Mentale, Gesundheit

Mentale Gesundheit im Spitzensport: Psychische Stabilität wird trainierbar

17.05.2026 - 06:44:47 | boerse-global.de

Handballstar Gidsel thematisiert mentale Krisen. Neue Studien belegen: Dampfablassen schadet, Achtsamkeit hilft. Burnout betrifft auch Arbeitswelt.

Mentale Gesundheit im Spitzensport: Psychische Stabilität wird trainierbar - Foto: über boerse-global.de
Mentale Gesundheit im Spitzensport: Psychische Stabilität wird trainierbar - Foto: über boerse-global.de

Welthandballer Mathias Gidsel von den Füchsen Berlin machte am 15. Mai öffentlich, was viele im Verborgenen erleiden: einen mentalen Zusammenbruch nach seinem WM-Debüt 2021. Seine Botschaft: Psychische Gesundheit ist keine Schwäche, sondern die Grundlage für nachhaltigen Erfolg.

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Gidsel arbeitet heute intensiv mit einem Mentaltrainer. Er setzt auf innere Dialoge, um den Fokus vom Ergebnis auf den Spaß am Spiel zu lenken. Der Fall markiert einen Wendepunkt in der Branche: Weg vom Image des unverwundbaren Gladiators, hin zur proaktiven Nutzung psychologischer Unterstützung.

Dampfablassen ist kontraproduktiv

Lange galt: Wut rauslassen durch Boxen oder Schreien hilft. Eine heute veröffentlichte Metaanalyse mit mehr als 10.000 Teilnehmern widerlegt das massiv. Die Studie zeigt: „Dampfablassen“ verlängert den Erregungszustand – statt ihn zu beenden.

Die Psychotherapeutin Franca Cerutti erklärt: Tiefes Atmen, Meditation oder progressive Muskelentspannung regulieren das vegetative Nervensystem deutlich besser. Selbst moderates Joggen schneidet bei akuter Wut schlechter ab als vollkommene Ruhe. Im Profisport gewinnt daher die 4-7-8-Atemmethode an Bedeutung, teils unterstützt durch ätherische Öle wie Lavendel oder Bergamotte.

Die wirtschaftliche Dimension des Burnouts

Der Druck beschränkt sich nicht aufs Spielfeld. Der „Wellness at Work Report“ von Employment Hero zeigt: 2024 erlebten 67 Prozent der Arbeitnehmer Burnout-Symptome – ein Anstieg gegenüber 58 Prozent im Jahr 2022. Experte Lee Lam Thye vom Mental Health Advisory Council warnt vor dem Phänomen des Präsentismus: Menschen arbeiten trotz psychischer Beeinträchtigung weiter, was langfristig massive wirtschaftliche Schäden verursacht.

Auch in der Medizinbranche schlägt das durch. Eine Umfrage von CHG Healthcare unter Ärzten ergab: Für 85 Prozent der Mediziner ist die Work-Life-Balance inzwischen der wichtigste Jobfaktor. 2018 waren es nur 63 Prozent. Da bis zu 50 Prozent der praktizierenden Ärzte Burnout-Symptome zeigen, sprechen Experten von einem globalen Epidemie-Niveau.

Geschlechtsspezifische Risiken im Fokus

Die Forschung dringt tiefer in die biologischen Ursachen vor. Gynäkologin Camila Bolonhezi weist darauf hin: Chronischer Stress stört massiv den Hormonhaushalt. Ein Anstieg von Cortisol und Adrenalin kann zu unregelmäßigen Zyklen und verstärktem PMS führen – Symptome, die als „Burnout-Hormonal“ bezeichnet werden und als Warnsignale gelten.

Eine schwedische Studie mit Daten von 3,6 Millionen Frauen belegt zudem: Prämenstruelle Beschwerden erhöhen das Depressionsrisiko um das 2,7-Fache, das ADHS-Risiko um das 3,55-Fache. Für den Spitzensport bedeutet das: Trainingspläne und medizinische Betreuung müssen individueller und präventiver gestaltet werden.

Neue Technologien – neuer Stress?

Künstliche Intelligenz verspricht Effizienzgewinne, schafft in der Übergangsphase aber zusätzlichen Druck. Eine Untersuchung von Workday zeigt: Rund 40 Prozent der durch KI eingesparten Zeit fließt derzeit in die Korrektur der Ergebnisse. Die kognitive Last steigt vorerst – auch für Athleten, die mit datenbasierten Systemen arbeiten.

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Resilienz als Wettbewerbsvorteil

Die Stadt Dresden informierte kürzlich: Fast jeder dritte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens an einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung. Im Spitzensport ist die Dunkelziffer aufgrund des stigmatisierten Umfelds oft noch höher. Die wachsende Zahl an Hilfsangeboten – von spezialisierten Fachdiensten wie dem Hanusch-Krankenhaus in Wien bis zu digitalen Präventionskursen der BARMER – zeigt: Die Infrastruktur wird professioneller.

Fußballprofi Robin Gosens, der selbst Psychologie studiert hat, trägt zur Normalisierung bei. In seinem Podcast spricht er mit Gästen wie Sänger Max Giesinger über Stressbewältigung und Zweifel. Giesinger betont die Bedeutung von Therapieerfahrungen, um mit Erfolgsdruck umzugehen.

Mentaltraining wird zum Standard

Die Integration psychischer Gesundheit in das professionelle Management wird sich weiter intensivieren. Vereine und Verbände müssen psychosoziale Risiken in ihre Arbeitsschutzrahmen aufnehmen – von der akuten Krisenbetreuung bis zur Schulung in Achtsamkeit und Digital Detox.

Anbieter wie die VHS Roth oder spezialisierte Yoga-Zentren melden bereits steigendes Interesse an Stressbewältigungskursen, oft von Krankenkassen bezuschusst. Für den Spitzensport bedeutet das: Mentaltraining wird zum festen Bestandteil – gleichwertig zum Krafttraining. Der Fokus verschiebt sich von der reaktiven Behandlung zur proaktiven Stärkung der psychischen Widerstandskraft. Jene Akteure, die mentale Gesundheit als integralen Bestandteil der Leistungskette begreifen, werden langfristig die stabilsten Ergebnisse erzielen.

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