lieferketten im Härtetest: Digitale Zwillinge simulieren Störungen
Die Absicherung von Wertschöpfungsnetzwerken steht ebenfalls im Fokus. Das Forschungsprojekt „Re_KI_lienz“ mit Beteiligung von TRUMPF, Sartorius und Marquardt präsentierte Methoden zur Analyse von Lieferketten. Digitale Zwillinge und KI-Modelle simulieren potenzielle Störungen und testen die Reaktion des Netzwerks. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die Entwicklung.
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NIS2-Richtlinie: 48 Prozent unterschätzen ihre Betroffenheit
Trotz der technologischen Fortschritte herrscht bei vielen Unternehmen Unklarheit über die gesetzlichen Verpflichtungen. Der „Cyber Security Report 2026“ von Schwarz Digits zeigt: 48 Prozent der Betriebe unterschätzen ihre Betroffenheit durch die NIS2-Richtlinie. Besonders kritisch ist die Lage bei kleineren Firmen mit 10 bis 49 Mitarbeitern und einem Umsatz über 10 Millionen Euro – hier schließen 92 Prozent eine Betroffenheit fälschlicherweise aus.
In Deutschland sind schätzungsweise 30.000 Unternehmen von der Richtlinie erfasst. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 10 Millionen Euro oder zwei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Auch die persönliche Haftung der Geschäftsführung wird durch die neuen Compliance-Regeln verschärft.
Die Relevanz dieser Maßnahmen unterstreicht die Schadensbilanz: Für 2025 wurden die durch Cyberkriminalität verursachten Schäden in Deutschland auf über 200 Milliarden Euro geschätzt. Ein Bericht von Cisco warnt zudem vor der Geschwindigkeit der Bedrohungsentwicklung: 70 Prozent der befragten Unternehmen befürchten, dass sich KI-gestützte Angriffe schneller entwickeln als die eigenen Abwehrmöglichkeiten. Bereits 86 Prozent der Firmen haben Schäden durch KI-bezogene Vorfälle verzeichnet.
Netzinfrastruktur: KI-Verkehr explodiert um 214 Prozent
Die zunehmende Nutzung von Generativer KI und Agentic AI stellt auch die Hardware vor Probleme. Prognosen von Netzwerkausrüstern gehen davon aus, dass der KI-bezogene Netzwerkverkehr innerhalb von drei Jahren um 214 Prozent steigen wird. Zwei Drittel der Unternehmen erwarten, dass ihre bestehenden Netzwerke bereits in den nächsten 24 Monaten an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Digitale Resilienz umfasst künftig also nicht nur Software und Datenkontrolle, sondern auch den Ausbau leistungsfähiger Netzwerkstrukturen.
