Mental Load: 89 Prozent der Mütter fühlen sich überfordert
10.06.2026 - 05:30:47 | boerse-global.de
Das zeigt eine neue Studie der R+V Versicherung aus Anfang Juni 2026. Besonders betroffen sind Frauen: 89 Prozent der befragten Mütter geben an, die organisatorische und mentale Last der Alltagsplanung massiv zu spüren.
Die Zahlen sind alarmierend. 79 Prozent der Befragten fordern eine gerechtere Aufgabenverteilung zwischen den Partnern. 75 Prozent wünschen sich stärkere staatliche Unterstützung. Familienministerin Karin Prien (CDU) räumt ein: Die unsichtbare Last der Alltagsorganisation beeinträchtige die Leistungsfähigkeit von Eltern und das Wohlbefinden der Kinder.
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Vereinbarkeit als Schlüssel gegen Fachkräftemangel
Das Thema hat längst eine wirtschaftliche Dimension. Auf einer DGB-Tagung am 9. Juni 2026 in Berlin betonten Experten die Bedeutung familienfreundlicher Strategien für die Fachkräftesicherung. Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, hob die Schlüsselrolle von Betriebsräten bei flexiblen Arbeitszeitmodellen hervor.
Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) leiden unter dem Fachkräftemangel. Eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus dem Frühjahr 2026 zeigt: 71,7 Prozent der Fachkräfteengpässe entfallen auf den Mittelstand – rund 393.000 unbesetzte Stellen. Die regionale Betroffenheit schwankt stark. In Bayern bleibt jede zweite Stelle unbesetzt, in Berlin ist nur jede fülle betroffen. Experten raten Unternehmen zu besserem Employer Branding und Bindungsstrategien durch verbesserte Vereinbarkeitsangebote.
Streit um Elterngeld und Steuerentlastungen
Trotz der Belastungen steht die Familienpolitik vor finanziellen Herausforderungen. Ministerin Prien sieht sich mit Kritik an geplanten Kürzungen konfrontiert. Berichten zufolge stehen Einsparungen beim Elterngeld von bis zu 350 Millionen Euro im Raum – in einigen Kalkulationen sogar bis zu 500 Millionen Euro. Verbände wie der Deutsche Frauenrat und der Deutsche Familienverband warnen: Solche Kürzungen könnten die Bemühungen um eine gerechtere Aufgabenverteilung zwischen den Geschlechtern konterkarieren.
Gleichzeitig werden Forderungen nach finanzieller Entlastung laut. SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas sprach sich für eine steuerliche Entlastung von mindestens 500 Euro pro Jahr für kleine und mittlere Einkommen aus. Die Umsetzung soll bis Anfang 2027 erfolgen. Zudem verknüpfte sie eine mögliche Flexibilisierung des Acht-Stunden-Tages mit Bedingungen wie Tarifbindung und der verpflichtenden Einführung einer elektronischen Arbeitszeiterfassung.
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Reformen in der Kinderbetreuung
Auf kommunaler Ebene werden bereits konkrete Schritte eingeleitet. In Mannheim wurde für September 2026 eine Reform der Vergabekriterien für Kita-Plätze angekündigt. Künftig soll bei der Platzvergabe nicht nur die Erwerbstätigkeit beider Elternteile zählen, sondern explizit auch Care-Arbeit und persönliche Lebenslagen wie Pflege oder Ausbildung.
Beim schulischen Bereich rückt der gesetzliche Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in den Fokus. Er greift ab dem Schuljahr 2026/27. Vertreter des Ganztagsschulverbandes äußerten jedoch Bedenken hinsichtlich der Vorbereitung in vielen Kommunen. Während Stadtstaaten und ostdeutsche Bundesländer gut aufgestellt seien, fehle es in westdeutschen Flächenländern teilweise noch an den notwendigen Kapazitäten. Die Sorge: Dass aus der Ganztagsbetreuung lediglich eine reine Verwahrung wird, statt einen echten Bildungsauftrag zu erfüllen.
Weitere Impulse werden vom ersten Berliner Familiengipfel am 15. Juni 2026 erwartet. Dort beraten Vertreter aus Politik und Gesellschaft über die Weiterentwicklung der Unterstützungsformate.
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