Neue Studie: Pflanzenburger unter der Lupe
09.05.2026 - 18:04:32 | boerse-global.deDie COPLANT-Studie in Berlin-Charlottenburg soll Klarheit schaffen. Rund 6.000 Teilnehmende untersucht Professorin Cornelia Weikert vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Es ist eine der umfassendsten Langzeitstudien zu diesem Thema.
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Von flexitarisch bis vegan: Was die Forschung zeigt
Pflanzenbasierte Kost ist längst kein Nischenthema mehr. Doch viele Ersatzprodukte sind hochverarbeitet. Die COPLANT-Studie vergleicht klassische Mischkost mit verschiedenen pflanzlichen Ernährungsformen – vom Flexitarier bis zum Veganer.
Parallel dazu liefert das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) neue Erkenntnisse. Edyta Szczerba und Dr. Sabrina Schlesinger bestätigten Anfang Mai vier Ernährungsformen, die bei Typ-2-Diabetes helfen: mediterrane Kost, moderate Low-Carb-Ernährung, pflanzenbetonte und proteinreiche Kost. Die Prognose ist alarmierend: Bis 2040 könnten in Deutschland rund 12 Millionen Menschen an Typ-2-Diabetes erkranken.
Auch fürs Herz gibt es gute Nachrichten. Eine Meta-Analyse im „BMJ Nutrition Prevention & Health“ wertete Daten von über 300.000 Teilnehmenden aus. Ergebnis: Wer regelmäßig Hülsenfrüchte isst, senkt sein Bluthochdruck-Risiko um 15 Prozent. Bei Sojaprodukten sind es sogar 19 Prozent. Die optimale Menge: bis zu 170 Gramm Hülsenfrüchte oder 60 bis 80 Gramm Soja täglich. Zum Vergleich: In Europa liegt der Durchschnittsverzehr bei mageren 8 bis 15 Gramm pro Tag.
Zuckersteuer kommt – Ärzte fordern mehr Prävention
Die Wissenschaft trifft auf eine hitzige gesundheitspolitische Debatte. Die Bundesregierung plant für 2028 eine Zuckerabgabe auf gesüßte Getränke. Professor Hans Hauner vom Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin lobt den Schritt: Die Industrie soll ihre Rezepturen überarbeiten.
Doch es gibt auch Kritik. Marion Charlotte Renneberg, Präsidentin der niedersächsischen Ärztekammer, bemängelt das geplante Gesundheits-Sparpaket. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die Krankenkassen ab 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten – unter anderem durch Ausgabenbremsen und eine Kürzung des Bundeszuschusses auf 12,5 Milliarden Euro. Renneberg warnt: Wer bei der Prävention spart, zahlt später drauf. Ihre Forderung: verpflichtender Gesundheitsunterricht an Schulen.
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Das Mikrobiom – und warum Ballaststoffe so wichtig sind
Auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Kassel drehte sich alles um die Darmflora. Das Mikrobiom macht ein bis drei Prozent des Körpergewichts aus – und wird stark von unserer Ernährung beeinflusst. Ernährungsberaterin Anna Dandekar setzt auf pflanzliche, unverarbeitete und vielfältige Lebensmittel.
Studien zeigen: Zu viel Zucker und bestimmte gesättigte Fette killen positive Bakterien. Das könnte sogar das Risiko für Depressionen erhöhen. Der Trend heißt „Fibermaxxing“ – also ballaststoffreiche Ernährung. Die US-Kardiologin Dr. Danielle Belardo nimmt täglich rund 90 Gramm Ballaststoffe zu sich. Die meisten Menschen in Industrienationen erreichen kaum die empfohlenen 25 bis 30 Gramm.
Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) entdeckte zudem, wie sich Darmbakterien an unsere Lebensweise anpassen. Stämme des Bakteriums Segatella copri haben durch horizontalen Gentransfer eine höhere Sauerstofftoleranz entwickelt – das begünstigt ihre Besiedlung im Darm. Die Folgen sind noch unklar.
Flexitarier-Boom und neue Gastro-Konzepte
Die veränderten Essgewohnheiten hinterlassen Spuren in der Lebensmittelwirtschaft. In Kanada stieg der Anteil der Flexitarier von 4,6 Prozent (Herbst 2024) auf 9,4 Prozent (Frühjahr 2026). Reine Fleischesser sind von 67,6 auf 55 Prozent geschrumpft.
Ein neuer Faktor: GLP-1-Medikamente. Ursprünglich gegen Diabetes entwickelt, werden sie immer häufiger zum Abnehmen eingesetzt. Erste Restaurants in den USA reagieren seit Ende 2025 mit speziellen Menüs: kleinere Portionen, viel mageres Protein und Ballaststoffe.
Auch Apps helfen bei der Ernährungskontrolle. „Open Food Facts“ zeigt Nutri-Score und Eco-Score direkt im Laden. Der Nutri-Score bewertet die Nährwertqualität von A bis E, der Eco-Score den ökologischen Fußabdruck. In Frankreich sind bereits über 240.000 Produkte erfasst. Kritiker monieren: Die Methodik bevorzugt manchmal Intensivlandwirtschaft wegen kurzer Lieferwege.
Kita-Essen wird überarbeitet
Ein wichtiger Hebel für gesunde Ernährung ist die Gemeinschaftsverpflegung. Während der „Tage der Kitaverpflegung“ Anfang Mai 2026 diskutierte Berlin über vegane Mittagsmahlzeiten. Silvia Breher kündigte eine Überarbeitung der DGE-Qualitätsstandards an. Experten warnen: Rein pflanzliche Verpflegung in Kitas erfordert sorgfältige Planung – besonders bei Vitamin B12, Eisen, Calcium und Protein.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Ergebnisse der COPLANT-Studie in verbindliche Empfehlungen einfließen. Der Trend zur „Low-Lift Nutrition“ – einfache, alltagstaugliche Gewohnheiten mit Fokus auf unverarbeiteten Lebensmitteln – deutet darauf hin, dass praxisnahe Lösungen gefragt sind. Die Zuckerabgabe ab 2028 und die Reformen in der Kitaverpflegung sind die ersten großen regulatorischen Schritte.
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