Mentale Gesundheit an Hochschulen: 24 Sitzungen bringen bis zu 3 ECTS
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deHochschulen bauen ihre Beratungs- und Hilfsangebote kontinuierlich aus, um Studierende bei der Bewältigung von Krisen zu unterstützen und deren persönliche Kompetenzen zu stärken. Die Bandbreite der Maßnahmen reicht von themenspezivischen Workshops und digitalen Selbsthilfe-Werkzeugen über kurrikular verankerte Kurse bis hin zu intensiven therapeutischen Programmen.
Gruppenangebote, Workshops und offener Austausch
An der Technischen Universität Dortmund umfasst das Semesterangebot der Psychologischen Studienberatung neben vertraulichen Einzelgesprächen in Krisensituationen auch Coachinggruppen zu Themen wie Stressbewältigung und Prokrastination. Hinzu kommen Prüfungscoachings, ein Schnupperkurs für Smalltalk, kreative Aktivitäten zur Minderung von Einsamkeit sowie eine englischsprachige Workshop-Reihe zur Lernorganisation, zu Lernstrategien und zum Umgang mit Prüfungsängsten.
Einen offenen Raum zur Vernetzung schuf zudem die Universität Mannheim mit einem anmeldefreien Austauschtreffen für Studierende mit Beeinträchtigung am 15. Oktober 2026. Vor Ort waren Alessa Nick von der Stabsstelle Gleichstellung und Diversität mit einem Impulsvortrag, Tina Helbig vom Zentrum für Lehren und Lernen sowie Caterina Katzer als Beauftragte für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung vertreten.
Digitale Werkzeuge und akademisch anrechenbare Prävention
In Portugal führte die Universität Coimbra über ihre Sozialdienste am 9. Oktober 2026, am Vorabend des Welttags der psychischen Gesundheit, die kostenlose Anwendung UC reMind ein. Das Programm wurde von UC Framework im Rahmen des Projekts S2ES@Coimbra entwickelt und ist über das Portal UC One zugänglich.
Die Psychologin Alicia Marques erklärte dazu, dass die Inhalte von Psychologen der Sozialdienste erarbeitet wurden, um Vorurteile abzubauen; eine professionelle persönliche Beratung könne die Anwendung jedoch nicht ersetzen. Die Software bietet Stimmungsmonitoring, monatliche Herausforderungen und Informationen zu Hilfsangeboten.
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Einen präventiven Ansatz verfolgt die spanische Universidad del País Vasco. Ihr psychologischer Beratungsdienst startete im September 2026 auf drei Campus die Initiative zur mentalen Gesundheit mit zwölf wöchentlichen Sitzungen von jeweils 2,5 Stunden bis Dezember 2026. Weitere zwölf Sitzungen sind von Februar bis Mai 2027 vorgesehen.
Studierende können für die 24 Einheiten bis zu 3 ECTS erwerben, berechnet mit 0,5 ECTS pro vier Sitzungen. Direktorin Andone Sistiaga Berrondo hob dabei die Bedeutung der Vorbeugung hervor; inhaltlich stehen Stressbewältigung, emotionale Selbstregulation, psychologische Erste Hilfe, Achtsamkeit und Entstigmatisierung im Mittelpunkt.
Themenwochen, Spezialtrainings und intensive Betreuung
An der polnischen Universität ?ód? beginnt am 19. Oktober 2026 die Akademische Woche der psychischen Gesundheit mit frei zugänglichen Programmpunkten und anmeldepflichtigen Workshops bis zum 23. Oktober 2026. Geplant sind unter anderem eine Podiumsdiskussion zu traditionellen Bildungsmodellen, kunsttherapeutische Einheiten und pädagogische Gesprächsrunden.
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Parallel startet am 17. Oktober 2026 das sechsstündige, vom Wissenschaftsministerium geförderte Schulungsprogramm PRObeing Study & Work für Gruppen von maximal acht Teilnehmenden, das sich Aspekten wie Resilienz, Zeit- und Aufmerksamkeitsmanagement sowie digitaler Hygiene widmet.
In den Vereinigten Staaten ergänzen Hochschulen ihre Angebote ebenfalls: An der University of Arizona startete im Herbst 2026 über Sierra on Campus ein intensives teilstationäres Programm mit neun Wochenstunden Gruppentherapie und zusätzlichen Einzelsitzungen.
Nach Angaben der Evaluationsmanagerin Rachel Abraham sind 70 Prozent der Studierenden, die das Programm im Vorjahr absolvierten, weiterhin im Studium oder haben ihren Abschluss erreicht, während sich die Überweisungen im Vorjahresvergleich verachtfachten.
An der Eastern Washington University läuft seit Herbst 2026 die Initiative Thrive EWU an, die auf einem Zehn-Dimensionen-Modell aufbaut und neben Trainings auch einen zentralen Anlaufpunkt auf dem Campus umfasst.
Auch langfristige Initiativen passen sich veränderten Bedürfnissen an: Die Hochschulseelsorge Horizonte auf dem Campus Luzern blickt am 21. Oktober auf ihr 20-jähriges Bestehen zurück.
Fabian Pfaff und Lorenzo Scornaienchi leiten das heute ökumenisch und hochschulübergreifend getragene Angebot, bei dem klassische Gottesdienste an Zuspruch verloren haben, während vertrauliche Beratungen zu Leistungsdruck, Selbstwert und persönlicher Orientierung im Vordergrund stehen.
