Mecklenburg-Vorpommern: 50.000 Arbeitsplätze wechseln zu Nextcloud
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 01:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das Bundesland ersetzt Microsoft-Produkte durch quelloffene Alternativen – und setzt dabei auf Nextcloud, OpenProject und eigene KI-Assistenten.
Migration von SharePoint zu Nextcloud: Erster Meilenstein erreicht
Rund 5.000 Beschäftigte der Landesverwaltung arbeiten bereits auf der Open-Source-Plattform Nextcloud. Mittelfristig soll die Zahl auf 50.000 Arbeitsplätze steigen. Der Chief Information Officer Marco Anschütz meldet: Die Umstellung verlief ohne Datenverluste oder nennenswerte Störungen.
Parallel dazu führt das Land OpenProject für das Projektmanagement ein. Das Betriebssystem Windows bleibt vorerst auf den Desktops erhalten. Die Verantwortlichen setzen auf eine schrittweise Ablösung einzelner Softwarekomponenten.
Pilotphase für Office-Alternativen und KI-Assistenten
Nextcloud Office, basierend auf Collabora Office, und LibreOffice werden derzeit getestet. Ziel ist die Umstellung auf offene Standards wie das OpenDocument-Format (ODF). Das erhöht die Interoperabilität innerhalb der öffentlichen Verwaltung.
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Ergänzt wird das Paket durch den KI-Assistenten „LEA“. Er nutzt europäische Sprachmodelle wie Mistral und Tilde und läuft auf der Benutzeroberfläche Open WebUI. Betrieben wird das System vom IT-Dienstleister Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern (DVZ M-V).
Warum das Land den Kurswechsel vorantreibt
Finanzminister Heiko Geue betont: Es geht um informationelle Selbstbestimmung. Der Verzicht auf teure Lizenzgebühren soll langfristig den Haushalt entlasten. Ein weiterer Treiber sind geopolitische Risiken – etwa der US CLOUD Act, der US-Behörden Zugriff auf Daten in Cloud-Systemen amerikanischer Unternehmen ermöglicht.
Mecklenburg-Vorpommern ist mit diesem Kurs nicht allein. Seit Herbst 2025 kooperiert das Land mit Schleswig-Holstein beim Aufbau souveräner IT-Arbeitsplätze. Bayern prüft derzeit mit einem „Sovereignty Check“ die Machbarkeit eigener Alternativen.
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Vernetzung über die Landesgrenzen hinaus
In Schleswig-Holstein werden über 100 Fachverfahren ersetzt, die auf Microsoft Access basierten. Die neuen Low-Code-Lösungen laufen auf der A12-Plattform, die seit Mai 2026 unter der Open-Source-Lizenz EUPL 1.2 verfügbar ist. Sie soll in den „Deutschland-Stack“ integriert werden.
Das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) gewinnt ebenfalls an Bedeutung. Dessen Software-Suite openDesk dient zunehmend als Referenzmodell – sogar der Internationale Strafgerichtshof setzt sie ein. Mit Standards wie PDF/UA und ODF strebt die Verwaltung eine Dokumentenstruktur an, die unabhängig von proprietären Formaten funktioniert.
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