Mentale, Gesundheit

Mentale Gesundheit: 174.000 junge Menschen in Eingliederungshilfe

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen wachsende psychische und finanzielle Belastungen junger Menschen sowie Lücken bei Unterstützung, Finanzwissen und Prävention.

Junge Menschen unter Druck: Finanzsorgen treffen mentale Gesundheit
Ein minimalistisch eingerichteter, leerer Raum mit einem einzelnen Holzstuhl bei grauem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte und statistische Erhebungen verdeutlichen einen wachsenden Zusammenhang zwischen finanziellem Druck und der mentalen Gesundheit junger Menschen. Lebenskrisen führen dabei vermehrt zu einer Neubewertung persönlicher Prioritäten, während wirtschaftliche Unsicherheiten die Zukunftsplanung erschweren.

Steigender Bedarf an Unterstützung in der Jugendhilfe

Das Statistische Bundesamt verzeichnete für das Jahr 2024 rund 174.000 Fälle von Eingliederungshilfe im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. Damit hat sich die Zahl dieser Maßnahmen innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Als häufigste Gründe für diese Entwicklung wurden seelische Probleme wie Ängste, suizidale Tendenzen und Entwicklungsverzögerungen sowie ADHS und Hyperaktivität identifiziert.

Auch im Bereich der beruflichen Bildung zeigen sich Belastungserscheinungen. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) untersuchte die Situation von 929 Auszubildenden in der dualen Ausbildung. Zwar äußerten 88 Prozent der Befragten eine generelle Zufriedenheit, doch 22 Prozent gaben an, bereits über einen Abbruch der Ausbildung nachgedacht zu haben.

Unter den psychisch belasteten Teilnehmern lag dieser Anteil bei 73,6 Prozent. Psychische Belastungen wurden von 39,6 Prozent als konkreter Grund für einen angedachten Abbruch genannt. Die Untersuchung offenbarte zudem eine Kommunikationslücke zwischen Betrieb und Nachwuchskraft: Lediglich 18,5 Prozent der Betriebe gaben an, von den psychischen Problemen ihrer Auszubildenden zu wissen.

Wirtschaftliche Sorgen und mangelndes Finanzwissen

Die finanzielle Situation wird für viele junge Menschen zum Belastungsfaktor. Laut der Studie „Jugend in Deutschland 2026“ zählen Inflation (53 Prozent), Wohnkosten (48 Prozent) und die Sorge um das Rentensystem (45 Prozent) zu den größten Ängsten der 14- bis 29-Jährigen.

Fast jeder dritte Befragte in der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen gab an, im Jahr 2026 über Konsumschulden zu verfügen. Daten der SCHUFA untermauern diesen Trend: Nur noch 40 Prozent der 15- bis 25-Jährigen glauben derzeit, ihren Lebensstandard halten zu können – vor fünf Jahren lag dieser Wert noch bei 74 Prozent.

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Parallel dazu zeigen Erhebungen Defizite in der Finanzbildung auf. In einer Omniquest-Studie für Gold.de konnten 32 Prozent der 16- bis 35-Jährigen maximal eine von drei einfachen Finanzfragen korrekt beantworten.

Ein Viertel der Befragten kannte den Unterschied zwischen Brutto- und Nettogehalt nicht. Während 27 Prozent der Befragten angaben, kein Geld anzulegen, stieg dieser Anteil bei den 16- bis 20-Jährigen auf 35,1 Prozent.

Überschuldung und Belastungen in der Arbeitswelt

Die Datenlage zur Überschuldung zeigt, dass gesundheitliche Probleme oft direkt mit finanziellen Krisen verknüpft sind. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren Erkrankungen, Sucht oder Unfälle im Jahr 2025 mit 18 Prozent der häufigste Auslöser für Überschuldung, dicht gefolgt von Arbeitslosigkeit mit 17 Prozent.

Die mittlere Schuldenhöhe der rund 187.000 beratenen Personen lag bei 34.650 Euro. Dabei wiesen Männer mit 39.717 Euro höhere Durchschnittsschulden auf als Frauen mit 29.500 Euro.

In der Arbeitswelt bleibt das Stressniveau hoch. Eine Umfrage von Mavie in Österreich ergab, dass sich 67 Prozent der Arbeitnehmer oft gestresst fühlen, wobei Frauen (73 Prozent) stärker betroffen sind als Männer (61 Prozent). Besonders auffällig ist die Präsentismus-Neigung: 83 Prozent der Befragten gaben an, trotz Erschöpfung zur Arbeit zu gehen.

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Perspektiven am Arbeitsmarkt und Prävention

Die Auswirkungen technologischer Umbrüche wie der Künstlichen Intelligenz (KI) auf die „Generation Z“ werden von Experten unterschiedlich bewertet. Während einige Forscher vor einer „lost generation“ aufgrund von Arbeitsmarktveränderungen warnen, weisen Arbeitsmarktökonomen darauf hin, dass in Deutschland derzeit primär die Rezession und nicht die KI die Chancen für Berufseinsteiger beeinträchtige.

Angesichts dieser komplexen Belastungslage betonen Fachleute die Bedeutung eines offenen Umgangs mit psychischen Krisen. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach warb im Rahmen des Welttags der Suizidprävention für eine Enttabuisierung des Thema.

Im Jahr 2024 wurden deutschlandweit rund 10.370 Suizide registriert. Hilfsangebote wie die Krisendienste Bayern oder die anonyme Mail-Beratung der Caritas-Plattform U25 bieten hier niedrigschwellige Unterstützung für Betroffene an. Letztere ist durch Mittel des Bundes und des Freistaats Bayern bis Ende 2027 finanziert.

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