Mentale Gesundheit: 75 Prozent psychischer Störungen beginnen vor 25
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 23:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zahlreiche Initiativen setzen auf gezielte Schulungen von Betreuungs- und Fachkräften, um psychische Belastungen frühzeitig abzufangen. Da nach Angaben von Laureus rund 75 Prozent aller psychischen Störungen bereits vor dem 25. Lebensjahr auftreten, rücken Sportvereine, Schulen und das alltägliche Umfeld zunehmend in den Mittelpunkt präventiver Konzepte.
Qualifizierung im Nachwuchs- und Jugendsport
Ein Schwerpunkt liegt auf Trainingsangeboten für Multiplikatoren im Sport. Das Movember-Programm „Ahead of the Game“ schult Coaches und Programmleitungen darin, mentale Gesundheit in Sportangeboten für Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren zu verankern.
In Paris nehmen daran sechs Organisationen teil. In den USA stärkt die Initiative „Game Changers“ 14 Organisationen an den Standorten Atlanta, Chicago und New York, wobei die Zielgruppe Jungen und junge Männer im Alter von 10 bis 24 Jahren umfasst.
Niedrigschwellige Zugänge im Alltag und Männergesundheit
Ergänzend zu Sportangeboten entstehen Projekte, die gezielt dort ansetzen, wo Männer im Alltag erreicht werden können. Hintergrund sind deutliche Versorgungs- und Risikounterschiede: Nach Angaben des britischen Office for National Statistics sterben Männer dreimal so häufig durch Suizid wie Frauen.
Zudem zeigte eine Auswertung der Organisation Rethink für das Jahr 2025, dass im Vereinigten Königreich eine Wartezeit von über 18 Monaten auf eine psychische Behandlung achtmal so wahrscheinlich war wie auf Therapien bei körperlichen Leiden.
Vor diesem Hintergrund bildete die britische Kampagne „12th Man“ in mehr als 100 Barbershops Personal in Erster Hilfe für psychische Gesundheit aus. Die geschulten Teams lernen, Warnsignale zu erkennen, gezielt nachzufragen und Ratsuchende an professionelle Hilfsangebote weiterzuvermitteln.
In Dänemark adressiert das sogenannte Vildmandsprojektet Männer über naturbasierte Ansätze. Eine wissenschaftliche Untersuchung mit 114 Teilnehmern dokumentierte eine verbesserte körperliche und psychische Lebensqualität sowie ein verringertes Stressempfinden; die Effekte blieben teils sechs Monate später messbar. Seit dem Start im Jahr 2014 nahmen rund 700 Männer an dem Programm teil, das inzwischen von mehr als 50 dänischen Kommunen übernommen wurde.
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Präventionsmodelle im Bildungssektor
Auch Bildungseinrichtungen etablieren strukturierte Hilfssysteme. Die Vereinigung von Ordensschulen Österreich (VOSÖ), die 85 Einrichtungen an 24 Bildungsstandorten mit rund 14.000 Kindern und Jugendlichen umfasst, startete im Schuljahr 2026/2027 das Programm „VOSÖ-Care“.
Als erster Standort fungiert seit September 2026 der Clara Fey Campus Maria Regina in Wien. Das Betreuungsnetzwerk richtet sich an Kinder und Jugendliche von 3 bis 19 Jahren sowie an Eltern und Lehrkräfte.
Im Rahmen der Implementierung wurden bereits 95 Pädagoginnen, Pädagogen und Schulleitungen geschult. Rund 700 Kinder an elf Volksschulen in Niederösterreich und Wien absolvierten ein spezielles Training zur Emotionsregulierung, während 8.800 Schülerinnen und Schüler an 31 Schulen an Mental Health Days teilnahmen.
Der Elternbeitrag liegt bei 5 Euro monatlich. Rund 9.700 Erziehungsberechtigte erhielten Einladungen zu Schulungen; das Fachnetzwerk stützt sich auf Mediatorinnen, Schulpsychologen, Sozialarbeiter sowie Seelsorger.
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Angebote im Gesundheitssystem und strukturelle Grenzen
In Deutschland flankieren die gesetzlichen Krankenkassen solche Maßnahmen: Zum Auftakt der bundesweiten Woche der Seelischen Gesundheit, die bis zum 20. Oktober 2026 stattfindet, wies der Verband der Ersatzkassen (vdek) auf nahezu 50.000 Präsenzkurse sowie etwa 2.500 Onlineangebote zum Stress- und Ressourcenmanagement hin. Insgesamt existieren mehr als 120.000 zertifizierte Präventionskurse, für die gesetzliche Kassen anteilig Kosten übernehmen.
Die Dringlichkeit unterstreichen aktuelle Arbeitsmarktdaten: Bei DAK-versicherten Beschäftigten verursachten psychische Erkrankungen im Jahr 2025 rund 366 Ausfalltage je 100 Versicherte, was einem Anstieg von 6,9 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Krankschreibungen dauerten dabei im Schnitt 34,2 Tage.
Aus Sicht der SRH können Resilienz- und Trainingsangebote die Notwendigkeit einer gesundheitsgerechten Arbeitsgestaltung mit realistischen Arbeitsmengen, verlässlichen Arbeitszeiten, ausreichendem Personal und Entscheidungsspielräumen jedoch nicht ersetzen.

