Meta-Kartell, WhatsApp-API-Zugang

Meta-Kartell: EU zwingt WhatsApp-API-Zugang für Konkurrenten

10.06.2026 - 10:30:03 | boerse-global.de

Brüssel verpflichtet Meta per Eilverfügung, konkurrierenden Chatbots wieder kostenlosen Zugang zur WhatsApp Business API zu gewähren.

EU-Kommission zwingt Meta zu offener WhatsApp KI-Schnittstelle
Meta-Kartell - The EU flag with circuit board patterns, the Meta logo, and WhatsApp icon, symbolizing regulation of AI access. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Brüssel – Die Europäische Kommission hat dem US-Konzern Meta per Eilverfügung auferlegt, konkurrierenden KI-Chatbots wieder kostenlosen Zugang zur WhatsApp Business API zu gewähren. Die Anordnung vom 9. Juni gibt Meta fünf Werktage Zeit, die Bedingungen von vor Oktober 2025 wiederherzustellen.

Wettbewerbshüter greifen durch

Der Schritt ist Teil eines laufenden Kartellverfahrens (AT.41034), das die Kommission im Dezember 2025 einleitete. Die Ermittlungen ergaben: Ab dem 15. Oktober 2025 schloss Meta nach und nach Drittanbieter von seiner Plattform aus. Anfang 2026 ließ der Konzern nur noch den eigenen Assistenten Meta AI zu – bevor er am 4. März 2026 Zugangsgebühren einführte.

Die Aufseher bewerten diese Gebühren als faktisches Verbot für Wettbewerber. Die Kosten seien für kleinere Rivalen wirtschaftlich nicht tragbar gewesen. Die einstweilige Maßnahme soll den Markt sichern, bis das Hauptverfahren abgeschlossen ist – oder bis Juni 2029.

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Schutz für den KI-Market

EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera betonte die Dringlichkeit: In extrem dynamischen Märkten könne Wettbewerb verloren gehen, lange bevor eine endgültige Entscheidung falle. „Wir können nicht zulassen, dass große Digitalkonzerne ihre frühere Marktmacht nutzen, um zu bestimmen, wer im europäischen KI-Sektor innovieren und konkurrieren darf“, so Ribera.

Die Maßnahme soll die Wahlfreiheit der Verbraucher im boomenden Markt für KI-Assistenten sichern. Mehrere Unternehmen hatten Beschwerde eingelegt, darunter die französische Firma Agentik, The Interaction Company (Poke.com) sowie ein spanisches Konkurrenzunternehmen. Auch prominente KI-Entwickler wie OpenAI profitieren von der Entscheidung.

Seltenes Verfahren mit hohem Risiko

Einstweilige Maßnahmen sind für die EU-Kommission ein ungewöhnliches Mittel. Der letzte prominente Fall lag 2019 – damals ging es gegen Broadcom. Rechtsgrundlage ist Artikel 102 des EU-Vertrags, der den Missbrauch marktbeherrschender Stellungen verbietet.

Verstößt Meta gegen die Fünftagefrist, drohen empfindliche Strafen: Bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Bei Erlösen von umgerechnet rund 170 Milliarden Euro im Jahr 2025 könnte das eine Milliardenstrafe bedeuten.

Meta kündigt Widerspruch an

Der Konzern reagierte scharf. Meta bezeichnet die Anordnung als „regulatorische Übergriffigkeit“ und argumentiert, die umstrittenen Änderungen seien für den Betrieb der Plattform notwendig gewesen. Das Unternehmen kündigte Berufung an – bleibt aber an die Frist gebunden, den Zugang für Wettbewerber umgehend wiederherzustellen.

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